Abgedeckt sind nach dem VG-Urteil die Tempo-120-Schilder an der A 94.  Foto: Weingartner
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Abgedeckt sind nach dem VG-Urteil die Tempo-120-Schilder an der A 94.

Lärmmessungen der Stadt Dorfen

A 94-Lärm nicht lauter als erlaubt

  • vonTimo Aichele
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Dorfen – Lärmmessungen an der A 94 als rechtlicher Hebel für besseren Schallschutz – diese Hoffnung war nicht wirklich groß. Doch die am Mittwoch im Dorfener Stadtrat präsentierten Ergebnisse haben sie endgültig zunichtegemacht. Die Lärmbelastungen, die zwei Ingenieurbüros im Auftrag der Stadt ermittelt hatten, lagen unter den Grenz- oder relevanten Vergleichswerten „Das ist mehr als ernüchternd“, erklärte Bürgermeister Heinz Grundner (CSU). „Die juristischen Möglichkeiten schrumpfen zusammen, es bleibt nur noch der politische Weg.“

Auch der Freistaat habe nun mit Lärmmessungen begonnen, das gelte es abzuwarten, so Grundner. Nötig sei ein Schulterschluss von Politik und Bürgern. Im Stadtrat Dorfen war es allerdings nicht so weit her mit dieser beschworenen Einheit. Denn Heiner Müller-Ermann (SPD) formulierte einen Beschlussvorschlag, der im Gremium auf große Kritik stieß. Bund und Freistaat müssten sich an Recht und Gesetz halten, polterte der langjährige Kämpfer gegen die Isentaltrasse. Nach Paragraph 41 des Bundesimmissionsschutzgesetzes müssten schädliche Umwelteinwirkungen durch Straßenbauten „nach dem Stand der Technik“ vermieden werden. Das sei hier nicht zu erkennen. Außerdem solle der Stadtrat die Staatsregierung auffordern, auf Bundesebene auf eine Gesetzesänderung für Tempolimits aus Lärmschutzgründen zu drängen.

„Wir müssen versuchen, realistische Politik zu betreiben, die auch Ergebnisse erzielt“, widersprach Martin Bachmaier (CSU). Da nütze es nichts, „voll auf Konfrontation zu gehen“. Es sei geschickter, den Dialog zu suchen, erklärte auch Grundner. Außerdem gelte nach wie vor der Stadtratsbeschluss vom Februar, in dem hochabsorbierende Schallschutzwände und weiterer Lärmschutz gefordert werden.

Michaela Meister (SPD) wollte das so nicht stehen lassen. „Politik macht nur Sinn, wenn man Forderungen stellt. Ich finde es nicht unangemessen, die Staatsregierung zu etwas aufzufordern“. Seit elf Monaten werde versucht, über diese informellen Kanäle etwas zu erreichen, meinte Müller-Ermann – „es ist aber nichts passiert“. Der Bürgermeister befürchtete dagegen „ein katastrophales Bild nach außen“, wenn der Stadtrat Beschlüsse mit knappen Mehrheiten fasse. Diesen Argumenten beugte sich Müller-Ermann schließlich und zog seinen Antrag zurück.

Stehen blieb am Ende lediglich seine Forderung an die Autobahndirektion, einen Nachweis zu erbringen, dass auf der Lappachbrücke tatsächlich ein besonders lärmmindernder Belag verbaut wurde. Denn dies ist laut Planfeststellung das Argument, dort keine hochabsorbierenden Schallschutzwände zu errichten. „Auf der Lappachbrücke gibt es im Vergleich keine großen Ausreißer nach oben oder unten“, berichtete Gutachter Sebastian Kluth vom Ingenieurbüro AED über die Befahrung mit einem Messanhänger.

Ansonsten waren die Messergebnisse des Dresdner Büros ernüchternd. Die Kritik, dass der als Buckelpiste verschrieene Abschnitt tatsächlich besonders laut ist, lässt sich dadurch nicht untermauern. Laut Planfeststellungsbeschluss sollte die Fahrbahn mit einer DSH-V-Asphaltdeckschicht zwischen Pastetten und Heldenstein sogar um drei Dezibel leiser sein als normale Beläge. Das hatte AED mit zwei Verfahren überprüft – einer Befahrung und vier stationären Mikrofonen – und bestätigt. Die nach den genormten Verfahren ermittelten Werte waren bei Pkw zwischen 4,7 und 5,7 Dezibel leiser, bei Lkw um 2,1 bis 3,5 Dezibel.

„Minus fünf Dezibel ist meiner Erfahrung nach recht gut“, erklärte Ingenieur Kluth. Die Auswirkungen der ratternden Brückenübergänge könnten aber nicht abgebildet werden. „Das schneiden wir aus unseren Messergebnissen raus. Das ist ein anderes Problem“, erläuterte er.

Auch der zweite Teil des Lärmmonitorings, durchgeführt vom Burghausener Büro Accon, lieferte hier keine Argumente. Die Auswirkungen der Dehnungsfugen und der reflektierenden Schutzwände auf den Brücken könne er nicht in Zahlen fassen, erklärte Ingenieur Sebastian Hagenah. „Das sind unbeaufsichtigte Messungen“, erläuterte er. Daher könnten einzelne Spitzen auch Störgeräusche sein, die nichts mit der Autobahn zu tun haben.

Das Ingenieurbüro hatte ab dem 27. Januar an fünf Privatanwesen nahe der Autobahn Mikrofone angebracht und damit die tatsächlichen Lärmbelastungen gemessen – mindestens sieben Tage am Stück, längstens aber über fünf Wochen. Nur vereinzelt wurden die Grenzwerte für den Außenbereich gerissen (64 dB tags und 54 dB nachts). Jedes Mal sei das auf Witterungseinflüsse zurückzuführen gewesen, die „lauter als die Autobahn“ gewesen seien, berichtete Hagenah – zum Beispiel starker Niederschlag oder heftiger Wind, der ins Mikro blies.

Die Auswirkungen des Tempolimits ab dem 1. Februar waren mit der Studie auch nicht greifbar. Nur an einem Messpunkt, Haidvocking 1, gab es Daten vor und nach der Einführung. Deren Schwankungen seien aber größer gewesen als die rechnerisch zu erwartende Minderung durch die Geschwindigkeitsbegrenzung, so Hagenah. „Hier kann also keine zweifelsfreie Aussage getroffen werden.“

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