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Eine Blechlawine schiebt sich durch Dorfen. Die Verkehrsbelastung auf der B 15 ist enorm. 

SPD gespalten

B 15-Verkehrschaos: Realität oder Einbildung?

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Es ist ein Thema, dem die Parteien in Dorfen am liebsten ausweichen. Über eine B 15-Ortsumfahrung wird nur ungern gesprochen. Es ist die Angst, von den Wählern abgestraft zu werden, wenn man sich für einen Bau einer Ortsumfahrung stark macht.

Dorfen – Die Dorfener SPD ist in dieser Frage gespalten. Vorstandsmitglied Ernst Giller sieht auf die Stadt ohne Umfahrung einen Verkehrskollaps zukommen. Stadtrat Heiner Müller-Ermann dagegen sieht die hohe Belastung lediglich „gefühlt“.

Mit der Fertigstellung der A 94 im Oktober diesen Jahres sieht Giller auf Dorfen riesige Probleme zukommen. „Es bedarf großer Anstrengungen, um einen totalen Verkehrskollaps zu verhindern“, sagte Giller bei einem Pressegespräch der SPD. Schon jetzt seien die Wartezeiten beim Einbiegen in die Bundesstraße oft enorm, Staus reichten oft bis an die Stadtgrenzen. Von dem von seiner Partei und dem Stadtrat derzeit favorisierten „kosmetischen Maßnahmen“ zur Bewältigung des Verkehrs hält Giller nichts. „Was soll das bewirken?“

Stadtrat Müller-Ermann sieht das anders. Lange Wartezeiten und hohe Verkehrsbelastung seien „oft nur gefühlt, nicht faktisch“. Für ihn ist eine B 15-Ortsumfahrung nicht notwendig. Deshalb ist Müller-Ermann auch dagegen, dass die Sozialdemokraten eine neue Diskussion dazu anstoßen. „Ich bin klar gegen eine Ortsumfahrung.“ Müller-Ermann verweist dabei auf das Votum von über 900 Bürgern, die Einwendungen gegen die vor Jahren im Gespräch befindlichen Umfahrung im Westen gemacht hätten.

Für den SPD-Stadtrat ist es vielmehr wichtig, eine „verkehrspolitische Diskussion“ anzustoßen. Es müssten Möglichkeiten gefunden werden, die bestehende B 15 durch Dorfen so umzurüsten, „dass der Verkehr langsam durch die Stadt rollt, und eine Querung der Bundesstraße gefahrlos möglich ist“. Jede Maßnahme zur Beschleunigung des Verkehrs erschwere das Queren der Straße.

Stadträtin Simone Jell verweist zudem auf das Mobilitätskonzept, das von der SPD für Dorfen erst kürzlich gefordert worden ist (wir berichteten). Hier gelte es alle möglichen alternativen Möglichkeiten zu prüfen, um den Verkehr etwa durch öffentliche Verkehrsmittel oder die Bezuschussung des Kaufes von E-Bikes und Elektrorollern in den Griff zu bekommen. Auch was die Vielzahl von Paketdiensten in der Stadt betreffe, seien Änderungen notwendig. „Es ist doch Wahnsinn, dass jeder Paketdienst einzeln durch die Stadt fährt. Viel besser wäre es, eine zentrale Stelle zu schaffen, von der aus die Pakete von E-Bike-Kurieren verteilt werden“, so Jell. Vorrangig gelte es immer „zu schauen, was für Dorfen gut ist“.

Für Stadträtin Michaela Meister gehört dazu auch das Thema Carsharing. „Wir sollten grundsätzlich schauen, mit weniger Autos auszukommen“. Wenn nicht vor jedem Haus ein Auto stehe, dann werde auch „deutlich weniger gefahren“. Meister: „Dann laufe ich auch mal oder nehme das Fahrrad.“ Deshalb steht für die Stadträtin außer Frage, dass beim der Vermeidung von Individualverkehr auch privates Engagement subventioniert werden müsse.

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