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3000 Hemadlenzn in Dorfen treiben einen Winter aus, der keiner war

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Von: Wolfgang Krzizok

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Wenn in Dorfen Hemadlenzn angesagt ist, dann ist es ein untrügliches Zeichen dafür, dass der Winter zu Ende geht. „Welcher Winter?“, fragten viele der knapp 3000 Besucher. Denn wohl erstmals in der langen Hemadlenzn-Geschichte hatte es nämlich überhaupt keinen richtigen Winter gegeben

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1 / 17Die kalte Jahreszeit ist nun auch offiziell vorbei: mit dem Verbrennen der Lenzn-Puppe ist der Winter in Dorfen ausgetrieben. © Hermann Weingartner
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2 / 17Einen sitzen hatte so mancher Hemadlenz schon am frühen Nachmittag. © Hermann Weingartner
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3 / 17Scherbliche Überreste: So manche Besucher hielten sich offensichtlich nicht ans Glasflaschenverbot. © Hermann Weingartner
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4 / 17Sie heizten ordentlich ein: Die Gugga-Musik der Dorfener Faschings Deife war neben der Stadtkapelle Dorfen für die musikalische Stimmung zuständig. © Hermann Weingartner
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5 / 17Bestellt und abgeholt: Bürgermeister Heinz Grundner stieg nicht aus dem neuen Rathaus, sondern über das Vordach des Friedberger Hauses hinunter zum Narrenvolk. © Hermann Weingartner
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6 / 17Beim Faschingshöhepunkt schauen jedes Jahr auch Senioren aus dem Dorfener Alten- und Pflegeheim Marienstift zu. © Hermann Weingartner
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7 / 17... Gaudi und Frohsinn bei den knapp 3000 Hemadlenzn. © Hermann Weingartner
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8 / 17... Gaudi und Frohsinn bei den knapp 3000 Hemadlenzn. © Hermann Weingartner
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9 / 17... Gaudi und Frohsinn bei den knapp 3000 Hemadlenzn. © Hermann Weingartner
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10 / 17... Gaudi und Frohsinn bei den knapp 3000 Hemadlenzn. © Hermann Weingartner
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11 / 17Prinzenpaar Anita Herz und Herbert Kiefinger werden am Unteren Tor von KG-Präsidentin Anja Greimel im Turmstüberl „aufgeweckt“ und steigt dann über eine Leiter zum Volk hinunter. © Hermann Weingartner
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12 / 17... Gaudi und Frohsinn bei den knapp 3000 Hemadlenzn. © Hermann Weingartner
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13 / 17... Gaudi und Frohsinn bei den knapp 3000 Hemadlenzn. © Hermann Weingartner
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14 / 17... Gaudi und Frohsinn bei den knapp 3000 Hemadlenzn. © Hermann Weingartner
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15 / 17... Gaudi und Frohsinn bei den knapp 3000 Hemadlenzn. © Hermann Weingartner
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16 / 17Auch Sanitäter hatten beim regen Treiben gut zu tun. © Wolfgang Krzizok
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17 / 17... Gaudi und Frohsinn bei den knapp 3000 Hemadlenzn. © Wolfgang Krzizok

Dorfen – Kälte war in den letzten Monaten kaum zu spüren, Schnee überhaupt nicht zu sehen. Den Narren war es egal, sie feierten am Unsinnigen Donnerstag trotzdem. „Und schee war’s wieder“, resümierten die Präsidenten der Karnevalsgesellschaft (KG) Dorfen, Anja Greimel und Martin Pommer. „Vor allem das Wetter war perfekt.“

Natürlich dachten viele auch noch an das schreckliche Unglück beim Hemadlenzn 2019, als ein 18-Jähriger in die Isen fiel und ertrank. Einige gingen auf dem Weg in die Innenstadt noch am Unglücksort vorbei, hielten kurz inne und stellten Kerzen auf. Vielleicht lief der Tag deshalb auch sehr gesittet ab, ohne größere Einsätze für die Rettungskräfte.

Wie immer tummelten sich die ersten Lenzn schon ab dem frühen Morgen in Dorfens guter Stube. Pünktlich um 10 Uhr setzte sich dann der Narrenzug in Bewegung, der heuer, laut Präsidentin Greimel, „so lang war, wie selten zuvor – eigentlich schien er gar nicht aufzuhören“. Erste Station war das Untere Tor. Vergangenes Jahr, zum 120. Jubiläum der KG, wurden „Drei damische Ritter“ abgeholt. Diesmal war es wieder ein „normales“ Prinzenpaar. Anita II. und Herbert III. wurden von den KG-Präsidenten und den vielen Lenzn mit „Aufstehn!“-Rufen geweckt. Die Tollitäten stiegen – nachdem sie sich den Schlaf aus den Augen gerieben hatten – von der Leiter zu ihren Untertanen herab. Daraufhin intonierte die Stadtkapelle Dorfen für die tanzenden Narren die Faschings-Hymne der Stadt: „Oh, du Himmel auf Erden!“

Dann setzte sich der Narrenzug – mit dem Lenz im Schlepptau – in Bewegung zum neuen Rathaus, um den Stadtchef abzuholen. Doch Bürgermeister Heinz Grundner zwängte sich nicht etwa durch eins der schmalen Fenster am Neubau. Er zog es vor, ganz gemütlich – wie die letzten Jahre – wieder aus dem Fenster im Friedberger Haus herauszusteigen. „Der Bau gehört nach wie vor zum Rathaus“, meinte er grinsend. Außerdem sei das Vordach viel besser geeignet, um von dort aus den Weg per Leiter nach unten zu nehmen.

Mit Begleitung der Stadtkapelle ging es dann durch die Stadt. Mit dabei unter den vielen Lenzn waren neben Landrat Martin Bayerstorfer auch einige Bürgermeister aus den Nachbargemeinden, allen voran Gerlinde Sigl aus Lengdorf, Michaela Mühlen aus Inning und Hans Schreiner aus Bockhorn. Auf dem langen Weg wurden immer wieder Pausen eingelegt, allerdings nicht, um zu rasten, sondern um zu tanzen. Endstation war schließlich der Marienplatz. Dort wurde die Lenzn-Puppe an einem Galgen nach oben gezogen und unter dem Gejohle der Zuschauer verbrannt. Damit war der offizielle Teil vorbei und der Winter – der eigentlich keiner war – ausgetrieben.

Damit konnte der inoffizielle Teil beginnen. Bei besten äußeren Bedingungen, die paar Regentropfen zwischendurch störten die gute Stimmung überhaupt nicht, wurde zunächst im Freien, und nach Ausschankende um 14.30 Uhr in den umliegenden Wirtschaften und Kneipen – sowie erstmals bei der „After Hemadlenzn Party“ im Tonwerk – friedlich weitergefeiert.

So fiel auch die erste Bilanz der Polizei am späten Nachmittag positiv aus. „Friedlich, ohne besondere Vorkommnisse bisher“, meldete Erster Polizeihauptkommissar Harald Kratzel, Leiter der PI Dorfen, und ergänzte in Anspielung auf das schreckliche Unglück vergangenes Jahr: „Hoffentlich bleibt es diesmal so.“

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