Die alternative Planung von Martin Vieregg soll kilometerlange Lärmschutzwände unnötig machen.

Alternative Lösung

Bahnausbau: Dorfen mit eigener Planung

Dorfen geht beim zweigleisigen Bahnausbau der ABS 38 im Stadtbereich in die Offensive. Der Stadtrat positionierte sich einstimmig gegen die umstrittene Planung der DB-Netze. Favorisiert wird eine alternative Lösung des Münchner Verkehrsberatungsbüros Vieregg-Rössler.

Von Hermann Weingartner

Dorfen – Zum Ende der Vorplanungen für die ABS 38 (München - Mühldorf - Freilassing) schwenkte der Stadtrat in der Sitzung am Dienstagabend auf Forderungen der Bürgerinitiative „Für einen Bahnausbau ohne Mauern und Schranken“ um deren Sprecher Georg Brandhuber ein. Brandhuber hatte bekanntlich erreicht, dass der Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages im Juni die strittige DB-Planung zum Bahnausbau in Dorfen in Augenschein nahm. Daraufhin kam eine alternative Planung durch das Büro Vieregg-Rössler ins Rollen. Vieregg griff die deutliche Verlegung der Gleistrasse nach Süden auf und stellte jetzt seine Planungen im Stadtrat vor, um ein „Feedback“ zu bekommen.

Nach Prüfung der Machbarkeit einer südlichen Verschiebung steht eine Alternative gegenüber der DB-Planung die funktioniere, erklärte Vieregg. Er räumte allerdings auch ein, dass es noch Unwägbarkeiten gebe, etwa Grundstücksverfügbarkeiten, genaue Bodengutachten und vor allem eine hydrologische Bewertung der Trassenführung. Die Kosten seien definitiv nicht höher als die DB-Variante, „plus, minus ein paar Millionen Euro“, weil auf einen sehr teuren Betontrog verrichtete werde. Beginnend im Westen am neuen Lappacher Bahnübergang (BÜ) setzt eine deutliche Verlegung der Trasse nach Süden ein bis zum Einschwenken etwa auf Höhe Anwesen Moosschuster in die alte Trasse im Osten. Die Gleise verschwin-

Gewaltige Erdmassen würden anfallen

den in einem Geländeeinschnitt von drei bis neun Metern Tiefe. Die Mindesttiefe gibt Vieregg mit fünf Metern an, im Bahnhofsbereich, der bleibt wie bisher, vier Meter. Entsprechend wird das Gelände modelliert. Dadurch werden hohe Schallschutzmauern gänzlich vermieden, ein sehr wichtiges städtebauliches Ziel für Dorfen.

Allerdings ist insgesamt eine gewaltige Massenbewegung von 600 000 Kubikmetern Erde nötig. Die Hälfte muss abtransportiert werden, wozu tägliche zwei Güterzüge an 300 Tagen nötig wären. Vieregg verzichtet auf einen teuren Betontrog. Die Gleise sollen ausreichend oberhalb des Grundwassers laufen. Hoch- und Oberflächenwasser wird in einem Graben neben den Gleisen abgeführt. Eine sehr steile Trassenböschung dient dem Lärmschutz und besteht aus Gabionen (Steinkörbe). Die Tiefe der Gleislage erlaubt am B 15-Übergang (57 Meter südlich verschoben) einen Kreisel etwa auf jetzigem Straßenniveau. Dadurch könnte südlich neben der Gleise die Staatsstraße 20 86 (nach Isen) bis zur B 15 geführt und auch Unterhausmehring angebunden werden. Der Bahnübergang Rutzmoos würde wegfallen.

Ein Verkehrsanschluss zur Isener Siedlung müsste überdacht werden. Die Gleislage erlaubt auch den problemlosen Anschluss der Bahnhofstraße und eine nördliche Erschließung des geplanten Baugebietes auf dem ehemaligen Meindl-Areal. Die Großbrücke am Bahnübergang

Begeisterung und Zustimmung

Kloster Moosen wird vermieden. Dort plant Vieregg schon eine Umfahrung des Ortsteils mit ein.

Detaillierte Kosten, die auf Bahndaten basierten, gab es nicht. Die Planung werde aber noch konkretisiert. Die Lösung fand dennoch allgemeine Begeisterung und Zustimmung im Stadtrat. Wohl im Sinne aller sprach Martin Heilmeier (LDW) von „einem Meilenstein“, wenn diese Planung umgesetzt werde. Der einstimmige Beschluss sieht die Vieregg-Rössler-Planung als die vom Stadtrat, Stadt und auch der BI „präferierte Trassenvariante“. Die will man beim neuen Bundesverkehrsminister sowie den weiteren Maßnahmenbeteiligten (DB-Netze, Straßenbauamt) vorstellen.

Die von Stadtrat Gerald Forstmaier (GAL) erarbeitete Variante wurde aufgehoben. Sollte die Vieregg-Rössler-Lösung aber aus irgendeinem Grund scheitern, wird sich der Stadtrat erneut mit dem Bahnausbau in Dorfen befassen. Nötige Grundstücksverhandlungen für die Alternativtrasse werden jetzt aufgenommen. Zusätzlich nötig sind sieben Hektar, bei der DB wären es drei Hektar. " Kommentar

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