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Volles Haus: Rund 100 AfD-Anhänger bejubelten die Rede des Landesvorsitzenden Martin Sichert.

Wahlkampf und Gegendemo 

AfD: „Wir werden uns Dorfen zurückholen“

Großer Aufmarsch in Dorfen: Dutzende Polizisten und Spezialkräfte des Unterstützungskommandos waren am Donnerstagabend wegen einer Veranstaltung des AfD-Kreisverbandes im Einsatz. Rund 120 Menschen demonstrierten gegen den Wahlkampfauftritt des AfD-Landeschefs Martin Sichert.

Von Fabian Holzner

DorfenAm Donnerstagabend sorgte erneut eine Veranstaltung des AfD-Kreisverbandes in Dorfen für große Polizeipräsenz. Darunter waren auch Spezialkräfte des Unterstützungskommandos USK. Schon am späten Nachmittag sicherte ein Dutzend Polizisten den Unteren Markt, während sich die ersten AfD-Gegner um einen Infostand des Aktionsbündnisses „Dorfen ist bunt“ hinter der Marktkirche gruppierten.

Ein Traktor, behangen mit einem Banner mit der Aufschrift „AfD abschieben“ drehte seine Runden durch die Altstadt, an den Fensterläden des Isener Tores stand: „Auch damals dachten viele: So schlimm wird’s schon nicht werden.“

Kurz nach 18 Uhr setzte sich der Demonstrationszug vom Bahnhof Richtung Unterer Markt in Bewegung. Er bestand aus durch die Gegnerschaft zur AfD verbundenen Gruppierungen und Einzelpersonen, darunter Mitglieder der Spaßpartei „Die Partei“ und der Antifa, Dorfener Bürger und das Bündnis „Dorfen ist bunt“. Gesichert von der Polizei kamen die rund 120 Demonstranten vor dem Veranstaltungslokal, dem Gasthaus am Markt, in Rufweite der rund 100 AfD-Anhänger – und buhten sich gegenseitig aus.

Für die Veranstaltung waren in der Gaststätte diesmal 25 Plätze für die Gegenseite abgezählt. Eine Reaktion der AfD auf die friedliche Besetzung eines Großteils des Lokals bei ihrer Veranstaltung vor sechs Wochen. Auch mit Stehplätzen zufrieden, füllten nicht nur ortsansässige Parteimitglieder, sondern auch Anhänger aus den umliegenden Landkreisen den Raum bis ins letzte Eck.

Die Begrüßung übernahm AfD-Kreisvorsitzender Wolfgang Kellermann. Er erntete gleich zu Beginn mit der Ankündigung „Wir werden uns nicht nur Deutschland zurückholen, sondern auch Dorfen“, tosenden Applaus. Enthusiastisch begrüßt wurde der Hauptredner des Abends, AfD-Landesvorsitzender Martin Sichert, auch Mitglied des Bundestags. Er gab sich diskussionsbereit und begründete seinen Besuch in Dorfen mit den Worten: „Hier gibt’s kontroverse Meinungen, die aufeinander treffen. Es ist immer gut, wenn man sich in einer Demokratie miteinander austauscht.“

Die politische Stimmung in Deutschland analysierend, sprach Sichert von „Verzweiflung in gewissen Kreisen“ und fügte an: „Die Deutungshoheit in diesem Land haben wir.“ Der CSU warf er vor, mit der Antifa „Hand in Hand“ zu gehen. Die Bürger wüssten aber, dass „wir die tatsächlichen Freunde Bayerns sind“.

Nachdem sich Sichert gegen Extremismus jeglicher Art ausgesprochen hatte, thematisierte er die Asylpolitik. Die Position seiner Partei sei, bestehende Gesetze umzusetzen, was bedeute, dass Asylsuchende aus sicheren Ländern, also auch Nachbarländer, an der Grenze abgewiesen werden.

Auf Sicherts Bemerkung, dass in Deutschland die Zahl der Beschneidungen von Mädchen, Zwangsehen und Ehrenmorde zunehmen würde, hielten die AfD-Gegner, die dem Redner zuvor schon vereinzelt Rote Karten gezeigt hatten, ein Banner hoch. Aufschrift: „Solidarität ist die Zärtlichkeit der Völker.“ Wenig später verließen sie geschlossen die Versammlung, begleitet von hämischen „Auf Wiedersehen“-Rufen der AfDler. Zuvor hatte sich Peter Junker, AfD-Bezirkstagskandidat für den Kreis Erding, direkt an die Gegendemonstranten gewandt: „Wir hängen momentan in der Scheiße, und die können wir nur gemeinsam bewältigen.“

Als Kellermann in seinen Schlussworten die Gegendemonstranten als „Verrückte“ bezeichnete, nahm ihm eine junge Frau das Mikrofon ab und gab sich als AfD-Gegnerin zu erkennen: „Es geht doch darum, dass hier eine Diskussion zustande kommt. Eine gleiche Basis schafft man aber nicht, wenn man uns als verrückt bezeichnet.“ Von ein paar AfDlern wurde sie ausgepfiffen.

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