Lebenslänglich wegen Polizistenmords für Reichsbürger

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Der Don Quijote Dorfens: Georg Brandhuber kämpft leidenschaftlich gegen die Pläne für kilometerlange Lärmschutzwände.

Brücken und Lärmschutzwände

Bahnausbau: Das sind die Folgen für Dorfen

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Monströse Brückenkonstruktionen, meterhohe Lärmschutzwände – durch den Bahnausbau München – Mühldorf – Freilassing könnte das auf die Kleinstadt Dorfen zukommen. Georg Brandhuber will alles tun, um das zu verhindern. Er hat eine Bürgerinitiative gegründet, sich mit Behörden angelegt – und nun schöpft er Hoffnung.

Dorfen – Er gilt als der Don Quijote Dorfens. Doch der beharrliche Einsatz von Georg Brandhuber gegen eine Verschandelung der Kleinstadt im Landkreis Erding ist alles andere als ein Kampf gegen Windmühlen. Der 75-Jährige kämpft gegen monströse Brückenbauten und meterhohe Lärmschutzwände, die im Zuge des Bahnausbaus München-Mühldorf-Freilassing (ABS 38) entstehen sollen.

Der Rentner ist Gründer der Bürgerinitiative „Für einen Bahnausbau ohne Mauern und Schranken“. Und er hat geschafft, was ihm niemand zugetraut hatte: Brandhuber hat den Petitionsausschuss des Deutschen Bundestags nach Dorfen geholt. Gut viereinhalb Stunden haben sich die Abgeordneten Gero Storjohann (CDU), Annette Sawade (SPD) und Harald Weinberg (Die Linke) vergangene Woche Zeit genommen und vor Ort mit Vertretern von Bahn, Stadt, Bürgerinitiative und Bürgern die Problematik des Bahnausbaus diskutiert.

Stadt würde durch Lärmschutzwände geteilt werden

Nach derzeitigem Planungsstand würde die Stadt auf einer Länge von mehreren Kilometern durch riesige Lärmschutzwände geteilt. Außerdem würde das Landschaftsbild durch mehrere monströse Brückenbauwerke verschandelt. Das will Brandhuber verhindern. Er kämpft seit vielen Jahren mit seiner Bürgerinitiative, die von mehr als 4000 Bürgern mit einer Unterschrift unterstützt wird. Sie fordern eine Trog- oder Tunnellösung beim Bahnausbau. Bei dem Vorort-Termin mit den Bundestagsabgeordneten hat die Stadt mit Baugerüsten die Höhe der Lärmschutzwände simuliert, die Dorfen in zwei Hälften trennen würden. Die Berliner Politiker waren davon beeindruckt.

Die Gegenwart: Der Blick vom Kloster Moosen Richtung Bahnhof ist frei.

Der CDU-Abgeordnete Storjohann zeigte zwar Verständnis für die Forderung von Bürgerinitiative und Stadt, die aus städtebaulicher Sicht eine Troglösung realisiert sehen wollen: „Das wäre erstrebenswert.“ Die SPD-Vertreterin Sawade sagte: „Die alte Lösung, das alles ebenerdig funktionieren soll, ist reichlich vom Tisch.“ Die Bahn solle jetzt nochmals prüfen, ob die Kosten für einen alternativen Ausbau „wirklich so sehr viel höher sind“.

Genau das ist es, was Brandhuber seit vielen Jahren bezweifelt. Für ihn agiert die Deutsche Bahn bei der für Dorfen geforderten Troglösung mit falschen Zahlen. 80 Millionen Euro setzt die Bahn pro Kilometer Trog in einer Tiefe von 3,5 Meter an. Ein Gutachter der Bürgerinitiative berechnet dagegen nur 30 Millionen Euro. Bei einer geforderten Troglänge von 3,5 Kilometern setzt die Bahn laut Brandhuber hier mit 240 Millionen Euro 150 Millionen Euro zu viel an.

Brandhuber legt sich mit Obrigkeit an

In seinem Kampf um den Erhalt der Schönheit seiner Heimat ist der früher unpolitische Georg Brandhuber politisch geworden. Und er hat sich zunehmend auch mit der Obrigkeit angelegt. Bürgermeister Heinz Grundier warf er vor, „bahnhörig“ zu sein, weil der Stadtchef es immer vermieden hat, auf Konfrontationskurs zur Bahn zu gehen. Brandhuber legte Dienstaufsichtsbeschwerden gegen Grundier ein. Über das Landratsamt, das die Dienstaufsichtsbeschwerde verworfen hat, beschwerte sich der 75-Jährige bei der Regierung von Oberbayern. Sein Ärger ist gewaltig. Einmal trat Brandhuber sogar als BI-Sprecher zurück. Doch weil niemand seine Nachfolge antreten wollte, entschied sich Brandhuber für den Rücktritt vom Rücktritt.

Die mögliche Zukunft: Nach dem Bahnausbau könnte diese Fotomontage Realität sein.

Der jahrelange Kampf für seine Heimat hat bei dem 75-Jährigen Spuren hinterlassen. Doch trotz Krankheit gibt er nicht auf. Für ihn steht fest: Was da bisher von der Bahn geplant ist, „ist eine Versündigung an Mensch und Natur“. Dass die Bahn jetzt möglicherweise ihre Planungen nochmals überarbeiten soll, ist für Brandhuber ein Trumpf.

Bayerns DB-Chef Klaus-Dieter Jodel fürchtet, dass weitere Kostensteigerungen das gesamte ABS 38-Projekt gefährden könnten. Denn die Frage, wer die Mehrkosten zwischen 100 und 150 Millionen Euro für eine alternative Lösung finanzieren solle, sei auch beim Besuch des Petitionsausschusses offengeblieben. BI-Chef Brandhuber hat aber vor allem eines zurückgewonnen: Hoffnung.

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Dorfen hat viel verschlafen. Auch beim Thema Bahnausbau, kommentiert Redakteur Anton Renner.

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