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Es läuft gut: Seine Erfahrungen mit dem Umstieg auf Bio gibt Mathias Lohmeier (r.) gerne an Berufskollegen weiter.

Lohmeiers Umstieg zum Biobauern

„Die Arbeit ist nicht weniger, nur anders“

Existenzbedrohende Milchpreise und keine Möglichkeit, die Molkerei zu wechseln, haben den BDM-Kreisvorsitzenden Mathias Lohmeier dazu veranlasst, seinen konventionellen Milchviehbetrieb auf Bio umzustellen. Den Schritt hat er nicht bereut.

Taggrub – Mathias Lohmeier ist als Funktionär beim Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) dafür bekannt, für einen fairen Milchpreis zu kämpfen. In den letzten Jahren kämpfte er auch noch an privater Front, ob er seine konventionelle Landwirtschaft mit Milchviehhaltung aufgeben sollte. Jetzt ist er Milchbauer mit biologischer Landwirtschaft.

Dass Lohmeier überhaupt umgestellt hat, lag an der Molkereibindung. Er wollte die Molkerei wechseln: „Aber keine Chance.“ Einzige Möglichkeit sei der Umstieg auf Bio gewesen. Als konventioneller Landwirt die Molkerei zu wechseln, „ist unmöglich“. Und weil die Anbindehaltung der Kühe im Stall bei den Verbrauchern auch „immer mehr in Verruf kommt“, habe er sich zur Bio-Umstellung entschlossen und Mitte Juli 2016 zum Bauen angefangen.

Wenn der Stallumbau fertig ist und das Zelt für seine große Geburtstagsfeier steht, hatte es sich Lohmeier vergangenes Jahr schon vorgenommen, interessierte Berufskollegen zum „Hoftag“ einzuladen. Jetzt war es soweit: Einen ganzen Nachmittag kamen interessierte Landwirte nach Taggrub, um sich umzuschauen und zu informieren, wie es bei Lohmeier mit der Bio-Umstellung läuft.

Nebenbei gab es noch Geburtstagsgratulationen für Jubilar Lohmeier, der laut eines Hinweisschilds mit seinen 50 Jahren ein „alter Sack“ wurde. „Ja mei“, sagte der Taggruber Landwirt lachend dazu. Über seine Erfahrungen mit dem Umstieg berichtete er bei den Hofrundgängen mit seinen Kollegen und schilderte der Heimatzeitung, wie es bisher gelaufen ist.

Für Lohmeier habe sich statt der Grünfütterung eine Weidehaltung mit Freilaufstall angeboten, denn um seinen Hof hat der Bauer große Weideflächen. „Das habe ich durchgezogen“, erzählte er. Es sei „sehr angenehm zum Zuschauen“, wenn die Kühe jetzt auf der Weide friedlich grasen. „Des is schee“, bekomme er immer wieder zu hören. Aber ob es die Bürger auch noch schön finden, wenn sie mal in der Früh mit dem Auto fünf Minuten warten müssen, wenn die Kühe über die Straße laufen, da hat Lohmeier so seine Zweifel.

Zum Thema Umbau schilderte der BDM-Mann, er habe den alten Stall zum reinen Fressbereich umgebaut und daneben eine offene Liegehalle neu gebaut. Jetzt stehen statt 86 insgesamt 99 Kühe im Stall. „Das ist wegen der Größe so ausgegangen.“ Seinen Bestand gleich „spiegeln“ (verdoppeln), wie es bei Neubauten oft der Fall sei, wolle er nicht.

Im Stall sieht man auch kein Hightech, sondern nur einen einfachen Melkstand. „Ich bin kein Technikfreak und habe so wenig Technik eingesetzt wie möglich. Das kostet alles nur Geld“, sagte er. So sei er mit 4500 Euro pro Platz ausgekommen. Und jedes Tier hat jetzt zwölf Quadratmeter Fläche statt der vorgeschriebenen neun. „Da bin ich im Luxusbereich, aber das hat sich so ergeben.“ Seine Kühe haben auch noch Hörner. „I mog des Brenna ned“, betonte Lohmeier. Auf dieser großen Fläche gehe das schon.

Bereut habe er den Schritt nicht, erklärte Lohmeier seinen Gästen. „Die Arbeit ist nicht weniger, nur anders.“ Gut laufe die Weidehaltung. Mit dem Laufstall habe er sich „schee langsam zammg’wohnt“, und auch die Kühe hätten sich eingewöhnt. Den sehr kalten Winter „haben die alten Kühe leider nicht verkraftet und mussten alle weg“, bedauerte Lohmeier. „Das war schon hart für mich zum Anschauen.“ Aber jetzt spiele sich schön langsam alles ein.

Lohmeier wolle keinem raten, umzusteigen. Das müsse jeder selbst entscheiden. Er habe den Umstieg aber „überhaupt nicht bereut“. Seine Milch liefert er nun an die Andechser Molkerei Scheitz GmbH. Die zahle einen Grundpreis von 48,75 Cent (Stand Juli), bei 4,0 Prozent Fett und 3,4 Prozent Eiweißgehalt je Liter. Dann gebe es noch verschiedene Zuschläge, etwa für Weidehaltung. „Bio ist eine Nische und wird es immer bleiben“, ist Lohmeier überzeugt. Denn sonst könnte man sich ja nicht mehr abheben.

Hermann Weingartner

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