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Gerhard Polt, wie man ihn kennt: Am 1. Advent gastierte er im ausverkauften Jakobmayersaal und begeisterte sein Publikum mit seinem unvergleichlichen Humor. 

Jakobmayer

Der Altmeister des Kabaretts in Dorfen: Abfent mit Polt

Gerhard Polt gastiert im Jakobmayersaal in Dorfen und brilliert mit seinem etwas anderen Weihnachtsprogramm.

VON ALEXANDRA ANDERKA

Dorfen– Der große Gerhard Polt gab sich am Sonntagabend im Jakobmayersaal die Ehre – passend zum 1. Advent mit Auszügen seines Programms „Abfent, Abfent“, in dem er mit seinen unvergleichlichen Figuren die Vorweihnachtszeit von einer anderen, nicht ganz so romantischen Seite beleuchtete.

Die Bühne im Jakobmayersaal wurde halbiert, um möglichst viele Leute in den Genuss eines Live-Auftritts von Polt kommen zu lassen, denn die Veranstaltung war binnen weniger Stunden ausverkauft. Das Publikum wurde nicht enttäuscht, auch wenn es vielleicht nicht viel Neues geboten bekam. Aber Polt live zu erleben, ist ein großes Vergnügen, da müssen nicht neue Rollen geschrieben werden – die Klassiker reichen.

Der Satiriker – mittlerweile im Alter von 77 Jahren – brillierte in seinen Rollen, so wie man ihn kennt. Besonders in der des engstirnigen und kleinbürgerlichen Bayern, die er in verschiedenen Varianten besonders gerne gibt. Aber auch als hyperaktiver Moderator und säuselnde Interviewerin war er großartig.

Seine Themen scheinen so denkbar einfach – der Mensch ist gut, solange er nicht dein Nachbar ist, der Nikolausbesuch, der im Chaos endet, oder das Interview einer weltfremden Radiomoderatorin mit einem „Alkoholsportler“, die alles „waaahnsinnig spannend“ findet. Doch seine Dialoge sind alle hintergründig, amüsant und haben hundertprozentigen Wiedererkennungseffekt. Der Kabarettist aus Schliersee erzählt Alltagsgeschichten. Wenn er behauptet, „die ist echt wahr“, nimmt man ihm das ab.

Denn gerade bei seiner Paraderolle – dem einfachen Bayer – wird man das Gefühl nicht los, dass Polt den Wortwechsel in einem Wirtshaus am Nachbartisch gehört hat und eins zu eins wiedergibt. Ähnlich verhält es sich bei der etwas dümmlich wirkenden Interviewerin. Da liegt ebenfalls die Vermutung nahe, dass er ihr selbst einmal gegenüber gesessen sein muss.

Etliche alte Bekannte begegneten dem Publikum: Das intolerante Ehepaar Erwin und Käthe Böhm, das sich im Rahmen einer Adventspatenschaft einen anständigen Einsamen ins Haus holen will: „Es wird doch wohl noch einen einsamen Deutschen geben, der nicht raucht!“

Die drei Saufkumpanen, die sich an Heilig Abend im Wirtshaus Atzinger treffen und in desaströsem Zustand nach Hause zurückkehren, und der Grantler, der sich über die Frechheiten seiner Mitmenschen echauffiert: „Fragt mich der doch glatt, wie es mir geht!“. Ebenso wie der selbst ernannte Sommelier, der beim ersten Schluck aus dem Weinglas erkennt: „Das ist ein Beaujolais, der ist im Abgang nachtragend.“

Polt ist mit einer außergewöhnlichen Beobachtungsgabe ausgestattet. Alle Eigenheiten der Menschen, denen er im Alltag begegnet, kann er in unglaublich authentische Rollen verpacken und ebenso realitätsnah auf die Bühne bringen, egal, ob es sich um den Besserwisser, den Gefühlsduseligen oder die Spießerin handelt. Polt kann sie alle. Obwohl man das nicht anders von ihm erwartet hat, ist man doch immer wieder aufs Neue verblüfft. Davon gab er am Sonntag wieder einmal eine gelungene Kostprobe.

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