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Andrea Hafner leitet seit Schuljahresbeginn das Gymnasium Dorfen.

Gymnasium Dorfen

100 Tage Schulleiterin: „Eher Himmel als Hölle“

Dorfen – Nach dem Führungswechsel im August am Dorfener Gymnasium hat vor genau 100 Tagen Studiendirektorin Andrea Hafner als neue Leiterin der erfolgreichen Bildungseinrichtung ihren Schulalltag begonnen.

-Als Erdingerin ist Ihnen die Stadt und das Gymnasium Dorfen sicher nicht ganz unbekannt. Wie fühlen Sie sich aufgenommen bei Kollegen, Schülern und Stadtverantwortlichen. Sind Sie nach 100 Tagen schon angekommen?

Andrea Hafner:Ich hatte vom ersten Tag an das Gefühl, dass ich am Gymnasium Dorfen herzlich willkommen bin. Aus diesem Gefühl ist mittlerweile Sicherheit geworden, die mir sowohl die Schüler als auch die Kollegen und Mitarbeiter in der Verwaltung geben. Ich habe seit September viele intensive und konstruktive Gespräche geführt – mittlerweile mit allen 84 Kollegen – und ich habe mich in allen Klassen vorgestellt. Auch zum Seminar der Schülermitverantwortung nach Berchtesgaden bin ich gefahren, um direkt mit den Schülern in Kontakt zu kommen und ihre Anliegen und Ideen kennenzulernen und aufgreifen zu können. Mit den Stadtverantwortlichen, insbesondere natürlich mit unserem Bürgermeister Heinz Grundner, stehe ich in gutem Austausch.

-Frauen in der Führungsspitze sind in Bayern, wie in Deutschland, noch immer unterrepräsentiert. Nun gibt erstmals in der 40-jährigen Geschichte des Gymnasiums eine Schulleiterin. Hat man es als Frau leichter oder schwerer, gerade bei den Schülern?

Hafner:Ich glaube, dass es eher vom Charakter und dem eigenen Führungsstil abhängt, wie man als Führungsperson wirkt und nicht vom Geschlecht. Das trifft auch auf das Verhältnis zu den Schülern zu. Es ist schön, wenn ich durchs Schulhaus gehe und als Schulleiterin von den Schülern wahrgenommen werde. Viele grüßen mich von sich aus, andere, die vielleicht schüchterner sind, freuen sich, wenn ich sie grüße. Ich versuche den Schülern und auch den Kollegen immer zu zeigen, dass ich sie wahrnehme und ihnen Wertschätzung entgegenbringe. Wenn es um Inhalte geht, dann ist es für mich wichtig, klar, eindeutig und vor allem auch begründet Stellung zu beziehen und entsprechend auch zu handeln.

-Sie waren vor ihrem Wechsel nach Dorfen fast zwölf Jahre stellvertretende Schulleiterin am Erdinger Korbinian-Aigner-Gymnasium. Jetzt sind Sie Chefin. Was ist anders?

Hafner:Ich habe viel Erfahrung als Stellvertreterin sammeln können. Dies hilft mir im Alltag als Schulleiterin sehr oft weiter. Es ist gleichzeitig schön, bringt aber auch eine große Portion Verantwortung mit sich, wenn die letzte Entscheidung vor Ort die Schulleiterin fällen darf.

-Sie haben versprochen, die Schule „nicht hierarchisch“ zu führen. Gelingt das?

Hafner:Ich habe diese Frage im Kreis einiger Kollegen und Verwaltungsangestellten vorgelesen. Ihre blitzschnelle und überzeugende Antwort: „Und wie!“

-Sie haben gesagt, die innere Schulentwicklung liege ihnen sehr am Herzen. Kooperation in der ganzen Schulfamilie, eine Wohlfühlatmosphäre, gegenseitige Wertschätzung und Gemeinsamkeit seien Grundlagen. Was haben Sie davon vorgefunden?

Hafner:Ich habe hier eine gute Grundlage für die innere Schulentwicklung vorgefunden. Die Stimmung im Kollegium ist gut, und ich glaube nach wie vor, dass auch der Zusammenhalt sehr groß ist. Die Kollegen haben mir viel Positives über die ersten Wochen zurückgespiegelt. So sind beispielsweise die vielen Einzelgespräche, die ich geführt habe, sehr positiv aufgenommen worden. Ich habe dabei viele Kollegen kennengelernt, die sehr motiviert sind und die Schule aktiv weiterentwickeln wollen.

-Nach den ersten Erfahrungen: Was bleibt, was ändert sich und wie sehen Ihre Schwerpunkte aus?

Hafner:Was bleibt und was sich ändert, ist schwer zu beantworten. Beides wird nicht nur von mir abhängen, sondern von der gesamten Schulgemeinschaft. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass Schulentwicklung nicht von oben verordnet werden kann. Als Schulleiterin muss ich auf das Potenzial zugreifen, das insbesondere im Kollegium, aber auch in der Schüler- und Elternschaft vorhanden ist. Ich weiß mittlerweile, dass am Gymnasium Dorfen ein überaus großes Engagement im Bereich des Sozialen Lernens, im MINT-Bereich – Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik – inklusive Energiesparen und Umweltschutz sowie im Bereich des sprachlichen Austausches vorhanden ist. Die Weiterentwicklung dieser Schwerpunkte werde ich bestmöglich unterstützen. Auf Initiative von Kollegen und Schülern hin hat sich das Gymnasium Dorfen in den letzten Wochen auf den Weg gemacht, sich als „Schule ohne Rassismus“ zu zertifizieren. Und auch im informationstechnischen Bereich bereiten wir gerade intensiv neue Wege der Kommunikation vor, die es bisher noch nicht an der Schule gab. Mir ist es aber auch wichtig, dass wir den Unterricht selbst kritisch betrachten und so weiterentwickeln, dass der einzelne Schüler noch individueller gefördert wird. Es ist mir auch ein Anliegen, dass wir all die Grundschüler, die gute oder sogar sehr gute Noten haben, wieder für den Übertritt an das Gymnasium gewinnen können.

-Bei Ihrer offiziellen Einführung formulierten Sie überspitzt und provokant, die Leitung eines Gymnasiums sei ein „Höllenjob“. Sind Sie nun in Dorfen in der Hölle oder im Himmel angekommen?

Hafner:Na ja, dazwischen gibt es ja noch das Fegefeuer. Spaß beiseite. Ich mache meinen Job sehr, sehr gerne und mit Leidenschaft. Das Gymnasium Dorfen bietet mir schon eher himmlische Zustände. Die Schule befindet sich in einem Landkreis mit hohem Wohlstand. Den meisten Menschen, die hier leben und arbeiten, geht es sehr gut und dies prägt auch eine Schulgemeinschaft. Gleichzeitig ist der Job doch sehr anstrengend, und ich muss schon immer wieder auf mich und meine Familie achten und einen Ausgleich zum Beruf schaffen – um gesund zu bleiben und um möglichst lange das Gymnasium Dorfen leiten zu können.

Das Interview führte Hermann Weingartner

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