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Hier pressiert’s: Bei Rot an der Fußgängerampel am Rathausplatz müssen sich die Fußgänger beeilen. Für Gehbehinderte ist die Zeit knapp. 

ZWISCHENBERICHT zu Schülerprojekt 

Barrierefreie Stadt noch in weiter Ferne

An vielen Stellen ist die Dorfener Innenstadt alles andere als barrierefrei. Auf die Ergebnisse eines Unterrichtsprojekts des Gymnasiums reagierte der Bauausschuss des Stadtrats mit der Erarbeitung einer Konzeption „Barrierefreiheit in Dorfen“. Einige Mängel wurden seitdem abgestellt.

Von Hermann Weingartner

Dorfen – Nach knapp einem Jahr präsentierte die Bauverwaltung jetzt im Bauausschuss einen aktuellen Sachstand zur Umsetzung der Konzeption. Bauverwaltungsleiter Franz Wandinger erinnerte, dass sich neun Schülerinnen und Schüler der 10. Jahrgangsstufe des Gymnasiums im Zuge eines praktischen Projekts im evangelischen Religionsunterricht in den Bereichen Altstadt, Krankenhaus und Bahnhof umgesehen hatten. Dabei waren sie mit Krücken, Rollator und Rollstuhl unterwegs, um die Probleme aus Sicht von Menschen mit Behinderungen zu dokumentieren.

An zwei Nachmittagen hatten die Schüler in ihrer Freizeit stark frequentierte Bereiche der Innenstadt begutachtet. Sie stellten Alltagssituationen nach, wie Menschen mit Gehbehinderungen wichtige Einrichtungen und Plätze in der Stadt erreichen können. Erkannt wurde unter anderem, dass einige Gehsteige und Pflasterbereiche für Rollstuhlfahrer oder alte Menschen mit Rollator richtig gefährlich seien. Und die Stadttore sind für Rollstuhlfahrer viel zu schmal.

Auch Sonnenschirme und Bestuhlung mancher Freischankfläche auf dem Gehsteig stellten Behinderungen dar. Hohe Bordsteinkanten und das Kopfsteinpflaster in der Innenstadt seien auch problematisch oder etwa die gepflasterte Wasserrinne um den Marienplatz. Der Ampeltakt an der Marktkirche sei zu kurz, sodass Menschen mit Rollator in der Grünphase nicht über die Straße kämen.

Die schweren Mängel am Bahnhof sind lange bekannt und wurden auch von den Schülern festgestellt. Das Erreichen von Gleis 2 mit dem Rollstuhl ist aus eigener Kraft unmöglich. Und sogar der Zugang zur Kreisklinik Dorfen wurde als nicht voll behindertengerecht beurteilt, weil er über einen schmalen, sehr steilen Gehweg mit dem Rollstuhl nur schwer zu schaffen sei. Immerhin gibt es einen barrierefreien Zugang am Hintereingang, der aber nirgends beschrieben sei. Das Fazit der Schüler: „Dorfen ist kein bisschen barrierefrei.“

Der Bauausschuss sah sich angesichts der Schülerpräsentation zum Handeln veranlasst. Wandinger berichtete jetzt, dass eine Konzeption „Barrierefreiheit in Dorfen“ erarbeitet und Fördermöglichkeiten geprüft worden seien. Die Ausarbeitung eines Förderprogramms sei noch nicht abgeschlossen.

Seniorenreferentin Doris Minet (ÜWG) wies darauf hin, dass es für die Stadt selbst nicht so viele Handlungsmöglichkeiten gebe, denn viele Problemstellen müssten von Privat- oder Geschäftsleuten entschärft werden. Hier sollen alle Betroffenen mit einem Anschreiben zum Thema Barrierefreiheit sensibilisiert werden.

Einig war man sich, dass man das Kopfsteinpflaster in der Innenstadt zwar nicht herausreißen, aber an manchen Stellen entschärfen könne. Das wurde am Marienplatz umgesetzt, die Stellen seien aber oft zugeparkt. Die Fußgängerampel-Taktung am Rathausplatz entspreche geltenden Standards, bei der Polizei seien keine Beschwerden bekannt.

Im Bereich Kirchtorplatz wird darauf hingewiesen, dass ein sicherer Gehsteig vom Unteren Markt am Sparkassengebäude zum Wesener Tor führt. Ein Übergang am Unteren Markt ist durch parkende Autos und Pflanztröge oft nicht möglich. Das soll bei der „Umgestaltung des Unteren Marktplatzes berücksichtigt werden.

Gehwegkanten in der Brandstattgasse bei der VR-Bank wurden abgesenkt, weitere Absenkungen in der Bäckergasse und am Rathausplatz werden angestrebt.

Die kleineren Kieswege im städtischen Friedhof seien auch nicht barrierefrei, berichtete Christian Holbl (TEG). Das räumte Bürgermeister Heinz Grundner (CSU) ein. Im alten Teil gebe es sehr schmale Stellen zwischen den Grabreihen, die man aber nicht beseitigen könne. Aber die Hauptwege seien befestigt. Es müsse auch der Denkmalschutz berücksichtigt werden.

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