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Visuelle Animation: Die Bahn hat schon 2016 dargestellt, wie der neue Dorfener Bahnhof nach dem zweigleisigen Ausbau aussehen könnte. Er wird nach Osten in Richtung Ziegelei Meindl (r.) verschoben. 

BI schlägt Alarm

Bahnausbau: Angst vor noch mehr Lärm

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Die Bahn will auf der Strecke München-Mühldorf-Freilassing eine höhere Reisegeschwindigkeit erreichen. Daher soll zwischen Markt Schwaben und Ampfing die mögliche Streckengeschwindigkeit auf bis zu 200 km/h angehoben werden. Die Bürgerinitiative Bahnausbau befürchtet noch mehr Lärm. Schon jetzt seien die gemessenen Werte zu hoch.

Dorfen – Die Bekanntgabe der Planungsänderung auf 200 km/h hat bei der Bürgerinitiative Bahnausbau unterschiedliche Reaktionen ausgelöst. Zum einen hofft man, dass eine Tieferlegung der Gleise im Bereich Dorfen in der Planung berücksichtigt wird. Zum anderen befürchtet man, dass durch die höhere Geschwindigkeit die Lärmbelästigung für Dorfen noch höher wird, als befürchtet. „Bisher wurden leider von der DB Netze keine Schallmessungen bei dem momentanen Betrieb bekannt gegeben. Wir haben deshalb 100 Meter gegenüber des Bahnhofs Dorfen an neun Tagen zu unterschiedlichen Uhrzeiten privat Messungen durchgeführt“, schreibt BI-Sprecher Georg Brandhuber in einer Rundmail an die Unterstützer der Bürgerinitiative. Die gemessenen Werte liegen demnach deutlich über dem empfohlenen Maximalwert der EU-Umgebungslärmrichtlinie von 65 db tagsüber beziehungsweise 55 db nachts. Mit Ausnahme einer Messung um 20.30 Uhr, die 64,5 db ergeben habe, liegen alle Werte laut Brandhuber zum Teil weit über den Empfehlungen. Der Höchstwert wurde um 21 Uhr mit 84,3 db gemessen, um 22.25 Uhr ergab die Messung 83,6 db.

Franz Lindemair, Sprecher DB Großprojekte Bayern, geht auf die Ergebnisse der Lärmmessungen der BI nur allgemein ein. „Im Jahr 2018 haben Schallschutzgutachter im Abschnitt Markt Schwaben bis Ampfing Bestandsaufnahmen vorgenommen und Messungen durchgeführt. Im Rahmen unserer Plausibilitätsprüfung, die wir am 4. Juli 2018 in der öffentlichen Stadtratssitzung vorgestellt haben, wurden die Ergebnisse dieser Untersuchungen bereits für den Bereich Dorfen präsentiert. Im Bundesimmissionsschutzgesetz hat der Gesetzgeber das Prinzip der Lärmvorsorge verankert. Demnach müssen an Neu- und Ausbaustrecken – folglich auch bei der ABS 38 – schädliche Umwelteinwirkungen von Verkehrsgeräuschen verhindert und Lärmgrenzwerte eingehalten werden. Anwohner haben also durch den Ausbau der bestehenden Strecke im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen Anspruch auf Schall- und Erschütterungsschutzmaßnahmen. Damit minimiert sich die Lärmbelastung erstmals für die Bürger.“

Auch die Hoffnung der BI auf Tieferlegung der Gleise wegen der Tempo 200-Planung zerstreut Lindemair. In Deutschland gebe es zahlreiche Strecken, auf denen Züge diese Geschwindigkeiten fahren würden. Es handle sich meist um Ausbaustrecken, die auch in ihrer Höhenlage grundsätzlich den bereits vorhandenen Gleisen folgten. „Es ist also unzutreffend, einen Zusammenhang zwischen Geschwindigkeit und einem etwaigen Trog herzuleiten. Ein Beispiel ist die Strecke München-Augsburg, die im vergangenen Jahrzehnt viergleisig und auf Tempo 230 ausgebaut und mit Schallschutzwänden versehen wurde, unter anderem in den Ortsdurchfahrten Mering, Kissing und Augsburg.“

Durch die Anhebung der maximalen Streckengeschwindigkeit auf bis zu 200 Stundenkilometer will die Bahn eine Reisezeitverkürzung erreichen. Die dafür notwendigen Anpassungen in der Planung werden derzeit vom Projektteam der Bahn-Planer überprüft. Am vorhandenen Gleis und der Trassierung müsste fast nichts verändert werden, so Lindemair. Das neue, zweite Gleis müsse vom bestehenden etwas mehr weggerückt werden. Das für Ende 2020 geplante Planfeststellungsverfahren verzögere sich wegen der Änderungen um bis eineinhalb Jahre.

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