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Kritik entzündet sich vor allem an den gläsernen Lärmschutzwänden an der Isentalautobahn. 

Wird Tempolimit verlängert? – Erste Ergebnisse liegen vor: Bis jetzt keine Fehler entdeckt

A 94: Virus verzögert Lärmmessungen

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Corona hat auch die Lärmmessungen entlang der Isentalautobahn durcheinander gewirbelt. Es ist schlicht zu wenig Verkehr. Nun könnte es sogar zu einer Verlängerung des Tempolimits kommen.

Dorfen – Rund um die Isentalautobahn ist gleich in zweifacher Hinsicht Ruhe eingekehrt: Seit Einführung des auf ein halbes Jahr befristeten Tempolimits auf 120 Kilometer pro Stunde im Februar ist die Kritik weitgehend verstummt. Und seit dem Corona-Lockdown ist auch auf der A 94 deutlich weniger los.

Das hat Auswirkungen auf die von Ministerpräsident Markus Söder verfügten Lärmmessungen. Es kommt zu Verzögerungen, vermutlich bis in den Herbst. Ob das Tempolimit deswegen über den 31. Juli hinaus verlängert wird, ist noch nicht entschieden, teilt das Innenministerium auf Anfrage mit.

A94: Erste Messergebnisse liegen vor

Josef Seebacher, Sprecher der Autobahndirektion Südbayern, berichtet, dass erste Messergebnisse bereits vorlägen, die nun mit dem Innenministerium abgestimmt würden. „Schon vor der Verkehrsfreigabe wurde die Lärmentwicklung an der Fahrbahn intensiv geprüft. Das ist Bestandteil des ÖPP-Vertrags des Bundes mit der Isentalautobahn GmbH. Aber auch die geldgebenden Banken wollen hier Gewissheit“, erklärt Seebacher. Bekanntlich konnte die A 94 sogar vor der Frist am 30. September 2019 eröffnet werden.

Nach den massiven Lärmbeschwerden aus Pastetten, Buch, Lengdorf, Dorfen und St. Wolfgang ordnete die Politik neue Messungen an. Seebacher erinnert sich, „dass es ein enormer Aufwand war, Fachbüros zu finden und ein Konzept zu entwickeln“. Denn bei Lärm bestehe das Problem, dass er nicht nur gemessen werden könne, sondern auch berechnet werden müsse. Denn Einzelereignisse drohten das Ergebnis zu verfälschen.

Wälle und Mauern: Keine Hinweise auf Mängel

Der Sprecher der Autobahndirektion teilt mit, dass neue geometrische Daten bereits erhoben worden seien. Mittels Lasertechnologie habe man Wälle und Wände vermessen. Diese Ergebnisse würden nun überprüft. „Bislang gibt es keine Hinweise darauf, dass nicht sachgemäß und von der Planung abweichend gebaut wurde“, sagt Seebacher.

Mit den Corona-Beschränkungen brach der Verkehr auch auf der A 94 ein. Dies könnte die Messungen ebenso beeinflussen wie das (lärmmindernde) Tempolimit. Seebacher berichtet, dass man dennoch weiterarbeite. Denn Physiker könnten die Werte entsprechend hoch- beziehungsweise umrechnen, was die Faktoren weniger Verkehr und geringere Geschwindigkeiten ausgleiche.

Asphalt schon etwas abgefahren. Ist es jetzt leiser?

Problemlos möglich sei hingegen der Nachweis, wie viel Schall auf der Fahrbahn entsteht. Man könne unmittelbar messen. Auch hier gebe es bislang keine Auffälligkeiten. Seebacher rechnet sogar mit einer Verbesserung, „weil der Belag mittlerweile eingefahren ist“. Anlieger und Kommunalpolitik fordern hingegen durchgängig Flüsterasphalt.

Anders sieht es laut Seebacher mit den von den Anrainern geforderten Lärmmessungen an den Gebäuden aus. „Hier müssen wir abwarten, bis sich der Verkehr wieder einigermaßen normalisiert hat.“ Allerdings habe man die Vorarbeiten weitestgehend abgeschlossen – Messpunkte und -geräte sowie Stromversorgung der Apparate.

Möglichst viele Infos ins Internet

Seebacher steht vor dem Problem, „dass wir den Menschen vermitteln müssen, dass Lärm zum einen gemessen, aber auch errechnet wird, um etwa zu verhindern, dass Flugzeuge oder Rasenmäher die Resultate verfälschen“. Auch Wetter, Wind, Sommer- oder Winterreifen müssten in die Berechnung mit einbezogen werden. Seebacher verspricht maximale Transparenz: „So viel wie möglich werden wir in Absprache mit dem Innenministerium ins Internet stellen.“ Der politische Prüfauftrag wird den Freistaat „voraussichtlich einen sechsstelligen Betrag kosten“.

Im Innenministerium geht man davon aus, nach dem 31. Juli binnen drei Monaten die Ergebnisse hinsichtlich der Lärmbelastung durch Schnellfahrer und der baulichen Ausführung der A 94 auszuwerten. Danach werde entschieden, ob und welche Schutzmaßnahmen ergriffen werden.

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