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Die neue Südost-Achse im bayerischen Autobahnnetz: die A 94 München-Passau. Der Trassenbau zwischen Pastetten und Heldenstein wird am heutigen Freitag offiziell begonnen.

Verkehrsminister Dobrindt gibt Weiterbau frei

A 94: Bis 2019 die größte Baustelle Bayerns

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Lengdorf - In Pastetten gibt Verkehrsminister Alexander Dobrindt den Weiterbau der A 94 über Dorfen bis Heldenstein frei. Zwei Tage vorher wurde der Bevölkerung das Projekt vorgestellt. Die Resonanz war überwältigend. Doch es gibt immer noch viele Skeptiker.

Lengdorfs Bürgermeisterin Gerlinde Sigl sprach von einem „einzigartigen Ereignis“, so voll sei der Menzinger-Saal noch nie gewesen. In der Tat war die Resonanz überwältigend: Über 500 Bürger waren gekommen, einige mussten stehen. Organisiert hatten die Infoveranstaltung zur bis 2019 größten Baustelle Bayerns der CSU-Ortsverband Lengdorf und der CSU-Kreisverband.

Die Rednerliste war prominent besetzt: Für die Autobahndirektion war deren Präsident Wolfgang Wüst gekommen, für die A 94-Projektgesellschaft deren Geschäftsführer Oliver Lauw sowie der Technische Projektleiter Nikolaus Arndt. Über die Umweltbaubegleitung und die Begrünung referierte Dietmar Narr vom Büro Narr-Rist-Türk.

Zur Zielsetzung des Infoabends erklärte Umweltministerin Ulrike Scharf, dass die Bürger informiert werden sollten. „Es geht nicht darum, zurückzuschauen. Der Bau ist beschlossene Sache.“ Aufgabe der Politik sei es nun, für größtmögliche Transparenz zu sorgen. Und: „Die Verantwortlichen sollen mitnehmen, was die Menschen hier bewegt“, so die Stimmkreisabgeordnete.

Präsident Wüst informierte über das ÖPP-Modell, das seinen Angaben zufolge einen größeren Bereich als das 33 Kilometer lange Teilstück von Pastetten bis Heldenstein umfasst. Das so genannte Verfügbarkeitsmodell erstrecke sich aus Gründen der Wirtschaftlichkeit von Forstinning bis Marktl über 77 Kilometer. „Es ist keine Privatisierung. Der Staat bleibt Eigentümer und Baulastträger.“ An die Projektgesellschaft A94 Isentalautobahn habe man Planung, Erhalt und Betrieb für die Dauer von 30 Jahren vergeben. Der Bund leiste eine Anschubfinanzierung und gewähre ein monatliches Entgelt – gespeist unter anderem aus der Lkw-Maut. Die Gesellschaft werde den Betriebsdienst auf der Isentalstrecke zum 1. November 2019 übernehmen, so Wüst.

Oliver Lauw berichtete, dass sich die Arge aus den Baukonzernen Bam, Berger und Eiffage zusammensetze. Man habe Erfahrungen beim ÖPP-Pilotprojekt Ausbau der A8 München-Augsburg von 2007 bis 2010 gesammelt.

Lauws Kollege Nikolaus Arndt versprach, dass man direkt an der Trasse, an der B 15 in Dorfen, Infozentrum und Baubüro einrichten werden. Ab April sei man dann ständig dort erreichbar.

Auch berichtete Arndt von den ersten Arbeiten, die nach bereits vollendeten Brücken und dem Spatenstich anstehen. „Ab Mitte Februar werden wir Rodungen vornehmen. Baustraßen und Behelfsbrücken bauen wir ab März.“ Diesbezüglich versicherte er: „Die Unmengen an Aushub, die ab Mai anfallen, wollen wir möglichst auf der Trasse lagern. Öffentliche Straßen und Feldwege sollen für den Baustellenverkehr idealerweise gar nicht benutzt werden.“ Arndt kündigte weiter an, „dass wir von Anfang an auf der vollen Länge des Teilstücks tätig sein werden“.

Mit dem Bau der noch nicht vorhandenen Großbrücken werde im April begonnen. Richtig ins Gelände eingeschnitten werde ab Juli.

Den Vorträgen schloss sich eine intensive Debatte an, die sachlich verlief, in der aber immer wieder deutlich wurde, wie tief Skepsis und Ablehnung in der Bevölkerung sind – trotz oder gerade wegen der 40-jährigen Planungsphase.

Unter anderem wurde die Frage aufgeworfen, ob es bei der Zusage bleibe, die Abschnitte Pastetten-Dorfen und Dorfen-Heldenstein gleichzeitig freizugeben, um ein Chaos bei Dorfen zu vermeiden. Dies bejahte Wüst.

Mehrere Zuhörer interessierte, ob auch nachts und an Sonntagen gebaut werden. Das verneinte Arndt: „Dafür gibt es keinen Anlass.“ Daraufhin meldete sich ein Anwohner der Baustelle Lappachtal-Brücke, die bereits fertig ist: „Das stimmt nicht. Da ist auch nachts und an Sonntagen Betrieb.“ Bayerstorfer verlangte eine klare Festlegung der Arge. Arndt versicherte, dass das definitiv nicht vorgesehen sei.

Ein weiterer Anlieger beklagte die Nutzung der Trasse und der Baustellenstraßen durch Motocross- und QuadFahrer. Dies musste Arndt zugegeben. Er gestand ein, dass das schwer zu kontrollieren sie. Dorfens Polizeichef Ulrich Milius merkte an, „dass wir dem zwar nachgehen. Unsere Möglichkeiten sind jedoch begrenzt“. Er bat darum Kennzeichen zu notieren und Anzeige zu erstatten.

Wiederholt scharf kritisiert wurden neben unzureichendem Lärmschutz die geringen Entschädigungen für Anrainer, die Grund abtreten mussten. Tenor: Die Preise seien viel zu niedrig gewesen, die Betroffenen fühlten sich über den Tisch gezogen. „Da muss ich beipflichten“, sagte der Landrat, „das ist ganz schlecht gelaufen. Da hätte man sich viel Widerstand sparen können“. Autobahn-Präsident Wüst musste gestehen: „Da haben wir keinen guten Stand. Wir sind aber an die Obergrenzen gebunden, sonst kommt der Rechnungshof.“ Dafür erntete er Gelächter.

Ein Bürger wollte wissen, ob der Bau bereits jetzt in Gefahr sei, weil Brutgebiete noch nicht freigemacht worden seien. Nisteten dort Vögel, dürfe dort nicht gearbeitet werden. Architekt Narr erklärte, Bodenbrüter seien berücksichtigt, kein Vogel werde gestört. Deswegen drohe auch kein Verzug.

Kritik musste sich auch die CSU gefallen lassen. „Gegen die B15 neu gehen alle auf die Straße, auch der Landrat und die Ministerin. Wo waren die, als es um die A 94 ging?“, meinte ein Gast.

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