1. Startseite
  2. Lokales
  3. Erding

Bahnausbau: Donnerstagspalaver gegen Sonntagsreden

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

null
Pendler-Aktion am Dorfener Bahnhof: SPD-Bundestagsabgeordneter Ewald Schurer (2. v. r.) mit Parteifreunden (v. l.) Simone Jell. Michaela Meister, Heiner Müller Ermann und Bahn-Vertreter Johann Ramstötter. © Renner

Dorfen - Aufstehen mit den Pendlern: Der SPD-Bundestagsabgeordnete Ewald Schurer hat am Donnerstagmorgen den Dorfener Bahnhof besucht. Seine Mission: Mit den Pendlern ins Gespräch kommen. Der Wahlkampf wirft seine Schatten voraus.

Morgens kurz nach halb Sieben ist die Welt noch in Ordnung. Gerade mal fünf Pendler sind fröstelnd am Dorfener Bahnhof, als der SPD-Bundestagsabgeordnete Ewald Schurer aus Ebersberg gegen 6.35 Uhr mit seinem grauen Toyota Verso vorfährt.

Die Farbe grau ist irgendwie sinnbildlich für den Dorfener Bahnhof, die Bahnstrecke München-Mühldorf und die vielen Versprechen zum Bahnausbau, die Pendlern seit Jahrzehnten gemacht werden. Tristesse aller Orten.

Schurer ist nach Dorfen gekommen, um mit den Pendlern „ins Gespräch zu kommen und Kritik und Anregungen aufzunehmen“. Mit dabei sind Dorfener Parteifreunde: Kreisvorsitzende und Stadträtin Michaela Meister, Ortsvorsitzende Simone Jell und Stadtrat Heiner Müller-Ermann. Aus den geplanten Gesprächen mit Pendlern wird allerdings nichts. Die kommen in Strömen erst Minuten vor der Einfahrt des Zuges. Und entsprechend pressiert es. Zudem können sich die Pendler ganz offensichtlich am frühen Morgen Schöneres vorstellen, als über den Bahnausbau zu reden – „Wer's glaubt, wird selig“, artikuliert sich ein Fahrgast im vorbeigehen.

Schurer hat ihm zuvor, wie Dutzenden anderen, mit den Worten „Guten Morgen, darf ich Ihnen ein paar Informationen zum Bahnausbau mitgeben?“, einen Flyer in die Hand gedrückt. Darin erfahren die Zugreisenden unter dem Titel „Öffentlicher Nahverkehr ist für die Menschen da!“ unter anderem, das „gut ausgebaute und verlässliche Bahnverbindungen im öffentlichen Nah- und Fernverkehr“ für die Menschen „von höchster Bedeutung“ sind. „Sie alle müssen schnell und vor allem sicher von A nach B kommen.“ Die Mimik mancher Pendler spricht Bände . . .

Kurz nach sieben Uhr stößt auch ein Bahn-Vertreter zum SPD-Quartett. Johann Ramstötter ist Mitarbeiter im Bahnhofsmanagement Oberbayern, Bereich Infrastruktur. Schurer verkündet ihm jetzt gleich, was nicht zuletzt durch seine knapp ein Dutzend Bahnhofs-Besuche, die er seit einem Jahr gemacht hat, Positives passiert sei. Für Dorfen nennt der SPD-Abgeordnete zwei gläserne Wartehäuschen vor dem Bahnhof sowie die elektronische Fahrgastinformation. Da passt das gar nicht, dass Ramstötter wenig später darauf verweist, dass diese Maßnahmen auf Anordnung von Bahnchef Rüdiger Grube an allen Bahnhöfen gemacht worden seien, die von der Deutschen Bahn verkauft wurden. Und das waren 490, wie sie die Bahn nennt, „Empfangsgebäude“. Als Erfolg sieht Schurer auch die neuen Fahrradständer am Dorfener Bahnhof – die freilich wurden von der Stadt Dorfen finanziert und gebaut.

Als die Dorfener Stadträtin und SPD-Kreisvorsitzende Meister dann auf das Thema Parkplätze zu sprechen kommt, sichert Schurer seine „volle Unterstützung“ zu. Die SPD ist bekanntlich gegen den Bau eines Parkdeckes und fordert stattdessen den Bau von Parkplätzen im Süden des Bahnhofs auf dem ehemaligen Bahngelände. Seit März liegt der Stadt laut SPD ein Angebot von der Bahn über die Pachtmöglichkeiten der Flächen vor. Bürgermeister Heinz Grundner (CSU) habe dies bis heute nicht dem Stadtrat vorgelegt, ärgert sich Meister.

Ihr Stadtratskollege Müller-Ermann lässt jetzt „Dampf“ ab, wie er sagt. Es sei eine „Sauerei“, dass die Bahn von der Stadt für die Flächen Pacht verlange – wo doch die Stadt auf eigene Kosten Parkplätze für die Bahnkunden baue. DB-Vertreter Ramstötter verweist diplomatisch darauf, dass er hier der falsche Ansprechpartner sei. Zuständig dafür sei bei der Bahn ein ganz anderer Konzernteil. Das Gespräch kommt dann auch noch auf den fehlenden und seit Jahren geforderten behindertengerechten Zugang zu den Gleisen. Ramstötter kann den Unmut zwar verstehen, verweist aber auf Vorschriften des Eisenbahnbundesamtes. Eine schnelle Lösung sei hier nicht zu erwarten. Denn im Zuge der laufenden Planungen des Ausbaus der Bahnstrecke München-Freilassing „werden keine kurzfristigen Lösungen realisiert“. Es könne kein Geld in Projekte investiert werden, die Jahre später möglicherweise nicht mehr gebraucht würden. Schurer hält dem entgegen: „Für die Leute, die eingeschränkt mobil sind, ist das schlicht und einfach eine Katastrophe.“

Was den Bahnausbau auf der Mühldorfer Strecke betrifft, gibt sich Schurer, wie immer, zuversichtlich. Er berichtet von zahlreichen Gesprächen, die er mit Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) und den Bahn-Oberen geführt habe. Schurer glaubt, dass der Druck der bereits beschlossenen Rosenheim-Zuführung zum Brennerbasistunnel dazu führt, das man auch am Ausbau der Mühldorfer Strecke nicht mehr vorbeikommt.

Nach dem Ende der Pendler-Aktion postet Schurer dann auf Facebook: „Sonntagsreden sind in der Vergangenheit genug gehalten worden. Was zählt sind konkrete Bauleistungen. Deshalb arbeite und kämpfe ich mit meinen Freunden aus dem SPD-Kreisverband Erding für den lange und dringend benötigten Ausbau!“ Nur gut, dass heute Donnerstag ist . . .

Anton Renner

Auch interessant

Kommentare