Rathaus-Neubau in Dorfen

Ausgrabungen abgeschlossen

Wochenlang haben Archäologen in der Stadt Dorfen auf dem Grundstück des abgerissenen Rathauses nach Siedlungsspuren gegraben. Die archäologischen Untersuchungen sind abgeschlossen, jetzt geht’s richtig los mit dem Rathaus-Neubau.

Dorfen – Das alte Dorfener Rathaus musste einem Neubau weichen. Aber bevor die Bagger für den Aushub der Bodenplatte anrücken durften, kam erst Archäologin Ramona Baumgartner aus Zorneding Sie und ihr Team von der Firma „Baumgartner Archäologie – Archäologische Baubegleitung“ untersuchten mit Spaten, Spachteln und Pinseln den Untergrund und dokumentierten alles akribisch Zentimeter für Zentimeter. Eine erste Bilanz der Untersuchungen liegt nun vor, berichtet Baumgartner auf Nachfrage.

In einer mittelalterlich geprägten Stadt wie Dorfen sei stets mit Bodenfunden archäologischer Fragmente zu rechnen. Dennoch zeichne sich die Fundstelle unter dem Rathaus „durch außergewöhnliche Erhaltungsbedingungen und ihre Geschlossenheit“ aus. Die Fundschichten seien „nur in ganz wenigen Bereichen modern gestört“. Baumgartner erklärt, die wissenschaftliche Auswertung sei „noch nicht vollständig abgeschlossen“. Eine erste Bilanz falle aber „äußerst positiv aus“. Es sei gelungen, die Bebauungsgeschichte des Platzes von der allerersten Besiedlung im späten Mittelalter bis zum heutigen Tage nachzuweisen.

Es habe sich gezeigt, dass selbst nach dem Abriss des alten Rathauses und des Nachbargebäudes die ehemaligen Grundrisse im Boden weiterhin erkennbar waren. Auch in den erst spät im 20. Jahrhundert bebauten hinteren Flächen konnten wichtige Erkenntnisse zur Bebauungsstruktur gewonnen werden. Daneben spiele „die hervorragende Erhaltung organischer Substanzen eine bedeutende Rolle in der Beurteilung der Fundstelle“. Der stets feuchte Untergrund habe die hölzernen Pfahlgründungen der mittelalterlichen Bebauung vorzüglich konserviert.

Besondere Bedeutung zum Verständnis der Stadtgeschichte hätten die Erkenntnisse zur Besiedlung und wirtschaftlichen Nutzung eines so zentralen Ortes innerhalb der Stadtmauern, wie die Grabungsstelle zeige. Der Rathausbau hatte zwar alle Besiedlungsspuren aus der frühen Neuzeit gelöscht, Relikte dieser Zeit hätten sich aber unter dem ebenfalls abgerissenen Nachbargebäude (Kamperhaus) erhalten, vor allem Backsteinfundamente und Lehmstampfböden des Hausinneren. Die Art der Bodenbeläge zeigten Raumstrukturen und Nutzungen. In den Abfällen dieses Hauses aus dem späten 17. Jahrhundert habe man nicht nur Speiseabfälle wie Tierknochen, sondern auch zerbrochenes Geschirr gefunden. Damit wisse man jetzt, dass nur wenig Fleisch auf den Tisch kam. Jedoch verfügten die Hausherren über Finanzmittel, um sich eine qualitätsvolle, glasierte Irdenware (Keramik) zu kaufen. Besonders sei eine Ware mit einer dunkelbraunen Glasur mit weißen Tupfen zu nennen.

Die ältesten Befunde stammen aus dem Spätmittelalter, beschreibt Baumgartner. Im 14. oder 15. Jahrhundert wurden auf der untersuchten Fläche drei Wohn- und Wirtschaftshäuser errichtet, deren Hausgrundrisse sich nachweisen ließen. Die Gebäude fielen einem Brand zum Opfer. Interessanterweise wurden die Parzelleneinteilungen der mittelalterlichen Gründungsphase bis in die Neuzeit beibehalten und erst jetzt aufgegeben. Die Häuser der Gründungsphase verfügten über einen Wirtschaftsteil zum heutigen Rathausplatz hin mit jeweils mindestens einem Brennofen zur Metallverarbeitung; hinten waren Wohnräume. Hergestellt wurden Produkte aus Eisen und Buntmetall. Bemerkenswert ist der Nachweis eines stehenden Webstuhls in einem abgetrennten Raum im Haus. Die weiteren Funde bestehen in erster Linie aus Keramikbruchstücken von Ess- und Kochgeschirr. Zu den Funden gehörten auch eine fein gearbeitete Gürtelschnalle und mehrere Eisenmesser.

Jetzt beginne die Aufarbeitung, erklärt die Archäologin. Schon jetzt stehe fest, dass das Spektrum der keramischen Funde eine große Bandbreite aufweise. Dies zeige, dass man sich in einem städtisch geprägten Umfeld befinde, deren Bewohner sich Dinge des täglichen Bedarfs kauften und diese nicht mehr in Heimarbeit herstellten. Die Metallhandwerker verfügten also über ein gewisses pekuniäres Vermögen aus dem Handel. Die Funde und Befunde unterstreichen hier die historisch überlieferte Bedeutung des Marktes Dorfen. Die endgültigen Ergebnisse sollen später in einer kleinen Ausstellung gezeigt werden.

Hermann Weingartner

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