Ab 9 Uhr am PC: Gymnasiastin Jana Schüler hat sich einen eigenen Tagesplan gemacht. 
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Ab 9 Uhr am PC: Gymnasiastin Jana Schüler hat sich einen eigenen Tagesplan gemacht. 

Unterricht in Zeiten von Corona

Homeschooling am Gymnasium Dorfen: Am Bildschirm lernen fällt nicht jedem leicht

Beim Homeschooling, also der Schule daheim, werden vor allem die schwachen Schüler abgehängt. Längst nicht alle haben Computer zu Hause – und manche verschwinden völlig vom Radar

Dorfen – Damit die Schüler am Dorfener Gymnasium nicht den Anschluss verlieren, setzen sich Elternbeirat, Schulleitung und Lehrer derzeit besonders für einen geregelten Unterricht zuhause ein.  „Wir haben eine Austauschplattform ,Eltern helfen Eltern‘ bei IT-Problemen initiiert und sehr großen Zuspruch bekomme“, berichtet Elternbeirat Werner Schüler.

Mehrere Computer seien oft in den Familien nicht vorhanden. Deshalb will der Förderverein auch finanziell helfen, etwa wenn der Schüler einen Laptop für das Homeschooling braucht.

Ansprache, Struktur und die Schule als vertrauter Raum – all das falle weg, so Markus Höß, Schulleiter am Dorfener Gymnasium. Dem müsse gegengesteuert werden. „Die Lehrer stehen in gutem Austausch mit den Schülern, telefonieren einmal pro Woche“, sagt der Oberstudiendirektor. Doch einfach sei die Situation nicht – weder für die Pädagogen noch für die Gymnasiasten. „Wir müssen schauen, dass wir die Schüler mitnehmen, schwächere Kinder nicht abhängen.“

Den Kontakt mit den Lehren müssten die Schüler manchmal selbst einfordern, so Elternbeirat Schüler. „Die meisten Lehrer sind allerdings sehr engagiert, stehen in gutem Austausch mit den Schülern – fragen auch nach, wenn einzelne Kinder nicht zu erreichen sind, oder abtauchen. Aber das Bild ist sehr heterogen.“

„Ich korrigiere alle Hausaufgaben und gebe meinen Schülern ein persönliches Feedback“, erzählt Oberstudienrätin Irmgard Bauer. Über 80 Prozent der Schüler machen sehr gut mit, berichtet die Pädagogin: „Wir tun unser Möglichstes.“ Doch das Online-Medium sei irgendwann erschöpft – gerade im musikalischen, künstlerischen Bereich.

Gute Schüler kommen eher mit dem Unterricht zuhause klar. „Mir fehlte anfangs die Struktur“, sagt Jana Schüler, 15 Jahre alt. Eine Tagesplanung habe sich die Gymnasiastin, die in die zehnte Klasse geht, mittlerweile geschaffen: „Ab 9 Uhr sitze ich am PC.“ Die Arbeitsaufträge kämen via Schul-Cloud. „Auch tausche ich mich mit Freunden aus, wenn ich etwas nicht verstehe.“ Die Klassenkameraden fehlen ihr dennoch – „und die Gespräche, der persönliche Kontakt mit den Lehrern“.

Schwächere Schüler sind indes mit dem digitalen Lernen oft überfordert. „Ich schaffe es nicht, mich zu motivieren – wenn ich was nicht verstehe, steige ich aus“, verrät Julia, die ihren richtigen Namen nicht in der Zeitung veröffentlicht wissen möchte. „Und dann fange ich an, im Internet zu surfen – oder lese Harry Potter.“ Mathe falle ihr besonders schwer, so die zwölfjährige Gymnasiastin aus Dorfen. Die Eltern können ihr dabei nicht helfen. Auch die Mutter ist mit der derzeitigen Situation überfordert. „Ich drucke hunderte von Seiten aus. Die Arbeitsblätter stapeln sich mittlerweile auf dem Schreibtisch – unbesehen“, berichtet sie.

Julias Mutter fürchtet um die Versetzung der Tochter. „Jetzt kommt auch noch neuer Stoff dazu“, klagt die Dorfenerin. Schulleiter Höß tröstet: „Wir werden die Versetzung auf Probe in diesem Jahr großzügig auslegen.“ Und Bauer glaubt: „Schüler haben sehr viel Energie – sie können versäumten Stoff schnell aufholen, wenn der normale Schulbetrieb wieder läuft.“

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