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Sorgt sich: B DM-Kreisvorsitzender Mathias Lohmeier.

BDM-Kreisverband 

Immer weniger Milchbauern

Das Höfe-Sterben im Landkreis geht weiter. Und der Milchpreis gerät wieder unter Druck. Da hat der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter trotz seines 20-jährigen Bestehens wenig Grund zu feiern.

EibachMatthias Lohmeier ist Kreisvorsitzender des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM). In der Jahresversammlung im Gasthaus Mayer in Eibach erklärte er vor 50 Kollegen, dass der Berufsverband in den 20 Jahren seines Bestehens viel für die Milchbauern erreicht habe. „Wir müssen was tun und uns unserer Stärken bewusst sein“, so sein Credo.

Im ersten Halbjahr 2017 sei die Situation auf dem Milchmarkt noch halbwegs vertretbar gewesen. Sie habe sich aber zum Jahresende wieder verschärft, blickte Lohmaier zurück. Die weitere Entwicklung schätzt er als „nicht stabil“ ein. Der Milchpreis von derzeit rund 38 Cent pro Kilogramm sinke. Um wirtschaftlich zu sein, bräuchte es heute 50 Cent. Das würde auch die Jungen motivieren, die Höfe zu übernehmen, so Lohmeier.

Ein großes Problem seien derzeit Überkapazitäten von 380 000 Tonnen eingelagertem Milchpulver. „Das muss demnächst raus“ und werde Druck auf den Milchpreis ausüben, befürchtet der Funktionär. Die Politik rede sich immer darauf raus, die Landwirte müssten das selber mit ihren Milchverträgen regeln. „Aber warum sollten die Molkereien das machen“, fragte Lohmeier.

Er ist ein Verfechter des BDM-Milchmarkt-Krisenmanagements, um die immer wieder drohenden Milchkrisen durch Überproduktion schon vorab zu vermeiden. Der BDM habe seit Jahren ein Konzept, das eine Milchmengensteuerung auf EU-Ebene als wirksames Marktinstrument vorsieht. Dieses sieht nach der Warnung einer Monitoring-Stelle im Wesentlichen eine freiwillige Mengenreduzierung bei den Erzeugern vor.

2017 habe das funktioniert, so Lohmeier. Die Rahmenbedingungen auf dem Milchmarkt müssten aber politisch vorgegeben werden. Eine Einschränkung in der Entwicklung der Betriebe durch das Marktinstrument sei nicht zu befürchten. Erfreulich sei, dass die Milchmengensteuerung inzwischen auch parteiübergreifend von Politikern in den Landtagen und im Bund als interessant angesehen werde.

Der Strukturwandel schreitet derweil weiter voran. Das Höfe-Sterben gehe weiter, klagte der BDM-Kreisvorsitzende. In den vergangenen zehn Jahren sei die Zahl der Milcherzeuger von 950 auf 550 gesunken. Allein 2017 habe es im Landkreis 45 Hofaufgaben gegeben. Lohmeier forderte, es müsse Schluss sein mit dem „ewigen Wachsen, denn das funktioniert nicht“. Es müsse wieder möglich werden, dass Bauern auch mit 60 Milchkühen leben können. Dafür seien das System zu ändern und endlich die politischen Rahmenbedingen und Spielregeln für den Markt zu schaffen. „Die Politik kündigt viel an – passiert ist nix“, so Lohmeier.

Da hofft der BDM-Kreisverband auch auf die Landtagsabgeordnete Ulrike Scharf (CSU). Dass „die Politik“ nichts mache, wollte die ehemalige Umweltministerin in ihrem Kurzreferat nicht erkennen. So sei im bayerischen Doppelhaushalt über eine Milliarde Euro für den ländlichen Raum eingeplant. Zum „Wachsen und Weichen“ meinte sie: „Wir wollen keine Agrarfabriken.“ Zur Vermeidung von Milchkrisen sagte Scharf: „Wir „brauchen neue Marktstrukturen.“ Sie habe eine große Sympathie für „eine Mengensteuerung“, wie sie der BDM vorschlägt.

Die Düngeverordnung sei „ein Spagat“, so Scharf. Die Vorgaben müssten so sein, dass die Landwirte damit leben können. Es sei auch „nicht fair, immer für alles nur die Landwirte verantwortlich zu machen“, etwa bei Umwelteinträgen. Dazu gehört auch die Gülle. Die Menge könne man begrenzen, aber dass nun die Ausbringetechnik vorgeschrieben wird, ist für Lohmeier „eine Sauerei“. hermann weingartner

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