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Den 100. Geburtstag feierte der Kreisjagdverband Erding am Samstag mit einer feierlichen Hubertusmesse in der Pfarrkirche Maria Dorfen und anschließendem Wildessen im Jakobmayer-Saal

Jubiläum

Kreisjagdverband Erding: 550 Umweltschützer und Brauchtumspfleger

Den 100. Geburtstag feierte der Kreisjagdverband Erding am mit einer feierlichen Hubertusmesse in der Pfarrkirche Maria Dorfen und anschließendem Wildessen im Jakobmayer-Saal. Ein Dorfener Chronist erheiterte mit Wilderer-Anekdoten.

Dorfen – Weidmannsheil. Auch wenn in der Gesellschaft manchmal nur die Jagd auf die Tiere gesehen wird, so beschränken sich die Aufgaben der Jäger längst nicht nur auf das Schießen und Erlegen von Reh und Wildsau. Naturschutz oder auch Brauchtum obliegen den Jagersleuten im Landkreis. Außerdem regulieren die Jäger den Wildbestand in Erding, Dorfen und Umgebung, sensibilisieren gleichermaßen die Menschen für Umweltthemen.

Den 100. Geburtstag feierte der Kreisjagdverband Erding am Samstag mit einer feierlichen Hubertusmesse in der Pfarrkirche Maria Dorfen und anschließendem Wildessen im Jakobmayer-Saal. Schließlich wurde in Dorfen am 15. Januar 1920 der Grundstein für den jetzigen Verein gelegt – Weidmannsdank.

Nicht etwa, weil gerade Wahlkampf sei und an den Tischen politische Vertreter unterschiedlicher Fraktionen säßen, würden Messer und Gabel bei den Gedecken fehlen, meinte Thomas Schreder, Vorsitzender des Kreisjagdverbands Erding, launig. „Es gibt heute traditionelles Rehragout mit Hauberling.“ Dieses Wildgericht werde in der Tat nur mit Löffeln gegessen und sei eine Spezialität der Region, erklärte Franz Streibl, Dorfener Chronist und Jägersmann.

„Rehragout und Hauberling war früher ein Arme-Leute-Essen, heute ist es eine Delikatesse, die man allerdings nur zwischen Mühldorf, Markt Schwaben und Landshut kennt“, sagte Streibl. Im Mittelalter holte sich der Haager Graf Sigmund beim Papst persönlich die Erlaubnis, dass auch während der Fastenzeit mit Schmalz gebacken werden dürfe. „Und da bekanntlich die Herrschaften vom erlegten Reh den Schlegel und den Rücken aßen, blieb den armen Leuten nur das Ragout, kombiniert mit den Hauberlingen“, so der Heimatkundler. Mit dem Signal „Schüsseltreiben“ riefen die Jagdhornbläser des Vereins dann zum zünftigen Essen.

Immer weniger chic sei es heutzutage, sich ehrenamtlich zu engagieren, beklagte Schreder: „,Geh’ weiter, ich hab’ keine Zeit‘, sagen die Leute.“ Er freute sich indes, dass sich beim Kreisjagdverband immerhin 550 Jäger und auch Jägerinnen – bald schon würden die Jagdfrauen im Verein die Zehn-Prozent-Quote knacken – für Umwelt und Natur einsetzen. Schließlich seien die Grünröcke keine schießwütigen Barbaren, sondern pflegten neben Geselligkeit und Brauchtum auch den Wildbestand und die Jagdhundausbildung. „Wir sind hoch motivierte Leute, die anpacken.“ Dabei lobte Schreder die enge Verbindung zu Landwirten und Waldbesitzern.

„Wanderer, Spaziergänger und Touristen bewegen sich im Wohnzimmer unserer Wildtiere. Wir Jäger achten darauf, dass die Lebensräume nicht gestört werden“, betonte der Vorsitzende. 110 Reviere und 80 000 Hektar umfasse das Jagdgebiet im Landkreis. 2017 erhielt der Kreisjagdverband den Kulturpreis des Landkreises Erding.

Freilich werde immer wieder politisch über das Waffenrecht diskutiert, und die Jagd habe nicht überall den verdienten Stellenwert, meinte Landtagsabgeordnete Ulrike Scharf: „Doch die Jäger gehen verantwortungsbewusst mit den Schusswaffen um, regulieren die Kulturlandschaft.“

Dorfens Bürgermeister Heinz Grundner verwies auf die Wildland-Stiftung im Isental. Das landkreisübergreifende Projekt befasst sich mit der Sicherung und Erhöhung der Biodiversität in der Region. Dieses Gebiet erstreckt sich im Talraum der Isen von der Gemeinde Lengdorf im Westen, bis weit nach Osten in den Landkreis Mühldorf. „Da hat der Kreisjagdverband enorm viel geleistet“, bestätigte auch Martin Bayerstorfer. Außerdem gehöre die Jagd zu Bayern, so der Landrat.

Zum guten Schluss packte Heimatkundler Streibl noch ein bisschen Jägerlatein aus und unterhielt die Gäste mit einer launigen Chronik der Vereinsgeschichte. Er erzählte von Wilderern und einem zahmen Fuchs, der entwischte, von Sonntagsjägern und Jagdhunden. Das finale „Wiedersehen“ erklang später durch die Jagdhornbläser. Halali. (Michaele Heske)

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