+
Der Verkehr rollt auf der A 94 – hier bei Pastetten. Aus allen Orten an der 33 Kilometer langen Trasse kommen Beschwerden über unerwartet hohen Lärm. Die CSU fordert Nachbesserungen, steht aber auch in der Kritik.

A 94: Immer mehr Lärmbeschwerden – Landrat fordert Nachbesserung

Grüne werfen CSU Doppelmoral vor

  • schließen

Seit zweieinhalb Wochen rollt der Verkehr auf der Isentalautobahn – unüberhörbar. Nicht zu überhören sind auch die Beschwerden über den Krach, der von der A 94 ausgeht. Nun bricht der jahrzehntelange Streit zwischen den Gegnern und Befürwortern des 33 Kilometer langen Abschnitts zwischen Pastetten, Dorfen und Heldenstein wieder auf.

Dorfen - Egal, ob Dorfen, Isen, Lengdorf, Buch oder Pastetten – mit einer solchen Lärmkulisse hatten viele vor allem direkten Anlieger nicht gerechnet. Flüsterasphalt wurde nur in solchen Abschnitten aufgebracht, die direkt an bewohnte Gebiete angrenzen. In anderen Bereichen wurden Betonplatten verlegt, die vor allem schwere Lastwagen heftig rumpeln lassen.

Die betroffenen Gemeinden haben sich bereits an Landtagsabgeordnete Ulrike Scharf und Bundestagsabgeordneten Andreas Lenz (beide CSU) gewandt. Beide sagten zu, bei der Autobahndirektion Südbayern auf mehr Lärmschutz entlang der Isentalautobahn zu drängen.

Landrat: Der Lärmschutz reicht nicht

Nun hat das Thema den Kreistag erreicht. CSU-Fraktionschef Thomas Bauer erkundigte sich, inwieweit der Landkreis den lärmgeplagten Anwohnern helfen könne. Landrat Martin Bayerstorfer (CSU) erklärte, die zunehmende Anzahl an Lärmbeschwerden seien unüberhörbar. Er geht davon aus, „dass der Lärmschutz offensichtlich nicht ausreichend ist“. Gemeinsam mit Scharf und Lenz trete er für Lärmmessungen unter Verkehr ein.

Dabei unterstellt er der Isentalautobahn GmbH als Bauherr, möglicherweise geschlampt zu haben. „Wir müssen herausfinden, ob das Geforderte und gesetzlich Vorgeschriebene auch wirklich realisiert wurde“, sagte Bayerstorfer im Kreistag. Deswegen seien flächendeckende Messungen ein Muss.

Bürgermeister Fischer „Das sind keine Mimosen“

Der Isener Bürgermeister Siegfried Fischer (FW) brach eine Lanze für die Beschwerdeführer. „Das sind wahrlich keine Mimosen, sondern direkte Anlieger. Sie haben im Vertrauen auf den Rechtsstaat Grund abgetreten.“ Deswegen sei es unerlässlich, dass sie nun vor Lärm geschützt werden. Dem pflichtete Bayerstorfer bei: „Ich sehe erhebliche Auswirkungen.“

Die Grünen reiben sich ob der CSU-Kritik am anzureichenden Lärmschutz die Augen und sprechen indirekt von Doppelmoral. Hanna Ermann, Vorstandsmitglied der Dorfener Grünen, erklärt: „Natürlich sollen sich Abgeordnete der Sorgen der Bevölkerung annehmen. Aber es ist schon ein starkes Stück, wenn sich jetzt ausgerechnet CSU-Abgeordnete als die großen Anwälte der Lärmbetroffenen hervortun.“

Grüne: Die CSU hat nur gejubelt

Immerhin habe sich Scharf bei der Eröffnung am 30. September bei Dorfen „stolz präsentiert“, und Lenz sei immer schon für die Isentalautobahn gewesen. Ermann zitiert die Lengdorfer Bürgermeisterin Gerlinde Sigl (CSU) mit den Worten kurz vor der Verkehrsfreigabe: „Schee, dass fertig worn is.“ Und der Dorfener Rathauschef Heinz Grundner (CSU) habe „eilfertig“ an der Seite der Verkehrsminister Hans Reichhart und Andreas Scheuer (beide CSU) das Band durchschnitten.

„35 Jahre lang haben die Bürgerinitiativen und Grüne auch wegen der drohenden Verlärmung unserer Heimat gegen die Isentalautobahn gekämpft. Die CSU beschimpfte uns als Fortschrittsverhinderer und Wirtschaftsfeinde“, empört sich Ermann.

Forderung nach Tempolimit

Die Dorfener Grünen fordern, „dass nun wenigstens gegen den extremen Lärm vorgegangen wird“. Sie sprechen sich für Tempo 100 für Autos und 60 für Lastwagen in der Nähe von Ortschaften und Weilern aus, „das auch streng überwacht wird“. Gerade im Bereich der Großbrücken müsse beim Lärmschutz nachgerüstet werden.

„Die Autobahndirektion hatte sich, um die Isentalautobahn durchsetzen zu können, im Prozess verpflichtet, nötigenfalls 75 bis 100 Millionen Euro für den Fledermausschutz in Schwindkirchen auszugeben. Angesichts dieses Wahnsinns ist es nicht mehr als recht und billig, wenigstens einige Millionen in einen wirksamen Lärmschutz für Menschen zu investieren“, so Ermann.

Die CSU-Forderungen nach Lärmschutz halten die Grünen für „wohlfeil“: „Die erlaubten Lärmgrenzen nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz sind nämlich so hoch, dass selbst diese totale Verlärmung unserer Heimat immer noch legal ist.“ Die Grünen im Bundestag hätten immer wieder eine Verschärfung dieser Grenzen gefordert, seien aber regelmäßig an der CDU/CSU gescheitert, beklagt die Grüne.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Neue Wartenberger Landjugend hat viele Ideen
Soafakistl-Rennen, Glühweinstand, Ferienprogramm. Die Wartenberger Landjugend hat sich vor Kurzem neu aufgestellt. Jetzt ist die Bahn frei für neue Ideen.
Neue Wartenberger Landjugend hat viele Ideen
Bürgermeisteramt statt Rente: Franz Hörmann (CSU) will weiter machen
Mit einer 28-köpfigen Kandidatenliste, davon 13 Parteifreie, geht die Walpertskirchener CSU in den Kommunalwahlkampf. An der Spitze: Bürgermeisterkandidat Franz Hörmann.
Bürgermeisteramt statt Rente: Franz Hörmann (CSU) will weiter machen
Bürgermeisterwahl: Dieter Heilmair tritt an
Gemeinderat und FC-Finsing-Vorsitzender Dieter Heilmair hat sich entschieden: Er kandidiert bei der CSU für das Bürgermeisteramt.
Bürgermeisterwahl: Dieter Heilmair tritt an
U17-Eispiraten gewinnen klar gegen Amberg
Die U17 des ESC Dorfen gewann 5:0 beim ERSC Amberg – der zweite Sieg im zweiten Bezirksliga-Spiel.
U17-Eispiraten gewinnen klar gegen Amberg

Kommentare