Klare Kante gegen Querdenker und ähnliche Gruppierungen: die Kundgebung der „Partei“ am Marienplatz.
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Klare Kante gegen Querdenker und ähnliche Gruppierungen: die Kundgebung der „Partei“ am Marienplatz.

Kundgebung

„Alternative Sicht“: Schwach besuchte Demo von Corona-Skeptikern

Etwa 30 Corona-Skeptiker trafen sich am Samstag zu einer Kundgebung in Dorfen. Parallel machten 50 Gegendemonstranten ihre Kritik daran deutlich.

Dorfen – Stell dir vor, es ist Demo und kaum einer geht hin. So geschehen am Samstag in Dorfen, als Corona-Skeptiker zum Protest gegen Maskenpflicht und Impfungen aufgerufen haben. Rund hundert Menschen weniger als bei der letzen Veranstaltung Ende November nahmen teil. Laut Polizei waren es in der Spitze 30 Besucher. Mehr als 50 Gegendemonstranten versammelten sich zur gleichen Zeit ein paar Meter weiter auf dem Marienplatz.

Bei den Corona-Skeptikern startete Veranstalter Franz Stemmer aus Haag um Punkt 13 Uhr mit dem Programm. Über den Unteren Markt in Dorfen schallte das Querdenker-Lied „Wir sind so viel mehr“. Das hörte zu diesem Zeitpunkt allerdings noch kein einziger Demonstrant. Erst peu à peu trudelten die Querdenker ein, bildeten eine kleine Traube an der Seite des Marktplatzes. „Ich wusste gar nicht, dass heute Demo ist“, sagte eine Passantin, die mit der Bewegung sympathisiert, ihren Namen aber nicht nennen wollte.

Stemmer versuchte, mit einem Plakat mit weißer Taube auf blauem Grund, dem Logo der Friedensbewegung, Gleichgesinnte zu mobilisieren. „Ich wollte nicht unter dem Label der Querdenker auftreten“, erklärte er. Und sein Mitstreiter ergänzte: „Die Marke ,Querdenker‘ ist mittlerweile verbrannt, wir möchten einen eigenen Weg gehen, eine eigene Marke etablieren.“ Der Mann, der am Tisch vor Spendendose und Flyern stand, wollte ebenfalls nicht namentlich genannt werden, weil er schlechte Erfahrungen mit der Presse gemacht habe. „Unsere Bewegung wird in den Medien zu stark diffamiert.“

Veranstalter Stemmer erklärte abermals, dass die Corona-Maßnahmen nicht verhältnismäßig seien. „Die Krankheit ist gut behandelbar“, argumentierte er. Zudem gebe es Hausmittel gegen Viren. „Gegen was bitte soll ich mich impfen lassen? Wir haben das Recht, eine alternative Sicht auf die Dinge zu geben.“

„Wir sind den Corona-Skeptikern heute zahlenmäßig überlegen“, freute sich Kalle Oefele, der die Gegendemo organisiert hatte. „Da drüben stehen die gleichen Leute, wie im Herbst. Es gibt genügend echte Probleme, da brauchen wir keine Verschwörungstheoretiker und Rechtspopulisten“, so der Vorsitzende der „Partei“. „Es gibt keinen Bill-Gates-Impfzwang, das sind doch alles Hirngespinste“, so der Dorfener. Freilich sei auch Oefele enttäuscht, dass die Bundesregierung nach einem Jahr Pandemie noch keine sinnvolle Strategie vorweisen könne, zudem nerve ihn zunehmend, dass die Warnungen von Wissenschaftlern kein Gehör mehr in der Politik finden, weil alle schon im Wahlkampf-Modus seien.

„Ich will kein Moralapostel sein, aber wir möchten, dass alle Maske tragen und durch geimpft werden – schließlich wollen wir nicht, dass Menschen an dem Virus sterben“ sagte etwa Besucherin Lucia Graupner. Sie selbst habe mehrere Demos gegen die „Schwurbler“ in Poing organisiert, zu denen bis zu hundert Querdenker kamen.

Redner Stefan Brandhuber vom Forum Links monierte derweil, dass sich nicht nur einzelne CSU-Mitglieder an der Maskenpflicht bereichert hätten, sondern vor allem die Querdenker abkassieren: „Viele Soloselbstständige, Kleinunternehmer und Künstler sind in materieller Not, können oft die Miete nicht mehr bezahlen. Doch die Querdenker stecken die Spenden in die eigene Tasche, statt zu helfen. Echte Solidarität sieht anders aus“, meinte der Dorfener.

Beide Demonstrationen endeten gegen 14.40 Uhr. Zwölf Ordnungshüter aus Dorfen waren im Einsatz, hinzu kamen 20 Bereitschaftspolizisten aus München. Dass die Demonstration friedlich verlaufen würde, da war sich Dienststellenleiter Harald Kratzel schon vorab sicher. Was er von der Doppel-Demo in Dorfen gehalten habe? „Wir leben in einer Demokratie“, sagte der Erste Hauptkommissar salomonisch.

Dorfens ehemalige 3. Bürgermeisterin Doris Minet kam indes zufällig am Unteren Markt vorbei und sagte zur überschaubaren Teilnahme an der Corona-Skeptiker-Kundgebung: „Es ist schön, dass die Dorfener sich nicht einlullen lassen.“

Michaele Heske

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