Wer in das Flüchtlingsheim Lindum einzieht, ist nicht klar, berichtete Martina Obermaier (r.) vom städtischen Sozialamt. Foto: Weingartner

Asylbewerberunterkunft Lindum

Die Angst der Anwohner bleibt

Dorfen - 16 Einwohner hat Lindum. In dem Dorfener Ortsteil entsteht gerade die erste Flüchtlingsunterkunft im Landkreis unter der Trägerschaft der Regierung von Oberbayern. 110 Asylbewerber sollen dort untergebracht werden. Eine Informationsveranstaltung verlief für die Anwohner eher enttäuschend.

Von der Veranstaltung des Oberdorfener Pfarrgemeinderats und der Flüchtlingshilfe Dorfen hatten sich die Anwohner mehr Details erwartet. Im Pfarrheim versuchten der Vorsitzende der Flüchtlingshilfe, Adalbert Wirtz, und Stadtvertreter zu informieren, wie man die Flüchtlingseinrichtung in der ehemaligen Gaststätte Stiller unterstützen will. Die rund 30 Besucher bekamen aber kaum Neues oder Konkretes zu hören. Auf kritische Fragen wurde teilweise gereizt reagiert, Ängste so nicht ausgeräumt.

Josef Kronseder von der Flüchtlingshilfe berichtete von Erfahrungen in Dorfener Flüchtlingsheimen. Jetzt kämen mehr Frauen, Kinder und Jugendliche. Bei 110 Leuten müsse man auch mit Problemfällen rechnen. Für Flüchtlingskinder seien Schule und Kindergarten die beste Möglichkeit, sich einzuleben. Was erwachsene Asylberwerber angehe, so wollten alle arbeiten, „aber viele haben falsche Vorstellungen“, wie das hier am Arbeitsmarkt funktioniere. „Nicht zu wenige“ der Flüchtlinge seien Analphabeten. Da in Deutschland in fast allen Bereichen ein höheres Qualitätsniveau gefordert werde, als in den Heimatländern der Asylbewerber, sei das Wissen der Flüchtlinge „oft wertlos“ und die Anforderungen „für viele Erwachsene ein ziemlicher Schock“.

Martina Obermaier vom Sozialamt der Stadt berichtete, dass eine Bushaltestelle im Bereich Lindum genehmigt worden sei. Die Belegung der Unterkunft erfolge auf „zwei Chargen“. Wer komme, „kann man nicht sagen“. Die ersten Personen würden vor Ostern erwartet.

Fürs Putzen werden Flüchtlinge bezahlt

Adalbert Wirtz erklärte, was die Flüchtlingshilfe leisten könne und wie in den Heimen der Alltag abläuft. Das gehe im Allgemeinen gut. Die Leute putzten ihr Wohnheim selbst, wofür es eine Bezahlung von einem Euro pro Stunde gebe. In Lindum werde man mit mehreren Leuten täglich vor Ort sein. Es seien Probleme zu erwarten, etwa bei der Essensausgabe der Tafel Dorfen oder im Sozialen Kleiderladen Dorfen. Da dürfe keine Konkurrenz für heimische, sozial Schwache entstehen. Wirtz zeigte sich sicher, dass man für alle Probleme eine Lösung finden werde. Gut wäre es, wenn sich Leute aus Lindum vor Ort mit einbringen würden.

Die Heimatzeitung fragte bei Behördensprecherin Gabriela Große-Holthaus von der Regierung von Oberbayern nach Einzelheiten nach. Aufgrund von zwei Bauabschnitten sei „eine sukzessive Belegung in den nächsten Wochen geplant“. Die Regierung betreibe die Unterkunft selbst und „wird dafür einen privaten Dienstleister vor Ort einsetzen“. Dass angeblich nur Familien kommen, bestätigte die Pressesprecherin nicht. Derzeit sei „nicht abschätzbar, welcher Personenkreis konkret in die Unterkunft einziehen wird“.

Kein zusätzlicher Sicherheitsdienst

Zu Lehren oder Konsequenzen nach dem Tötungsdelikt in einer Dorfener Flüchtlingsunterkunft sagte Große-Holthaus, dass bei der Belegung der Heime „regelmäßig die unterschiedlichen Ethnien, Religionen und Nationalitäten beachtet“ würden. Das Sicherheitskonzept des Bayerischen Staatsministeriums für Arbeit und Soziales, Familie und Integration werde „durchgehend eingehalten“. Zudem stehe das vor Ort eingesetzte Personal und die Asylsozialbetreuung als erster Ansprechpartner zur Verfügung. Der Forderung von Lindumern nach externen Sicherungen, werde nicht nachgekommen. Eine zusätzliche externe Sicherung „ist nicht vorgesehen“.

Auch Hilfe von der Regierung für ehrenamtliche Sozialdienste werde es nicht geben, so die Pressesprecherin. Es gelte das Geldleistungsprinzip. „Geld erhalten die Asylbewerber vom Landratsamt Erding, die sich im übrigen selbst versorgen.“. In Sachen Mobilität und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben werde den Bewohnern seitens des Landratsamtes ein monatlicher Barbetrag (359 Euro Taschengeld) zur Verfügung gestellt.

Hermann Weingartner

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