Naturgewalt: Eine Schlammflut hat auf der A94-Baustelle den Schutzwall überspült. Jetzt wird nachgebessert. F.: prä

Schlammfluten in Lappach

Autobahnbauer versprechen Verbesserungen

Zweimal in nur einer Woche wurden Anwesen im Dorfener Ortsteil Lappach nach heftigen Regenschauern von Schlammfluten aus dem Bereich auf und entlang der A 94 geflutet. Vertreter der A 94-Autobahnbauer haben erneut wirksame Verbesserungen beim Hochwasserschutz versprochen.

Dorfen – Zu den beiden Fluten (wir berichteten) nahmen Oliver Lauw (kaufmännischer Geschäftsführer A 94 Isentalautobahn GmbH & Co. KG) und Nikolaus Arndt (Technischer Projektleiter ARGE Isental-Autobahn) gestern auf Nachfrage der Heimatzeitung im A 94-Infocenter bei Dorfen Stellung.

Anwohner bestätigten das Bemühen der Autobahnbauer um Schadensbegrenzung. Die A 94-Projektleitung war nämlich gestern zusammen mit einem Vertreter der Autobahndirektion Südbayern vor Ort, um mit den Lappachern zu sprechen, Schäden zu besichtigen und Ursachen aufzunehmen.

Nach der ersten Schlammflut am Samstag vor einer Woche habe man „ad hoc Maßnahmen“ getroffen, um erneute Überflutungen aus dem Bereich der A 94-Baustelle östlich der Lappachtal-Brücke zu verhindern, erklärte Arndt. Die waren nicht ausreichend, denn am vergangenen Samstag war es nach einem heftigen Unwetter mit rund einstündigem Starkregen erneut zu einer Schlammflut im Ortsteil Lappach, unterhalb der A 94-Trasse, mit Gebäudeschäden gekommen.

Arndt betonte, das Schadensbild vor Ort zeige, dass die Wasserschlammfluten nicht alleine aus dem Bereich der A 94-Baustelle gekommen seien, sondern auch aus zwei angrenzenden Flächen. Er räumte auch ein, dass der errichtete Damm auf der A 94 überflutet war und Abflussschächte verschlammten. Und ein Rückhaltebecken vor Lappach sei zu klein. Jetzt werde der Damm verstärkt und verlängert, die Schächte seien freigelegt und gereinigt, der Bewuchs im A 94-Baustellenbereich entfernt worden. Das Rückhaltebecken soll einen ausreichenden Abfluss in einen Acker bekommen. Dazu würden Gespräche mit dem Grundeigner und dem Wasserwirtschaftsamt geführt.

Lauw sagte, er habe erst Montag von dem Ereignis Kenntnis bekommen und habe dann direkt in Lappach die Schäden begutachtet, die der Versicherung gemeldet worden seien. Ein Gutachter sei vor Ort.

Dorfens Bürgermeister Heinz Grundner hatte bereits vergangene Woche beim Besuch von Umweltministerin Ulrike Scharf im A 94-Infocenter auf die Hochwassergefahr durch die A 94 aufmerksam gemacht und Verbesserungen gefordert. Es dürfe zu keiner Gefährdung von Anwohnern durch die A 94 kommen, mahnte er. Scharf hatte auf Nachfrage der Heimatzeitung erklärt, aufgrund der sich wohl ändernden Wetterlagen in Bayern, mit heftigsten Regenschauern, müsse man gegebenenfalls auch die Funktionssicherheit der Hochwasserrückhaltebecken für die A 94 prüfen „und nachbessern“.

Dorfens Umweltreferent Gerald Forstmaier (GAL) machte gestern in einer Presseerklärung die A 94-Baustelle „verantwortlich für die Überflutung“. Für die betroffenen Bürger „ist dies schlimm genug“. Bauhof, Feuerwehr und Anwohner hätten Schlimmeres verhindert.

Die Schlammspuren vor Ort zeigten als Ursache „die Rohplanierarbeiten der A 94“, die Forstmaier vor Ort gesehen habe. „Besonders brisant“ sei, dass der Bachlauf der Lappach ein strenges europäisches FFH-Schutzgebiet ist.

Die Lappach sei auch wegen deren empfindlicher Gewässerfauna unter Schutz gestellt worden. In dem kleinen Flüsschen leben geschützte und deutschlandweit vom Aussterben bedrohte Bachmuscheln, die gegen jegliche Sedimentfracht ins Gewässer extrem empfindlich seien. Beim Prozess der A 94-Gegner gegen eine Isental-Autobahn sei dargelegt worden, wie der Eintrag von Schlamm definitiv verhindert werden könne. Nun seien am Samstag „hunderttausende Liter Wasser mit Schlamm und Sand in die Lappach geflossen. Das Wochenende davor auch“. Forstmaier fordert die verantwortlichen Richter auf, sich „die Unterschiede zwischen Theorie und Praxis vor Ort“ anzuschauen.

Hermann Weingartner

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