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Am Amtsgericht Erding wurde das testosterongeschwängerte Aufeinandertreffen zweier Autofahrer bei Dorfen verhandelt.

Grotesker Prozess um zwei Verkehrsrowdies am Erdinger Amtsgericht 

Richterin eiskalt angelogen

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Lügen darf vor Gericht nur der Angeklagte. Doch bei einer Verhandlung wegen Nötigung am Amtsgericht Erding dürfte auch der eine oder andere Zeuge die Unwahrheit gesagt haben, wohlwissend, dass man dafür ins Gefängnis kommen kann.

Dorfen/Erding – Es ging um einen 25-Jährigen aus dem Raum Altötting, der am 30. November 2019 laut Staatsanwältin Daniela Kustermann auf der Staatsstraße 2084 bei Dorfen gegen 19 Uhr einen anderen Autofahrer als Idioten beleidigt und den Stinkefinger gezeigt haben soll. In dem Prozess unter dem Vorsitz von Richterin Michaela Wawerla verschwomm freilich die Linie zwischen Täter und Opfer.

Der junge Mann erzählte eine ganz andere Geschichte. Am Tattag sei er nach dem Besuch bei einem Freund mit seiner Lebensgefährtin auf dem Heimweg gewesen. Plötzlich sei hinter ihm ein Wagen mit hohem Tempo aufgetaucht, habe aufgeblendet und schließlich überholt. Unmittelbar nach dem Manöver soll er den 25-Jährigen so riskant ausgebremst haben, dass er nach links ausweichen und an dem Kontrahenten vorbeifahren musste.

An der Kreuzung zur B 15 und an einer Ampel in Dorfen blieben beide stehen, hier soll es zu den unschönen Szenen gekommen sein, die der Angeklagte bestritt.

Danach marschierten der andere Autofahrer mit Ehefrau und Schwiegermutter auf und berichteten – weitgehend übereinstimmend –, dass es die Beleidigungen gegeben habe. Der Dorfener selbst habe sich nichts zu Schulden kommen lassen. Die Lebensgefährtin des Angeklagten stützte wiederum dessen Fassung.

Beide Parteien hatten Anzeige erstattet. Das Verfahren gegen den 41-Jährigen wurde bereits eingestellt – zur Verwunderung der Richterin. Denn wegen eines ähnlichen Vorfalls hatte der Mann wenige Monate zuvor schon einmal mit der Justiz zu tun.

Da nicht herauszufinden war, wer das Gericht belogen hatte, blieb Wawerla nichts anderes übrig, als das Verfahren wegen Aussage gegen Aussage einzustellen.  ham

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