Dreister Dieb: Bub Emil (l., Lukas Meidinger) schläft ein, während Bandit Grundeis (Chiara Gerbl) sein Geld klaut. Foto: prä

Theater an der Schule

Altes Stück mit aktuellem Bezug

Dorfen – „Emil und die Detektive“ von Erich Kästner hat die Theatergruppe der Unter- und Mittelstufe des Dorfener Gymnasiums beeindruckend auf die Bühne gebracht. Dreimal war die Aula voll und es gab viel Beifall.

Mit dem Kästner-Stück hat das Ensemble das Thema „Fremd sein“ auch von einer anderen Seite aufgegriffen: Fremd sein in der Fremde. Und dann geschieht einem Kind auch noch Unrecht. Das hört sich alles recht traurig an, ist es aber nicht, wenn man neue Freunde findet und das Theaterstück gesehen hat.

„Emil und die Detektive“ stellte die Schauspielgruppe vor besonders große Herausforderungen. Bis auf zwei Schüler wurde das Ensemble neu aus den sechsten und siebten Klassen zusammengestellt. Die Feuertaufe haben die Schüler sehr gut bestanden. Etwa 30 Rollen wurden von 13 Schülern gespielt, die ihre Texte teilweise selbst umgeschrieben hatten.

Nach einem Casting und einer Findungsphase bereits im vergangenen September stand die neue Theatergruppe. Das Ergebnis konnte sich jetzt mehr als nur sehen lassen. Pure Spielfreude und Spielwitz, wobei zu bemerken war, dass die Schüler ihr Schauspiel teilweise ohne Vorkenntnisse zu einer beachtlichen Qualität entwickelt haben. Die Zuschauer erlebten einen lustigen, faszinierenden und spannenden Abend.

Wie immer spielte das Stück in minimalistischen Kulissen, dafür aber mit umso mehr mit schauspielerischer Finesse und musikalischen Genüssen bis hin zu Rap-Passagen der Akteure, was ein Novum am Gymnasium war. Teilweise befanden sich auf Haupt- und Nebenbühne drei Ebenen unterschiedlicher Spielergruppen, die simultan agierten. Die Zuschauer hatten die Wahl zu entscheiden, wo sie zuerst hinschauen sollten. Liebevoll hatte dazu die musikalische Leiterin Irmgard Bauer zusammen mit Schülern die Musik beigesteuert, völlig neu interpretiert.

Die Geschichte spielt in den 50er-Jahren. Das Landei Emil Tischbein (Lukas Meidinger) soll seiner Großmutter (Leonie Kley) einen hohen Geldbetrag, 140 Deutsche Mark, nach Berlin bringen, die sich seine Mutter (Lisa Härle) mit harter Arbeit verdient hat. Auf der Fahrt im Zug schläft Emil ein und träumt, während der skrupellose Bandit Grundeis (Chiara Gerbl) das Geld stiehlt. Allein in der Großstadt und am falschen Bahnhof ausgestiegen, sieht sich Emil vor unlösbare Probleme gestellt. Sein Glück, andere Kinder sind nicht weit und sie nehmen den Fremden in ihre Mitte auf. So kann die Jagd auf den Verbrecher beginnen. Am Ende wird er von den Detektiven gestellt und der Polizei übergeben, als er die Geldscheine umtauschen will. Und es gibt noch tausend Mark Belohnung, weil der Mann ein gesuchter Bankräuber war.

Zurück blieb am Ende nicht zuletzt die Erkenntnis Kästners, dass die Erwachsenen von Kindern lernen sollten, etwa wie leicht es ist, Fremde oder Fremdes in unserer Mitte aufzunehmen. Das ist nicht nur in Zeiten, wo Millionen Menschen auf der Flucht und zu uns kommen, ein durchaus aktueller Denkanstoß.

Hermann Weingartner

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