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Seine Sicht der Dinge über die Folgen der Migration für Deutschland brachte Geowissenschaftler Rainer Rothfuß (r.) bei einer Veranstaltung der KAB unter die Leut e.

KAB-Abend

AfD-Thesen bei den Katholiken: Nur eine widerspricht

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Der Geowissenschaftler Rainer Rothfuß spricht bei einer Veranstaltung der KAB in Dorfen über Migration und die Folgen für Deutschland. Es sind vor allem Thesen die bei AfD-Anhängern gut ankommen.

Dorfen – Der Wirbel um die Veranstaltung war groß, das Szenario, das dabei gezeichnet wurde, ist düster: Wenn sich Deutschland nicht zu einer anderen Migrations- und Außenpolitik entschließe, drohe dem Land das Chaos: Flüchtlinge werden uns überfluten und in der Folge davon sei die Gefahr groß, dass muslimische Migranten auch hier die Scharia einführten.

Doch diese Botschaft lässt eine Frau nicht so stehen: Es ist am Ende des als Bildungsveranstaltung deklarierten Abends „Migration und die Folgen für Deutschland: Ganzheitliche Lösungskonzepte“ mit dem Wissenschaftler Rainer Rothfuß, als die Kreisvorsitzende der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB), Ina Hallermann, aufsteht, sich das Mikrofon greift und mit eindringlichen Worten dem Abend einen anderen Stempel aufdrückt: „Ich sehe einfach Menschen.“

Hallermann sagt das am Donnerstagabend nicht nur als Katholikin, sondern auch als Lehrerin, die beruflich viel mit Menschen mit Migrationshintergrund zu tun hat. Und als ob Hallermann viel von den zuvor gehörten Diskussionsbeiträgen von Zuhörern eliminieren will, macht sie klar: „Die meisten der Menschen, die zu uns flüchten, haben Schreckliches erlebt, sind hochtraumatisiert. Wir haben Jahrhunderte lang den afrikanischen Kontinent ausgebeutet. Und wir machen das heute immer noch. Wir schaffen täglich neue, permanente Fluchtursachen.“

Droht Deutschland das Scharia-Recht?

In einem gut 90-minütigen Vortrag hatte Rothfuß zuvor über Migration gesprochen. Zu Protesten von AfD-Gegnern ist es nicht gekommen. Rothfuß spricht auch darüber, warum er kürzlich nach 13 Jahren Parteizugehörigkeit von der CSU zur AfD gewechselt ist: „Dort habe ich größere Wirkungschancen als anderswo.“ Auch, weil die Meinungsfreiheit im Land immer mehr beschnitten werde, so sein Eindruck.

Mit allem Anschein nach offiziellen Zahlen aus den verschiedensten politischen und medialen Bereichen untermauert Rothfuß in seinem Lichtbildervortrag seine Sicht der Dinge. In Großbritannien etwa sei das islamische Scharia-Recht schon teilweise in die dortigen Gesetze integriert worden. Details dazu nennt Rothfuß nicht.

Er zitiert auch aus einer Studie in den USA, wonach weltweit zwei Drittel der Muslime für die Anwendung des Scharia-Rechts seien. 50 Prozent dieser Muslime würden sogar die Todesstrafe für eine Abkehr vom Glauben befürworten. Und auch Zahlen aus Deutschland präsentiert er: 36 Prozent der in zweiter oder dritter Generation im Land lebenden Deutsch-Türken würden die Befolgung der Scharia-Gebote höher schätzen als die Gesetze Deutschlands.

„Mediensystem ist nicht ausgewogen“

Rothfuß geht auch auf die Mediendebatte zur Migration ein. Er zitiert etwa Spiegel-Herausgeber Jakob Augstein, der in der Migration nur Vorteile für das Land sehe. Deutschland könne „zum neuen, besseren Amerika werden“. Die Menschen hier müssten sich nur „von lieb gewonnenen Gewohnheiten, etwa dem Sozialstaat“, verabschieden. „Klar“, sagt Rothfuß, „Augstein hat ja auch genug Vermögen. Der braucht keinen Sozialstaat“. Und er schiebt nach, dass über 70 Prozent der Journalisten in Deutschland eine linke politische Gesinnung hätten – und damit das Land steuerten. „Das Mediensystem ist nicht ausgewogen“, kritisiert der Redner.

Auch auf als „Verschwörungstheorien“ gebrandmarkte Themen kommt Rothfuß zu sprechen. Er könne nicht ausschließen, dass Behauptungen richtig seien, dass „Massenmigration als Waffe eingesetzt“ werde. Die USA etwa könnten zu diesem Mittel gegriffen haben, um ihre geopolitischen Ziele durchzusetzen.

Der enorme Migrationsdruck bringe immer größere Probleme mit sich, auch, weil viele Flüchtlinge nur gering qualifiziert seien. Gerade in diesem Bereich würden in Zukunft viele Arbeitsplätze wegfallen, weil die Menschen durch Maschinen ersetzt würden. Die sozialen Spannungen im Land würden zunehmen.

Andererseits sei es auch problematisch, wenn wirkliche Fachkräfte aus anderen Ländern nach Europa fliehen würden. „Das ist dann zum Nachteil des Landes, aus dem der Migrant flieht.“ Rothfuß nennt hier etwa den syrischen Arzt, der jetzt in Deutschland sei. In seinem Heimatland fehle er, möglicherweise müssten deswegen dort Menschen sterben.

„Wir vertrauen auf Gott“

Rothfuß’ Lösungsansatz zur Bewältigung der Krise: „Hilfe in der Nähe des Herkunftslandes“ der Flüchtlinge. Als erstes müssten sämtliche militärischen Interventionen, die zum Sturz von Regierungen führen sollen, eingestellt werden. Gestoppt werden müssten auch Waffenlieferungen. Die Entwicklungshilfe in Deutschland müsse massiv erhöht, Rückführungsabkommen mit Ländern neu verhandelt werden. Menschen, die in ihre Heimat zurück müssten, bräuchten „humanitäre Perspektiven“.

Die Thesen von Rothfuß stoßen auf Zustimmung im Lokal. Nur eine Person sieht das nicht so: Ina Hallermann. Mit ruhiger und fester Stimme sagt sie: „Wir sind ein christliches Land. Wir vertrauen auf Gott.“ Es gibt daraufhin nur noch einen Zwischenruf, und der kommt von AfD-Landtagskandidat Martin Huber: Eine heile Welt gibt es nicht.“ 

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