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Strukturen mutig und kreativ überdenken: Das war eine der vielen Anregungen, die Judith Müller, Gemeindeberaterin im Erzbischöflichen Ordinariat München, den Mitgliedern des Dekanatsrates Dorfen gab.

Dekanatsrat

Aufbruch in eine Kirche von heute

Dass die Kirche vor einem Wandel steht, ist nicht mehr zu übersehen. Zunehmende Nachwuchsprobleme bei den Pfarrern, sinkenden Einnahmen und nicht zuletzt die wachsende Entfremdung von den Erfahrungen der Menschen von heute zwingt auch die Kirche, einen Wandel einzuläuten.

VON HENRY DINGER

Dorfen– „Wie geht es weiter mit der Kirche vor Ort? Was heißt es, Kirche vor Ort zu sein, in der Welt von heute? Sind wir an den Menschen noch dran? Wenn es diese Fragen nicht gäbe, bräuchte es auch kein Konzept.“ Mit diesen Überlegungen leitete Dr. Judith Müller, Gemeindeberaterin im Erzbischöflichen Ordinariat München, ihr Referat zum Thema „Pastoralkonzept – Pfarrei in der Zukunft“ ein.

Der Dekanatsrat Dorfen hatte die Fachfrau zu seiner Frühjahrsvollversammlung eingeladen, um mehr über dieses Thema zu erfahren. Dass auch nicht jeder der Pfarrgemeinderäte den Begriff „Pastoralkonzept“ genauer beschreiben konnte, zeigte eine kurze Umfrage. Die Grundidee sei, so Müller, das Vorgehen und die Methoden der eigenen Gemeinde zu hinterfragen und zu analysieren. Es gehe darum, das Motto „Das haben wir immer so gemacht“ aufzugeben und Ziele, Strukturen, Stil sowie Evangelisierungsmethoden der eigenen Gemeinde wagemutig und kreativ zu überdenken. „Es kann sein, dass 80 Prozent passen“, so die Beraterin, „aber manches gehört vielleicht abgestaubt, manches ganz weggestellt. Und vielleicht kann auch etwas Neues dazu kommen“.

Ein Sieben-Etappen-Plan soll dabei helfen, das Konzept zu erstellen. „Jeder hat eine andere Vorstellung, wozu Kirche gut ist. Welche Bibelstelle könnte der Leitgedanke sein, was Kirche vor Ort bedeutet? Sich darüber auszutauschen, geschieht in der ersten Etappe“, so Müller. Schritt zwei sei der Aufbruch, da werde auch entschieden, wer auf welche Weise mit einbezogen wird. In Schritt drei müsse man sich aktiv umschauen und die soziale Struktur ermitteln. „Wer lebt hier? Wie viele junge Leute gibt es wirklich, wie viele Familien, wie viele alte Menschen?“ Wichtig sei es vor allem zu ermitteln, ob es dabei neue Erkenntnisse gibt – etwa, ob die jungen Leute bislang zu wenig Beachtung fanden. In Etappe vier wird dann festgestellt, was man zur Verfügung hat, das sind ebenso Gebäude wie Personen mit besonderen Befähigungen. In der fünften Etappe wird das Grundanliegen der Gemeinde festgelegt, für wen man besonders da sein will, was besonders sein soll. In Etappe sechs steht das Handeln im Vordergrund, auch experimentieren, um schließlich in Etappe sieben das Pastoralkonzept schriftlich fixieren zu können.

Beim Gedankenaustausch ging es um praktische Fragen, wie das Konzept umzusetzen sei. Teilweise, so äußerten sich Gäste, gäbe es schon ein Umdenken in den Pfarreien, auch werde schon Neues umgesetzt. Bedenken gab es vor allem hinsichtlich des Arbeitsaufwandes, bei dem vor allem Ehrenamtliche dann auch noch eine „Menge Papierkram“ zu erledigen hätten. „Es geht nicht um ein beeindruckendes Hochglanzpapier-Konzept“, so Müller, „sondern darum zu zeigen, dass man sich Gedanken gemacht hat“. „Nehmt den heutigen Abend als Anregung, im Pfarrgemeinderat zu diskutieren, was ihr machen könnt“, gab Irmgard Schoder, Vorsitzende des Dekanatsrates, den Anwesenden mit auf den Weg.

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