Das neue EEG bedeute das Aus für viele Biogasanlagen. Aus Protest drückten Gerhard und Irmgard Reger (v. l.) schon mal den Notaus-Knopf. Foto: Weingartner

Energiewirt Reger

Angst vor dem Not-Aus durch die Politik

Dorfen - Die Biogasanlage der Familie Reger in Kleinkatzbach gilt als Musterbetrieb. Flexibler Biogasstrom, Sonnenstrom und Fernwärme wird auf dem Hof von Irmgard und Gerhard Reger produziert. Im Vordergrund steht für die Landwirte nicht nur der wirtschaftliche Erfolg, sondern das Gelingen der Energiewende und der Klimaschutz.

„Wir stehen zu den erneuerbaren Energien und kämpfen für Planungssicherheit und Fortbestand der Anlagen insgesamt“, betont Gerhard Reger im Gespräch mit der Heimatzeitung bei der bundesweiten Aktion Warnminute „5 vor 12“ (siehe Seite1 ). Von ihrer Biogasanlage können die Regers „gut leben“. Noch, denn die geplante Änderung des Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) würde in einigen Jahren das Aus bedeuten, erklärt Reger.

Früher hatten die Landwirte einen Milchviehbetrieb. „Wir waren aber immer schon aufgeschlossen gegenüber erneuerbare Energien“, schildert Reger, „und wollten etwas für den Klimaschutz machen“. Als Anfang 2000 „die Preise für Milch und Fleisch im Keller waren“, hatten sie sich entschieden, die Milchviehhaltung aufzugeben und auf Energiewirt umzusteigen. Angefangen wurde damit 2002 mit der Beteiligung an einer Bürger-Photovoltaikanlage. 2004 ging die erste Biogasanlage in Betrieb. In all den Jahren ist die Biogasanlage immer wieder erweitert und verbessert worden. Rund 1,5 Millionen Euro stecken inzwischen in der Anlage, die derzeit 300 Kilowatt Dauerstrom leistet. Das bedeute auch Wertschöpfung vor Ort. Durch die Zulieferung von Biomasse verdienen mehrere Nebenerwerbslandwirte in der Nachbarschaft „gutes Geld“.

Die Anlage kann inzwischen hoch flexibel betrieben werden, unter anderem durch einen Gas-Speicher, was zur Netzsicherheit beitrage. Zur Flächenkonkurrenz unter Landwirten durch Biogasanlagen sagte Reger: „Man kann auch andere Sachen auf den Äckern machen, nicht nur Lebensmittel.“ Es sei „leider“ so, dass es zu Konkurrenz um landwirtschaftliche Flächen komme. Auch deshalb, weil Landwirte vielfach unzufrieden mit dem Einkommen bei den gesunkenen Erzeugerpreisen seien und sich mit Biogas ein anderes Standbein geschaffen hätten. Das baue man natürlich auch aus. Und sicher habe der Staat da manchmal verkehrte Förderungen gemacht. Flächen würden aber auch knapper, weil immer mehr verbaut werde und durch riesige Ausgleichflächen, wie für die Autobahn A 94, der Landwirtschaft verloren gingen.

„Der Energiegedanke ist in der Familie voll da“, betont Reger. Daher ist er 2006 auch in die Fernwärmeversorgung eingestiegen. In Hampersdorf werden inzwischen 50 Haushalte mit der Abwärme der Biogasanlage versorgt. Reger arbeitet dabei mit der Hampersdorfer Firma Kiefinger zusammen. Inzwischen betreibt er ein privates Wärmenetz von rund vier Kilometern Länge. Großes Interesse, Wärme zu liefern, hat der Landwirt auch an dem neuen Dorfener Baugebiet „An der Mühlleite“. Er will aber keine Konkurrenz zu den Stadtwerke Dorfen aufbauen. Mit dem Kommunalunternehmen würde er aber gerne zusammenarbeiten. Doch eine Anfrage blieb unbeantwortet.

Wenn nun das neue EEG so umgesetzt werde, ist in acht Jahren Schluss, sagte Reger, weil sich Anlage dann nicht mehr rentiere. Die Biogasanlagenbetreiber bräuchten sichere Verträge für ihre Einspeisevergütungen. Ohne Biogas werde die Energiewende abgewürgt. Reger meint es ernst mit der Energiewende: In der Familie fährt schon länger ein Elektroauto, inzwischen schon zwei.

Hermann Weingartner

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