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In der Kritik: KAB-Kreischef Rainer Forster.

KAB-Abend zur Migration

Die AfD und Forster: Provozieren um jeden Preis?

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„Feindliche Übernahme“: Die rechtspopulistische AfD verleibt sich einen politischen Abend des Kreisverbands der Katholischen Arbeitnehmer Bewegung in Dorfen ein. Dort spricht Rainer Rothfuß zum Thema Migration.

Dorfen – Den Begriff „feindliche Übernahme“ kennt man aus der Wirtschaft. Als solche bezeichnet man den Kauf der Kapitalmehrheit eines Unternehmens gegen den Willen des Vorstands, des Aufsichtsrats oder der Belegschaft. Im Fall Dorfen gilt das auch für eine Veranstaltung. Die rechtspopulistische AfD verleibt sich einen politischen Abend des Kreisverbands der Katholischen Arbeitnehmer Bewegung (KAB) ein.

Der KAB-Vorsitzende Rainer Forster hat den von ihm als „Experten für interreligiöse Konflikte und internationale Geopolitik“ titulierten Rainer Rothfuß für diesen Donnerstag, 9. August, um 20 Uhr zu einem Fachvortrag ins Gasthaus am Markt eingeladen. Rothfuß, der 13 Jahre lang CSU-Mitglied war, spricht zum Thema „Migration und die Folgen für Deutschland: Ganzheitliche Lösungskonzepte“.

Dass der AfD-Kreisverband diese Veranstaltung unter dem Motto „AfD bei KAB“ als die eigene weiterverbreitet, hat seine Ursache im Rechtsruck des ehemaligen Tübinger Universitätsprofessor: Rothfuß ist seit kurzem Mitglied der AfD.

Schon im Vorfeld der Veranstaltung kommt es daher zum heftigen Schlagabtausch. AfD-Gegner haben zum Protest gegen den Rothfuß-Auftritt aufgerufen. Und der KAB-Diözesanvorstand hat sich in aller Deutlichkeit von der Veranstaltung distanziert. „Die AfD agiert gesellschaftlich spaltend, fremdenfeindlich und menschenverachtend. Mit dem christlichen Menschenbild und der katholischen Soziallehre sind die Positionen dieser Partei nicht vereinbar. Auch die KAB Deutschlands hat sich in Stellungnahmen und Beschlüssen eindeutig gegen die Politik der AfD gerichtet“, heißt es in einer Erklärung, die von Hannes Kreller (Diözesanvorsitzender), Evelyne Menges (Diözesanvorsitzende) und Michael Wagner (Diözesanpräses) unterzeichnet ist. Dazu muss man wissen: Der Kreisvorsitzende Forster war früher hauptberuflich KAB-Diözesansekretär. Er wurde gefeuert, weil er ohne Zustimmung des Diözesanvorstands immer wieder ähnliche Veranstaltung im Namen der KAB organisiert hat.

Forster sieht indes in der Veranstaltung mit AfD-Mitglied Rothfuß überhaupt kein Problem. Ganz im Gegenteil: Er verweist vielmehr auf die „Doppelmoral“ die in der KAB-Führung an den Tag gelegt werde. Gehe es um die CSU, dürfe die „Plattform KAB“ für politischen Karrieren genutzt werden. So habe die aktuelle Diözesanvorsitzende Evelyn Menges innerhalb ihrer bisherigen Dreivierteljährigen Amtszeit „keinerlei Aktivitäten für die KAB zu erkennen gegeben“. Sie sei aber groß in der Mitgliederzeitung als Landtagskandidatin der CSU abgebildet. Und der frühere Vorsitzende Dieter Thalhammer habe die KAB benutzt, um Oberbürgermeister von Freising zu werden. „Während meiner hauptberuflichen Tätigkeit als KAB-Diözesansekretär hat er alles versucht, dass sein Schwiegersohn, Staatskanzleichef Florian Herrmann, wieder seine Ruhe im Stimmkreis Freising hat.“ Forster meint damit seinen Rauswurf bei der KAB, da er auch Veranstaltungen mit der CSU nicht genehmen Politikern und Persönlichkeiten gemacht hat.

Im Übrigen sei Rothfuß kein Berufspolitiker der AfD, er kandidiere auch nicht für ein politisches Amt. Somit sei der Auftritt des Konfliktforschers in Dorfen keine AfD-Wahlkampfveranstaltung oder dergleichen, erklärt sich Forster. Auch an die Vereinigung von „Dorfen ist bunt“ und deren Sprecherin, SPD-Stadträtin Michaela Meister, hat Forster eine Botschaft: „Was wir als wichtig erachten, schreiben wir in unsere Einladung ohne vorher beim Dorfener Wahrheitsministerium eine Freigabe einzuholen.“

Doch Forster eckt auch noch woanders an. Er ist für die ÖDP im Landkreis Direktkandidat bei der Bezirkstagswahl. Denn auch der Kreisvorstand der Partei, die Ökologie-, Umwelt- und Familien-Politik zum Schwerpunkt hat, ist mit Nähe zur AfD nicht glücklich. „Ich finde die AfD ekelhaft“, hat Kreisvorsitzender Stefan Treffler in einem Interview gesagt.

Auf die Schenkel klopfen dürfte sich AfD-Kreischef Wolfgang Kellermann. Er hat es erneut geschafft, für die Rechtspopulisten maximale Aufmerksamkeit zu erreichen. Dabei hätten ganz andere, rassistische Aktionen Aufmerksamkeit verdient, wie ein Blick etwa auf das Facebookprofil des Erdinger AfD-Landtagskandidaten Martin Huber zeigt. Dort ist neben vielen anderen zweifelhaften Einlassungen ein Bild mit der Überschrift „Besucher-Flaute in den Freibädern trotz Hochsommer“ zu sehen. Im rechten Teil des Bildes ein leeres Freibad mit dem Text „Tote Hose“, links sieht man drei Afrikaner von hinten und den Text dazu „Keine tote Hose“. Was damit assoziiert wird, dürfte unschwer zu erraten sein. 

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