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Die Behörden arbeiten ihm zu langsam: Dorfens ehemaliger Hochwasserreferent Gisbert Becker fordert umgehend Pflegemaßnahmen in der Isen im Stadtbereich.

Fehlende Schutzmaßnahmen in Dorfen

Becker warnt vor Überflutungsgefahr

Dorfen - Die Isen bleibt trotz Millionen teurer Hochwasserabflussverbesserungen eine latente Bedrohung für die Stadt Dorfen. Der frühere Stadtrat und Hochwasserreferent des Stadtrats, Gisbert Becker, warnt vor Überflutungsgefahren vor allem durch Starkregen.

Katastrophaler Starkregen ist keine Seltenheit mehr bei uns und wird im Zuge des Klimawandels wohl vermehrt auftreten, befürchtet Becker. Er fordert geeignete Schutzmaßnahmen für neue und bestehende Bebauung, wie er im Gespräch mit unserer Zeitung erklärte. Dazu müsse die Stadt ein bislang noch fehlendes Gesamtkonzept entwickeln.

Starkregen hatten 2016 auch in Dorfen zu enormen Schäden geführt. Im Ortsteil Lappach war es zwei Mal zu einer Schlammflut gekommen, in Schwindkirchen schoss nach einem Wolkenbruch eine Regen-Schlammsturzflut durch eine Siedlung und flutete mehrere Wohnhäuser (wir berichteten).

Becker, der an der Isen wohnt, befasst sich seit Jahrzehnten mit Hochwasser und gilt durch seine intensive Arbeit als früherer Hochwasserreferent als Experte. „Das Thema beschäftigt mich“, weshalb er auch heute noch sehr aufmerksam verfolge, was Stadt und Stadtrat da machen. Im Rahmen der laufenden 14. Flächennutzungsplanänderung sind umfangreiche Wohnbebauungen auf bislang unbebauten Grünflächen geplant, wie im Süden der Isener Siedlung. Eine weitere Siedlung soll auf dem ehemaligen Ziegelei Meindl-Areal entstehen, und „An der Leiten“ werden ab heuer rund 90 Wohneinheiten gebaut. Überall würden, laut Becker, dort Flächen versiegelt und gingen als Regenrückhaltebereiche verloren.

Die neuen Bauvorhaben sowie die Bestandsbebauung im Stadtkern erforderten einen „verbesserten Objektschutz, wie auch Flächenvorsorge vor Überflutung durch Starkregen“. Da müssten auch die Grundstückeigentümer Vorsorge betreiben, etwa beim Kellerabgang, Lichtschächten oder mit sicherer Rückstauebene beim Abwasser. Die geeignete Rückhaltung des Oberflächenwassers gehöre bereits in die Bauleitplanung, betonte Becker. Kontraproduktiv sei, dass die durch teure Hochwasserschutzmaßnahmen mit Steuergeldern neu entstandenen hochwasserfreien Bereiche entlang der Gewässer sofort wieder bebaut würden. Da müssten für die Durchsetzung von Bauverboten möglicherweise Gesetze angepasst werden.

Der „ganzheitliche Überflutungsschutz“ für Bebauung und Flächenvorsorge zur Minderung von Überflutungsgefahr müsse auch in Dorfen Thema werden und „eine Aufgabe der Stadt sein“. Dazu sollte „eine Beratungsstelle eingerichtet“ werden, um Bürgern fachlich fundierte Beratung anbieten zu können.

Ein Ärgernis ist Becker eine große Schlammablagerung direkt vor der B15-Isenwehr-Anlage im Stadtbereich. Die sei schon seit Monaten deutlich zu erkennen und inzwischen eine beliebte Raststätte für die Enten. Die Sache sei aber sehr ernst, betont Becker, denn bei Hochwasser fehle dort dieses Abflussvolumen. Gerade nach Starkregen oder demnächst bei der Schneeschmelze könnte der Isen-Pegel dort gefährlich höher ansteigen. Nicht auszuschließen seien dann sogar Überflutungen von Teilen der Innenstadt. Die zuständigen Behörden wüssten seit Monaten von der Situation, passiert sei aber nichts, außer einer Zusage, dass wohl irgendwann heuer die Ablagerungen entfernt werden sollen. „Starkregen richtetet sich aber nicht nach dem Behördendienstplan“, weiß Becker. Er fordert, das Abflussvolumen überall in der Isen müsse kontinuierlich erhalten bleiben, um die Funktionsfähigkeit der Abflussverbesserungen nicht zu reduzieren. Die hätten schließlich auch der Stadt Millionen gekostet.

Ein anderer Aspekt sei die A 94 und Starkregen. Aus dem Baustellenbereich war es 2016 nach heftigen Regenschauern zu mehreren Überflutungen von Wohnbebauungen noch in mehreren hundert Metern Entfernung gekommen. Becker fordert, dass die wohl Jahrzehnte alten Hochwasserabflussberechnungen für die A 94 einer neuen Überprüfung unterzogen werden müssen aufgrund der jetzt auftretenden Starkregenphasen.

Hermann Weingartner

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