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Nach dem „Finale dahoam“ geht’s anders weiter für die ProstMahlzeit-Festwirte Ernst Hennel, Ilse Klotz (vorne) und (hinten, v. l.) Peter Klotz und Robert Eicher.

Heikle Volksfestausschreibung

Auch das Bier könnte von auswärts kommen

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Droht Dorfen ein neuer Bierkrieg? Die Frage drängt sich durchaus auf. Denn es könnte gut sein, dass die Volksseele hochkocht, wenn beim Dorfener Volksfest kein Bier heimischer Brauereien mehr ausgeschenkt wird. Was wie ein Aprilscherz anmutet, ist durchaus ein Szenario, das Wirklichkeit werden kann.

Dorfen – Zwei Tage noch dauert das „Finale dahoam“ der Festwirte der ProstMahlzeit GbR beim Dorfener Volksfest. Dann geht eine kleine Ära zu Ende – 15 Jahre lang haben Robert Eicher, Ernst Hennel sowie Ilse und Peter Klotz das Volksfest bewirtet. Länger war zuvor mit 33 Jahren nur Irmi Springer Festwirtin. Für die ProstMahlzeitler heißt es jetzt aber: fertig, aus, vorbei. Denn für 2020 haben die vier Gastronomen den Zuschlag nicht mehr erhalten, sie wurden vom Landshuter Zollhaus-Gastronomen und Dult-Festwirt Patrick Schmidt überboten (die Heimatzeitung berichtete).

Grundner räumt Probleme ein

Schmidt hat auf die derzeit aktuelle Ausschreibung geboten, wonach das beim Volksfest ausgeschenkte Festbier von Dorfener Brauereien hergestellt und abgefüllt werden muss. Doch dieser Passus ist so, wie diverse andere in der Ausschreibung auch, offenbar juristisch heikel und damit rechtlich anfechtbar. „Theoretisch wäre es möglich, dass es aufgrund von Rechtsstreitigkeiten kein Dorfener Bier mehr beim Volksfest gibt“, räumt Bürgermeister Heinz Grundner auf Nachfrage der Heimatzeitung ein. Die ganz Aufregung, die mit der Volksfestvergabe an den Landshuter Wirt entstanden ist, scheint den Bürgermeister zu nerven. Immer wieder werde er darauf angesprochen, teilweise auch recht rüde, räumt Grundner ein. Dabei habe doch die Stadt die ProstMahlzeit GbR gar nicht aus dem Geschäft gedrängt. Es liege halt in der Natur einer Ausschreibung, dass der mit dem höchsten Gebot gewinnt, sagt Grundner.

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Dass diesmal nicht nur Dorfener Wirte angeschrieben wurde, sondern die Ausschreibung über Amtsblatt und Internet offen für alle war, sei der Rechtslage geschuldet. Ohne offene Ausschreibung wäre die Vergabe anfechtbar gewesen. Das wollte die Stadt nicht riskieren, so der Bürgermeister.

Wieviel Geld die Stadt will

Grundner räumt ein, das mittlerweile „viele Fragen aufgetaucht sind“. Daher werde die Verwaltung die Formulierungen prüfen und darauf achten, dass bei künftigen Ausschreibungen „alles sattelfest, niet- und nagelfest ist“. Dass die langjährigen ProstMahlzeit-Festwirte für 2020 nicht zum Zug gekommen sind, bedauert er. Allerdings sei es auch schon früher üblich gewesen, dass sich Festwirte gegenseitig überboten hätten. Grundner erinnert hier daran, das etwa Georg Mayer, der Wirt aus Eibach, in den 70er- und 80er-Jahren mehrmals gegen die Rekord-Festwirtin Irmi Springer erfolgreich gewesen sei. Im übrigen verweist der der Bürgermeister auch darauf, dass alleine schon der Passus, dass die Stadt bei einer Angebotssumme unter 70 000 die Ausschreibung aufheben und dann überörtlich neu ausschreiben könne, „klar zeigt, welche Summe sich die Stadt grundsätzlich beim Fest vorstellt“.

Wird Volksfest ein Kommunalbetrieb?

Eine Möglichkeit, die Volksfestausschreibung künftig überflüssig zu machen, wäre die Gründung eines eigenen Kommunalbetriebes Volksfest. Veranstalter wäre dann nicht mehr die Stadt, sondern eben die Volksfest GmbH. „Dann wären die derzeitigen Probleme gar nicht vorhanden“, so Grundner. Der Stadtchef schränkt aber gleich ein: „Allerdings wäre das auch ein riesiger Verwaltungsaufwand.“ So ein Tochterunternehmen, vergleichbar etwa mit der Stadtwerke Dorfen GmbH, bräuchte unter anderem einen Geschäftsführer und einen Aufsichtsrat. Ob das wegen des Volksfestes gerechtfertigt wäre, das bezweifelt Grundner schwer. Wie es letztlich weitergeht, müsse ohnehin der Stadtrat entscheiden.

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Die ProstMahlzeit-Festwirte indes sind mit dem Verlauf „ihres“ letzten Volksfestes hochzufrieden. Das Motto „Finale dahoam“ sei buchstäblich zum Programm geworden, so Peter Klotz. Der Besuch sei fast täglich „sehr gut“, der Zuspruch der Dorfener groß. Nicht wenige würden auch deshalb kommen, um sie als Wirte zu verabschieden. Dass sie für 2020 nicht mehr den Zuschlag für das Volksfest bekommen haben, nehmen die vier Festwirte gelassen. „Wir bringen das hier sauber zu Ende“, so Klotz, der dann vieldeutig nachschiebt: „Für uns haben sich mittlerweile Alternativen aufgetan. Es gibt ja nicht nur das Dorfener Volksfest.“ 

Siehe auch Kommentar.

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