Mit Dieselloks fahren die Züge in Richtung Mühldorf, hier in der Nähe von Kloster Moosen bei Dorfen.
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Mit Dieselloks fahren die Züge in Richtung Mühldorf, hier in der Nähe von Kloster Moosen bei Dorfen.

Bahnprojekt ABS 38

150 Jahre alt und immer noch eingleisig

  • vonTimo Aichele
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Die Bahnstrecke zwischen München und Neuötting wurde am 1. Mai 1871 eröffnet. 150 Jahre später ist das Großprojekt ABS 38 noch nicht abgeschlossen. Heuer sollen die Genehmigungsunterlagen für den Abschnitt zwischen Ottenhofen und Wörth eingereicht werden.

Landkreis Erding – „Wir haben das Ziel, mit der ABS 38 im Jahr 2030 in Betrieb zu gehen.“ Das bekräftigte Klaus-Peter Zellmer, Gesamtprojektleiter bei der DB Netze AG, bei einer Pressekonferenz am Donnerstag. Bis Ende 2021 steht nach seinen Worten ein weiterer wichtiger Schritt bei dem Großprojekt an: „Unser Ziel ist es, noch in diesem Jahr für insgesamt 45 Kilometer Strecke die Genehmigungsunterlagen fertigzustellen und beim Eisenbahn-Bundesamt einzureichen“, sagte Zellmer über die Ausbaustrecke München-Mühldorf-Freilassing (ABS 38).

Konkret geht es heuer um die Abschnitte zwischen Ottenhofen und Wörth, Schwindegg und Obertaufkirchen sowie die Elektrifizierung zwischen Ampfing und Mühldorf sowie Tüßling und Burghausen. Damit wird nach Angaben der Bahn bis Ende 2021 etwa ein Drittel der gesamten 145 Kilometer langen Strecke zum Genehmigungsverfahren eingereicht sein.

2030 würde dann ein etwa 160 Jahre alter Traum in Erfüllung gehen. Denn am 1. Mai 1871, also vor 150 Jahren, wurde die Bahnstrecke München–Neuötting in Betrieb genommen. „Wir sind 150 Jahre alt und arbeiten noch immer an der Zweigleisigkeit“, sagte Zellmer zu diesem Jubiläum. Einen leichten Zeitverzug habe man gehabt, weil für die ganze Strecke die Höchstgeschwindigkeit erhöht wurde. Die Züge sollen nicht nur mehr 160, sondern 200 km/h schnell fahren können. „Wir sind aber im Plan.“

Die DB Netze AG hat den Posten des Projektleiters ABS 38 West geschaffen. Auf dieser Stelle ist nun Sven Kluba für den Streckenabschnitt im Landkreis Erding zuständig. Er kündigte für die kommenden Monate Besuche in den an die Strecke angrenzenden Kommunen sowie virtuelle Informationsveranstaltungen und Bürger-Sprechstunden an.

Für den Planfeststellungsabschnitt (PFA) 1.4 westlich von Dorfen liegen die Genehmigungsunterlagen bereits zur Prüfung beim Eisenbahnbundesamt. Dem sollen bis Ende 2022 die Abschnitte 1.3 mit den betroffenen Kommunen Walpertskirchen und Lengdorf sowie 1.5 (Dorfen) folgen. Damit wäre dann der ganze Landkreis abgedeckt.

Für PFA 1.4 ist 2021 auch der Beginn des Anhörungsverfahrens geplant. Doch gerade für Dorfen steht noch ein großes Fragezeichen hinter den Planungen: die Debatte über die richtige Trassenführung in Stadtnähe im PFA 1.5. Dorfen fordert eine Tieferlegung der Gleise („Vieregg-Variante“). Der Stadtrat hat das Bundesverkehrsministerium im Dezember um eine Entscheidung gebeten. „Wir haben die Stellungnahme noch nicht“, erklärte Bürgermeister Heinz Grundner gesterm auf Nachfrage. Und auch bei der DB Netze AG wisse man nicht mehr, teilte Zellmer mit.

Umstritten ist auch die Planung für den Bahnübergang in Wasentegernbach. Dort habe man im vergangenen Jahr intensive Bodenuntersuchungen gemacht, berichtete Zellmer. Aktuell werde das Bodengutachten geschrieben, dann werde die DB Netze AG Kontakt mit dem Landkreis aufnehmen und beraten, „ob man einen kleinen Trog machen kann“.

Zum Jahreswechsel 2021/22 wird in Dorfen der Meindl-Bahnübergang geschlossen. Ein längeres Offenhalten sei aus signaltechnischen Gründen nicht möglich, erklärt ein Bahnsprecher. Als Anbindung des Gewerbegebiets mit Beamtenakademie und dem Tonwerk soll dann ein Geh- und Radweg in Richtung B 15 gebaut werden. Über eine endgültige Anbindung, dann zum Beispiel über einen Tunnel vom Bahnhof her, sei man im Gespräch mit dem Eigner des Areals, so Zellmer.

Aktuell läuft zur Vorbereitung der Umweltverträglichkeitsprüfung das sogenannten Scoping-Verfahren für den gesamten PFA 1 zwischen Markt Schwaben und Ampfing. In diesem Zuge wurden in Gemeinden im südlichen Landkreis Sorgen bezüglich des Lärmschutzes laut. Der Ausbau bringe aber für viele Anlieger überhaupt erst Schallschutz, erklärte Zellmer. Die Bahn werde an der Strecke alleine für 80 Milionen Euro „aktive Schallschutzmaßnahmen“ ergreifen, also Wände oder das „überwachte Gleis“, das mit intensiverer Wartung ein reibungsfreieren und damit leiseren Radlauf ermöglicht.

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