Freie Sicht auf die Landschaft haben Auto- und Lastwagenfahrer dank der gläsernen Spritzschutzwände auf der Lappachtalbrücke. Von unten wirkt das Bauwerk dank der transparenten Konstruktion „wesentlich schlanker“. 
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Freie Sicht auf die Landschaft haben Auto- und Lastwagenfahrer dank der gläsernen Spritzschutzwände auf der Lappachtalbrücke. Von unten wirkt das Bauwerk dank der transparenten Konstruktion „wesentlich schlanker“. 

Wände wurden 2015 umgeplant - aber die Kommunen nicht informiert

A 94: Lärmschutz für schönere Optik geopfert

  • vonTimo Aichele
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Der Lärmschutz entlang der neuen Isentaltrasse der A 94 bewegt nach wie vor die Gemüter. Anwohnerin Maria Numberger klagt, dass 2015 die blickdichten Schallschutzwände „heimlich aus den Plänen gestrichen“ wurden.

Dorfen– Unzureichender Lärmschutz ist ein Hauptkritikpunkt an der im Oktober eröffneten Isentaltrasse der A 94. Vor allem über die gläsernen Spritzwände auf Brücken ärgern sich viele lärmgeplagte Anwohner. Jetzt wird bekannt: Im Planfeststellungsbeschluss von 2009 waren noch andere Wände vorgesehen. 2015 wurde aber umgeplant – ohne Anlieger oder Kommunen entlang der Trasse zu informieren. Statt blickdichten Schutzwänden wurden transparente errichtet. Sinn und Zweck: „Reduzierung der optischen Einwirkung – die Überbauten wirken wesentlich schlanker“, heißt es in den Unterlagen. Fürs schönere Erscheinungsbild wurde also ein Stück Lärmschutz geopfert.

Wir spinnen“

Darauf gestoßen ist nicht etwa ein Straßenbaugutachter oder ein Verwaltungsfachmann, es war eine Anwohnerin: Maria Numberger aus Lindum. Sie und ihre Familie leben nur 50 Meter neben der Autobahn, und seit der Eröffnung ist sie eine forsche Wortführerin des Protests. Als Betroffene hat sie Unterlagen von der Autobahndirektion Südbayern erhalten. „Da haben wir uns dann die ganze Nacht reingelesen und am Ende gedacht: Wir spinnen“, erzählt die Lindumerin über ihre Entdeckung.

Isentaltrasse der A 94: „Wir kämpfen um jedes Dezibel!“

„2015 wurden die blickdichten Schallschutzwände heimlich aus den Plänen gestrichen – obwohl das erst anders in den Planfeststellungsbeschluss hineingeschrieben wurde“, klagte Numberger am Mittwoch als Rednerin beim Ortstermin mit Ministerpräsident Markus Söder in Hammersdorf. Nach ihren Informationen hätte die zuvor festgelegte Ausführung der Schallschutzwände eine Lärmminderung um elf Dezibel gebracht, die Glaswände nur vier Dezibel. „Und wir kämpfen um jedes Dezibel!“, rief sie mit bitterem Unterton aus.

Nach ihrer Entdeckung konfrontierte Numberger am 18. Dezember den bayerischen Verkehrsminister Hans Reichhart damit – und überraschte bei dem Ortstermin vor allem die lokalen Politiker. Auch Dorfens Bürgermeister Heinz Grundner erfuhr damals davon. Er sei „etwas verwundert“, sagte er am Mittwoch bei seinem Grußwort auf dem Pferdehof Menzinger seinen Parteifreunden ins Gesicht.

Bürgermeister Grundner: „Das muss man jetzt aufrollen“

„Das muss man jetzt aufrollen“, fordert Grundner. Das kann wiederum lediglich ein Kampf in der politischen Arena werden. Juristisch hat die Planänderung vom 22. Mai 2015 Bestand. Genehmigt wurde sie von der Regierung von Oberbayern. Verfahrensbeteiligt waren das Landratsamt Erding, das Landesamt für Umwelt und die Höhere Naturschutzbehörde.

Die anderen Kommunen entlang des Autobahnabschnitts wurden ebenso wenig informiert. Das bestätigt Grundners Amtskollege aus Buch am Buchrain. „Wir haben das jetzt angefordert“, erzählt Ferdinand Geisberger.

Inzwischen liegen die Unterlagen im Dorfener Rathaus

Mittlerweile hat auch das Rathaus Dorfen die Unterlagen vorliegen. Gegenstand der Planänderung seien zwei Aspekte gewesen, berichtetet Bauamtsleiter Franz Wandinger auf Nachfrage:

1. „Einbau eines lärmmindernden Belags“ auf zwei Kilometern im Gemeindegebiet Lengdorf sowie 1,5 Kilometern zwischen Eck und der Ausfahrt Dorfen.

2. „Änderung der Materialeigenschaften von Lärm- und Immisionsschutzwänden“ auf sieben Brücken, der großen Lappachtalbrücke und kleineren bei Lindum, Kopfsburg, Furtarn, Hammersdorf und Harrain.

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