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Krach im Osten und im Westen: Von Außerbittlbach aus marschierte die Gruppe rund um Hans Schreiner (2. v. l.) zu beiden Ortsausgängen, wo die Autobahn zu hören und zu sehen ist, im Hintergrund die Isentalbrücke. 

Forderung nach Schallschutz und Tempolimits

Neue Autobahn A94: Pfusch bei Bauarbeiten? Vom Lärm geplagte Anwohner lassen nicht locker

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Rund um die Uhr Autobahnlärm: Die Bürger in den Orten rund um die neue A94 sind verzweifelt. Bei einem Ortstermin mit Politikern machten die Anwohner ihrer Wut Luft.

  • Seit der Eröffnung der A94 durchs Isental leiden die Anwohner unter dem Lärm.
  • Auch von Pfusch am Bau ist die Rede.
  • Die lärmgeplagten Anwohner wollen nicht aufgeben.

Dorfen – Seit Anfang Oktober röhrt, brummt, pfeift und klappert es auf der neu eröffneten Teilstrecke A94 durchs Isental. Die Bürger in den anliegenden Orten sind genervt und verzweifelt. Etwa 100 Anwohner nutzten am Freitagnachmittag die Gelegenheit, um ihren Frust abzuladen. Hans Schreiner, der gemeinsame Landratskandidat von Freien Wählern, SPD und Grünen, war gekommen, um mit ihnen zu diskutieren. „Ich will Ihre Probleme und Ihre Ideen hören“, sagte er vor einer Gruppe von etwa 50 Menschen vor dem Gasthaus Altmann in Außerbittlbach (Gemeinde Lengdorf).

A94 Isental: Pfusch beim Bau? Ergebnisse unter Verschluss

„Wenn man sofort was machen will, dann bleiben nur Tempolimits“, erklärte Schreiner und stellte sich damit hinter eine Forderung, die überall entlang des 33 Kilometer langen Teilstücks der A 94 erhoben wird. Er kritisierte: „Das Ergebnis der Autobahn-Abnahme ist unter Verschluss. Sowas muss aber transparent passieren.“ Jede Firma müsse heute Daten liefern. Denn vor allem wegen der laut klappernden Rillen und Übergänge wird in diesen Tagen vielfach der Verdacht geäußert, dass hier beim Bau gepfuscht wurde.

Zum Thema: Mit jedem Tag Autobahnlärm auf dem neu eröffneten Teilstück der A94 durchs Isental werden auch die Proteste lauter. Viele Menschen entlang der Trasse sind geschockt vom Ausmaß der Belastung.

Video: So bedroht Lärm unsere Gesundheit 

A94 Dorfen: Kontinuierliches Rattern treibt Anwohner in die Verzweiflung

„Es ist ein Geräusch wie von einem langsamen Maschinengewehr – ein kontinuierliches Rattern“, klagte Anton Bauer, Nebenerwerbslandwirt in Außerbittlbach, einem Örtchen in einem Lärmkessel zwischen der riesigen Isentalbrücke und dem Harrainer Holz. „Der Schallschutz ist total vernachlässigt worden. Es soll sich mal einer von diesen Herren hierher trauen“, sagte Bauer. Denn das ist der nächste Kritikpunkt, den Schreiner an jedem der drei Lärm-Hotspots der A94 zu hören bekam: Schallschutzwände wurden unzureichend ausgeführt oder auf Brücken gar nicht erst gebaut. An der Goldachtalbrücke, an der Lappachbrücke und an der Isentalbrücke schilderten Anwohner den Dauerlärm. „Neulich hab i gmoant, jetzt geht die Sirene. Aber es war die Autobahn“, erzählte Roswitha Höhne.

Lesen Sie dazu: Viele Menschen an der neu eröffneten A94 sind verzweifelt. Sie wollen, dass ihnen gegen den Dauerlärm der Autobahn geholfen wird.

Anwohner der A94 klagen wegen enormer Lärmbelästigung

Schreiner sieht ein Problem in der Partnerschaft von öffentlicher Hand und Privatwirtschaft bei Bau und Betrieb der Autobahn. „Ich halte nichts von PPP-Modellen. Die Firmen wollen ja auch etwas verdienen“, sagte Schreiner bei dem Termin in Außerbittlbach über Pfusch und Kostendruck.

„Keiner überprüft, ob hier richtig geplant worden ist“, beklagte Anwohner Bernhard Osterloher. „Ich komme viel rum, sowas hab ich noch nie gehört. Die Lärmschutzwände sind ein reines Designer-Projekt, damit die Autofahrer von der Brücke aus freie Sicht auf das schöne Isental haben“, sagte er. Der „angebliche Flüsterbelag“ ärgere ihn besonders. Das bestätigte Scheiner: „Man könnte meinen, dass das ein Asphalt-Testgelände ist – so viele unterschiedliche Beläge sind hier verbaut.“ Ihm sei es genauso gegangen wie vielen anderen. „Ich dachte, mein Auto ist kaputt“, erzählte Schreiner von einer kurzen Fahrt auf der A94, bei der sein Wagen laut über die vielen Unebenheiten ratterte.

Wut wegen A94: Politiker bekommen Beschwerden zu hören

Unter den Besuchern des Termins waren auch die CSU-Bürgermeister Ferdinand Geisberger (Buch) und Cornelia Vogelfänger (Pastetten), die FW-Rathauschefs Ullrich Gaigl (St. Wolfgang) und Siegfried Fischer (Isen) sowie weitere Politiker. Auf ein großes Problem der Betroffenen auf dem Land wies Fischer hin: „Im Dorf- und Mischgebiet gelten andere Grenzwerte als in einem Wohngebiet.“ Ob Lärmschutz, Tempolimit oder Verbesserungen des Belags: „Da brauchen wir die Unterstützung aller Parteien. Lösen kann man’s nur politisch.“

Auch eine Gruppe aus Obertaufkirchen (Kreis Mühldorf) war gekommen. Sie hatte 900 Unterschriften an den CSU-Abgeordneten Marcel Huber übergeben. Eva Menzinger aus Hammersdorf (Gemeinde Buch am Buchrain) rief die Anwesenden dazu auf, nicht locker zu lassen. „Wir müssen bedenken, dass es vor Gericht auch Verjährungsfristen gibt. Wir dürfen nix einschlafen lassen.“

Auf der A94 kam es zu einem Unfall zwischen zwei Porsche-Fahrern. Ein 26-Jähriger wurde schwer verletzt.

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