1. Startseite
  2. Lokales
  3. Erding
  4. Dorfen

Angst vor Hundehassern: Internet-Gerüchte über Giftköder in Dorfen

Erstellt:

Kommentare

Ein gutes Team: Silke Fritz-Schaller verlässt sich auf Mischling Fenka, hier im Stadtpark Dorfen. Gefahr durch Zigarettenkippen An die Leine, wenn Kinder nahe sind
Ein gutes Team: Silke Fritz-Schaller verlässt sich auf Mischling Fenka, hier im Stadtpark Dorfen. Gefahr durch Zigarettenkippen An die Leine, wenn Kinder nahe sind © Heske

Viele Giftköder-Warnungen im Internet beunruhigen Hundehalter in Dorfen. Polizeichef Harald Kratzel: „Meistens nicht viel dahinter.“

Dorfen – Viele Hinweise, wenig Beweise: Derzeit grassieren wieder Warnungen vor Giftködern in Dorfen. Hundebesitzer sind verunsichert. Tatjana Gruber traut sich nicht mehr, ihren Terrier Lila von der Leine zu lassen, sie nimmt die vielen Warnungen im Netz sehr ernst: „Ich habe schon wieder gelesen, dass ein Hund eine Wurst gefressen hat, in der eine Rasierklinge steckte.“ Das Tier sei elendig verreckt, erzählt die Dorfenerin. „Hier in der Gegend irgendwo. Neulich erst“, ist sie überzeugt. Wo genau wisse sie freilich nicht, aber sie verweist auf viele „Hundehasser“ in der Region.

Im Netz werde viel behauptet, oft auch übertrieben und dadurch Angst geschürt, erklärt Harald Kratzel, Dienststellenleiter der Dorfener Polizei. „Wir gehen jedem Hinweis sofort nach, doch meistens steckt nicht viel dahinter.“ Auch sein Stellvertreter Hans Rumpfinger kann beruhigen: „Dass jemand vergiftete Köder auslegt, kommt Gott sei Dank sehr selten vor.“

Im Dezember sollen Fleischbällchen, möglicherweise mit Gift präpariert, an der Isen Richtung Oberdorfen gelegen haben, berichtete eine Hundebesitzerin. Aktuell wurde laut einem anderen Herrchen ein Giftköder auf einer Wiese in der Nähe der Birkenallee ausgelegt.

In den Sozialen Medien warnen sich Hundehalter gegenseitig vor vermeintlichen Hundehassern. Und zur Zeit, so schreiben sie, seien an etlichen Orten im Gemeindegebiet Dorfens vergiftete Leckerlis zu finden.

Manchmal würden die Tiere auch verdorbene Lebensmittel, beispielsweise von einem Komposthaufen aus fremden Gärten aufstöbern, oder etwa Schneckenkorn oder Unkrautvernichtungsmittel fressen, erklärt der Taufkirchener Tierarzt Christian Aigner. Das sei besonders im Frühjahr und Sommer der Fall. Der Veterinär berichtet von einem Hund, der immer wieder weggeworfene Zigarettenstummel gefressen habe und wegen einer Nikotinvergiftung in seiner Praxis landete. „Da steckt dann keine Absicht dahinter, sondern Fahrlässigkeit.“

Der Tierarzt plädiert deshalb an die Menschen, darauf zu achten, was sie wegwerfen. Schließlich seien nicht nur Bello & Co. gefährdet, sondern auch Katzen oder Vögel. Und nicht auszudenken, wenn sich ein Kind etwas Verdorbenes oder Vergiftetes in den Mund stecke.

Dennoch könne man tierfeindliche Aktionen nicht ganz ausschließen, weiß Hauptkommissar Rumpfinger, der sich noch an einen Fall im Frühjahr 2019 in Lengdorf erinnert: „Zwei englische Bulldoggen wurden bei einem Spaziergang vergiftet.“ Der Hundehalter fuhr sofort nach München in die Tierklinik, hier diagnostizierte der diensthabende Veterinär, dass die beiden Tiere Gift gefressen hatten. Damals wurde auch Anzeige gestellt. „Ein Tier zu vergiften ist eine Straftat und wird nach dem Tierschutzgesetz geahndet.“ Dem Täter drohe eine Geldstrafe, manchmal sogar Freiheitsentzug. „Jeder verdächtige Köder wird ins Landeskriminalamt nach München geschickt und dort analysiert.“

Im Internet behaupten immer wieder Menschen, sie hätten toxisches Futter ausgelegt, weiß auch Tierarzt Aigner. „Es ist aber ein enormer Schritt von der virtuellen Fantasie zur realen Tat.“ Aber es passiere ab und zu. Eine Spaziergängerin, die mit ihrem Hund in Berglern unterwegs war, hatte Mitte Dezember vergangenen Jahres auf dem Weg mehrere Wurststücke gefunden, die mit kurzen Nägeln präpariert waren. Ihr Vierbeiner blieb unverletzt.

Manche Menschen haben eine extrem große Abneigung gegen Hunde. „Da hat sich der Hass meistens über viele Jahre aufgestaut, bis jemand tatsächlich präparierte Wurst oder Fleischbällchen auslegt und Tiere quält“, meint Hundeverhaltenstherapeutin Regina Ditz aus Ottobrunn, die auch einige Hunde in Dorfen und Isen betreut. Mancher Hundehasser habe zudem traumatische Erlebnisse gehabt, oft schon in der Kindheit. Deshalb rät sie zu rücksichtsvollem Umgang. „Das Zamperl immer an die Leine nehmen, wenn Kinder in der Nähe sind. Viele haben Angst, wenn ein Kläffer bellend auf sie zurennt – man muss die Leute auch nicht provozieren.“

Der Hund sollte jedenfalls stets gut abrufbar sein. „Das muss man aber regelmäßig trainieren“, so Hundeexpertin Ditz. Werde der Vierbeiner mit besonderen Leckerli belohnt, fresse er meist auch nichts, was am Wegesrand liegt. Das sieht Silke Fritz-Schaller ähnlich. Auch sie liest regelmäßig die Warnungen vor Giftködern im Netz, kann sich aber auf ihren Mischling verlassen. „Ich habe eigentlich keine Angst, lasse meine Hündin auch weiterhin frei laufen.“

Die Dorfenerin setzt auf ein gutes Verhältnis zwischen Hundebesitzern und Spaziergängern: „Fenja folgt, wenn ich sie rufe“, sagt sie. „Außerdem ist es wichtig, die Haufen aufzusammeln – so minimiert man Frust und Ärger bei allen, die Hunde nicht mögen.“

MICHAELE HESKE

Auch interessant

Kommentare