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Die lila Streifen markieren Gebiete, die als atomares Endlager in Frage kommen. Betroffen sind die Gemeinden Dorfen, Lengdorf und Bockhorn sowie ganz am Rande Walpertskirchen.

Karte der Bundesgesellschaft listet geeignete Schichten im Erdboden in vier Gemeinden auf

Atomares Endlager im Landkreis Erding möglich

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Die Nachricht schlägt im Landkreis Erding ein wie eine Bombe: Die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) hält hier mehrere Bereiche aufgrund der Bodenbeschaffenheit grundsätzlich für geeignet, ein atomares Endlager aufzunehmen.

Erding – Auf der am Montag veröffentlichten Karte ziehen sich entsprechend markierte Streifen von Ost nach West durch das Kreisgebiet.

Sie durchschneiden die Gemeinden Dorfen, Lengdorf, Bockhorn und am Rande Walpertskirchen. Die Grenze zur Stadt Erding wird gerade nicht mehr erreicht. Im Untergrund befindet sich tertiäres Tongesteins, das als sehr undurchdringlich gilt.

Die betroffenen Bürgermeister wurden von dieser Einschätzung kalt erwischt. Es gab wohl keinerlei Vorwarnung und Vorabinformation. Die Lengdorfer Bürgermeisterin Michèle Forstmaier sagte: „Das ist das Erste, was ich höre. Und es ist natürlich keine gute Nachricht.“ Forstmaier ist der Auffassung, „dass der kleine Ort Lengdorf mit der neuen Autobahn genug belastet ist“. Sie erwartet jetzt konkretere Aussagen.

Auch ihr Bockhorner Kollege Lorenz Angermaier erfuhr erst durch einen Anruf unserer Zeitung von der Einstufung. „Da schreien wir natürlich nicht hier.“ Allerdings glaubt er nach einem Blick auf die Karte nicht, dass es das Erdinger Land treffen werde. „Es sind ja doch nur sehr kleine, nicht zusammenhängende Bereiche, die theoretisch in Frage kommen“, so Angermaier. Mit Blick auf großflächige Gebiete in der Mitte und im Norden der Republik hofft der Rathauschef, dass Bockhorn und dem Landkreis „das erspart bleibt“.

„Von dieser Nachricht fühle ich mich glatt überfahren“, sagt Dorfens Rathauschef Heinz Grundner – und kündigt Widerstand für den Fall an, „dass sich das bei uns konkretisieren sollte“. Mit Blick auf A 94, B 15neu und Bahnausbau, die alle Dorfener betreffen, stellt Grundner klar: „Wir sind nicht die Resterampe für alles, was andere nicht haben wollen.“ Seine Stadt sei „bereits heute be-, wenn nicht überlastet.“

Die BGE erklärt selbst, dass man erst am Anfang des Auswahlverfahrens stehe. Der am Montag veröffentlichte Zwischenbericht mit der ersten Karte zeige nur auf, welche Gebiete bei der Endlagersuche näher untersucht werden können. Insgesamt gibt es in Deutschland 90 solcher Teilgebiete. Das den Landkreis betreffende ist mit das am stärksten zergliederte. Die BGE erklärt, die Daten stammten aus dem Bergbau, der Öl- und Gasförderung sowie von Geothermiebohrungen. ham

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