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Zulassung als telc-Prüfzentrum: Darüber freuen sich (v. l.) Vorsitzende Marianne Ehrler, Andrea Widl, Annkatrin Wollersheim und 2. Vorsitzende Yvonne Daller.

Dorfener Zentrum für Integration und Familie

Auf der Suche nach einer neuen Chefin

Dorfen - Das Dorfener Zentrum für Integration und Familie (DZIF) ist nun ein internationales Sprachinstitut. Die Sozialeinrichtung der Stadt ist ein telc-Prüfzentrum. Außerdem ist der Verein auf der Suche nach einer neuen Vorsitzenden.

Vor 20 Jahren startete in Dorfen das „Frauenfrühstück“, bekannt als Dienstags-Treff im evangelischen Gemeindezentrum. Der Treff mündete im November 2000 zunächst in den Verein „Frauen für Frauen“, die Geburtsstunde des ein Jahr später gegründeten Sozialvereins DZIF mit der Gründungsvorsitzenden Marianne Ehrler. Die 73-Jährige hat jetzt bei einem Pressegespräch angekündigt, dass sie „definitiv“ aufhören und sich aus dem operativen Geschäft des DZIF zurückziehen werde. Im März 2017 bei der Mitgliederversammlung stehe sie nicht mehr als Vorsitzende zur Verfügung.

Ein Nachfolger wird im März bei den Vorstandswahlen gesucht, sei derzeit aber noch nicht gefunden, erklärte Annkatrin Wollersheim. Mit einer neuen Vereinsstruktur soll der Vorstand entlastet werden. Der Aufgabenbereich wird künftig in drei Abteilungen gegliedert mit drei Abteilungsleitern. Damit soll die Arbeit „oben weniger werden und mehr nach unten gestreut“. Ehrler arbeite derzeit bis zu 50 Stunden die Woche. Ein eigener Bereich werden jeweils die Integrationskurse für Migranten, die Hausaufgabenbetreuung, Nachhilfe und Deutschförderung für Kinder sowie die Deutschkurse für Flüchtlinge.

Das DZIF arbeitet seit Jahren schon mit dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) zusammen und hat inzwischen die Zulassung als Kursträger und die Erlaubnis, Integrationskurse durchzuführen mit der Ausstellung der Zertifikate A 1, A 2, B 1, B 2. Als eine Art Sprachschule ist die Einrichtung längst weit über Dorfen hinaus bekannt und anerkannt. Jetzt hat das DZIF eine neue „hohe Hürde“ genommen, berichtete Wollersheim. Nach umfangreichen Prüfungen der gesamten Einrichtung von der Ausstattung, Verwaltung bis zu den Qualifikationen der Lehrer und Unterrichtsgestaltung ist das DZIF zum Sprachinstitut aufgestiegen, das die Anerkennung als telc-Prüfzentrum hat.

Damit ist das DZIF sozusagen eine europaweit anerkannte Einrichtung für Europäische Sprachenzertifikate: „telc“ steht für „The European Language Certificates“. Diese Sprachprüfungen nach internationalen Standards bescheinigen den Kursteilnehmern ein bestimmtes Sprachniveau. Für Migranten, die sich in Deutschland niederlassen und hier qualifizierte Arbeit wollen, ist das telc-Zertifikat sehr wichtig, sagte Wollersheim. Es ist wichtig etwa für ein Visum, den Erwerb des Führerscheins oder bei Bewerbungen. Bei bestimmten Berufen, wie im ärztlichen oder pflegerischen Bereich, ist das Zertifikat sogar wesentlich, wo man B 2-Niveau erreichen sollte. Das entspricht etwa der Sprachkenntnis, die ein durchschnittlicher Abiturient beherrscht.

Rund 140 Teilnehmer, Migranten, Asylbewerber mit Bleibeperspektive und anerkannte Flüchtlinge haben heuer im DZIF acht Integrationskurse mit bis zu 20 Teilnehmern besucht. Rund 600 Deutschstunden führen zum B 1-Prüfungsniveau. Das schafften 75 Prozent der Teilnehmer, im Gegensatz zum Bundesdurchschnitt von 57 Prozent. Vier Deutschkurse auf niedrigerem Niveau gab es für nicht anerkannte Flüchtlinge. Insgesamt kamen die Teilnehmer aus 30 Nationen weltweit, von Polen über Madagaskar bis Brasilien. Die meisten kamen aus Syrien (37). Als Besonderheit bietet das DZIF für die Kursteilnehmer auch Kinderbetreuung während des Unterrichts an.

Die Finanzierung der Einrichtung mit den vielfältigen Angeboten sei trotz Zuschüssen etwa von der Stadt und Kostenerstattung durch des BAMF, „schwierig“, sagte Ehrler. Dazu mache die immer umfangreichere Bürokratie arg zu schaffen. Wünschenswert wäre weitere finanzielle Unterstützung und noch mehr Einbindung der örtlichen Wirtschaft, vor allem mit Praktikumsplätzen für die Kursabsolventen.

Hermann Weingartner

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