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Andrea Hafner ist Leiterin des Gymnasium Dorfen. 

Am Gymnasium Dorfen

„Politisch gefärbt“? Schule sagt Podiumsdiskussion ab

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Am Gymnasium Dorfen ist eine für Donnerstag geplante politische Podiumsdiskussion von der Schulleitung verboten worden. Schüler sprechen von „mangelnder Courage“. Schulleiterin Andrea Hafner begründet die Absage mit der Gefahr einer „politisch gefärbten Veranstaltung“.

Dorfen – Eineinhalb Stunden sollten die Schüler der 11. und 12. Jahrgangsstufe Donnerstag mit Vertretern von politisch relevanten Jugendorganisationen diskutieren. Eingeladen dazu waren Junge Union (CSU), Jungsozialisten (SPD), Junge Liberale (FDP), Grüne Jugend (Bündnis 90/Die Grünen), linksjugend ’solid (Die Linke) und die Junge Alternative (AfD). Organisiert haben die Podiumsdiskussion Dominik Brosch, Vitus Hösl, Gina Pitter, Robin Beer und Christian Janssen aus der Q 12 gemeinsam mit zwei Lehrkräften der Fachschaft Sozialkunde. Zunächst schien auch alles problemlos zu laufen, schildert Hösl den Ablauf. Jede der eingeladenen Jugendorganisationen habe eine Zusage zur Teilnahme gegeben.

Doch Anfang Juni bekamen die Organisatoren eine E-Mail von Stefanie Krammer, der Landesvorsitzender der Jungsozialisten (Jusos). Sie teilte mit, dass die Junge Alternative (JA) „offenkundig rechte Hetze betreibt und menschenverachtende, nationalistische und rassistische Positionen vertritt“ und die JA daher „auf keinen Fall in einem geschützten Raum wie der Schule vor jungen Menschen sprechen sollte“. Krammer forderte die Ausladung der JA, da die AfD „nicht im bayerischen Landtag vertreten und somit keine parlamentarisch relevante Partei im Freistaat ist“.

Das Organisationsteam lehnte dies mit Verweis auf die hohen Umfragewerte für die AfD ab. Daraufhin sagte Krammer ihre Teilnahme an der Podiumsdiskussion ab. Stattdessen wollten die Jusos einen anderen Vertreter nach Dorfen schicken. Zwei Tage vor der Veranstaltung sagte der oberbayerische Juso-Vorsitzende Josef Parzinger dann die Teilnahme für seine Partei endgültig ab.

Am Mittwochnachmittag kam dann das unerwartete Aus für die gesamte Veranstaltung. Schulleiterin Andrea Hafner teilte den Organisatoren mit, dass die Diskussion nicht durchgeführt werden dürfe. Hafner bestätigte dies am Donnerstag auf Nachfrage der Heimatzeitung. Nähere Gründe dafür wollte sie aber nicht nennen, da es sich bei der geplanten Diskussion um eine schulinterne Veranstaltung gehandelt hätte. Es habe die Gefahr bestanden, dass die Diskussion keine reine Infoveranstaltung, sondern eine „politisch gefärbte“ geworden wäre. Als Schulleiterin habe sie da handeln müssen.

Absage „nicht zu rechtfertigen“

Hösl und seine Mitorganisatoren können diese Entscheidung nicht nachvollziehen. Die Absage sei „eine nicht zu rechtfertigende Handlung in Sachen der demokratischen Erziehung von Kindern und Jugendlichen“. Die Veranstaltung einer politischen Diskussion habe „höchste Priorität“, um auch junge Menschen für Politik zu begeistern. Hösl: „Wir bedauern es, dass die Schulleitung diese Entscheidung so getroffen hat und nicht die Courage besessen hat, besagten Konflikten offen zu begegnen und das Risiko für eine wirksame politische Erziehung von Kindern und Jugendlichen einzugehen.“

Deutliche Worte findet auch Lukas Köhler, Landesvorsitzender der Jungen Liberalen (JuLis) : „Die Jusos haben keinen Respekt vor dem Einsatz der Schüler, die diese Podiumsdiskussion veranstalten wollten. Sie sind zu feige, sich mit dem politischen Gegner auseinanderzusetzen.“ Die JuLis sind davon überzeugt, „die besseren Argumente wie rechte Hetzer zu haben und setzen uns gerade deswegen mit der Jungen Alternative auf ein Podium. Um gegen Meinungen zu kämpfen, muss man sie aktiv herausfordern.“ Köhler ist außerdem überzeugt: „Wer die Schülerinnen und Schüler vor undemokratischen Meinungen schützen will, widerlegt deren Argumente, anstatt sie einfach zu ignorieren.

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