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Weltweit gab es seit Ende des Zweiten Weltkriegs keine 30 Tage Frieden: Vereinsvorsitzender Jörg Berner (hinten links am Ambo) hielt eine Rede, die sehr nachdenklich machte. Raphael Ganslmaier, Katharina Gaigl, Robert Englmeier und Vroni Berner (vorne, v. l.) lasen dazwischen kurze Texte zum Thema Krieg und Frieden vor.

Kriegerjahrtag in Oberdorfen

Berners bittere Bilanz

„Die Toten der Kriege mahnen zum Frieden.“ So lautete am Sonntag die Botschaft des Veteranen- und Reservistenvereins Oberdorfen zum Gefallengedenktag 2017. Das Gedenken findet in dem Ortsteil alljährlich immer schon vor dem zentralen Gedenken der Stadt Dorfen am Volkstrauertag statt.

Oberdorfen – Mit einem feierlichen Gottesdienst und anschließendem Gedenken in der Pfarrkirche Oberdorfen mit zahlreichen Fahnenabordnungen der Ortsvereine wurde der Toten und Vermissten der Weltkriege gedacht. Es wurde aber auch an die Menschen erinnert, die in Kriegshandlungen, Gefangenschaft, als Vertriebene oder Flüchtlinge ums Leben gekommen sind.

In seiner Ansprache mahnte Vereinsvorsitzender Jörg Berner, Ursachen, Geschichte und Folgen dürfen nicht vergessen werden, was Krieg, Gewalt, Terror und Verfolgung an Leid, Schmerz und Trauer hinterlassen. Der Gefallenengedenktag sei aber immer auch ein Aufruf zur Versöhnung und zu Frieden. „Kriegsgräber als Mahnmale des Friedens sind kostbar“, zitierte Berner aus einem Grußwort von Kardinal Reinhard Marx und Landesbischof Heinrich Bedford Strom. Sie bedürften der ständigen Pflege, um die Erinnerung wach zu halten.

„Auch die Denkmäler zum Gedenken an die gefallenen und vermissten Angehörigen und Mitbürger Oberdorfens gehören dazu“, betonte Berner. Es sei jedem empfohlen, einen dieser Orte weltweit oder auch am eigenen Kriegerdenkmal an der Kirche zu besuchen und die Namen der Toten zu lesen. Gemessen an der Einwohnerzahl Oberdorfens während des Zweiten Weltkrieges habe die frühere Gemeinde prozentual die höchsten Verluste an Menschenleben in ganz Bayern, wenn nicht sogar in Deutschland zu beklagen habt, sagte Berner und nannte weitere dramatische Zahlen. Im Krieg 1870/71 waren 250 000 Soldaten gefallen, 47 pro Stunde, darunter zwei Einheimische. 15 Milliarden Goldmark betrugen die Kriegskosten für Deutschland.

Der Erste Weltkrieg forderte rund zehn Millionen Tote, 267 pro Stunden, und 52 Tote aus der Gemeinde. Der Krieg kostete 730 Milliarden Goldmark. Unfassbare 55 Millionen Tote forderte das Grauen im Zweiten Weltkrieg. 52 Gefallene und 36 Vermisste wurden in Oberdorfen beklagt: „Der Irrsinn kostete zwei Billiarden Dollar.“ Fast 20 Millionen Flüchtlinge und Vertriebene waren die Folgen des Kriegsterrors in Europa damals. Auch 14 Millionen Deutsche verloren ihre Heimat.

Aus all diesem Schrecken und Wahnsinn habe die Menschheit wenig gelernt. Seit Kriegsende 1945 bis heute habe es keine 30 Tage ohne Krieg gegeben auf dieser Welt, betonte Berner. Die Zahl der Opfer von Krieg und Terror, darunter immer mehr unschuldige Kinder und Zivilisten, übersteigen längst die Opfer des Zweiten Weltkriegs, „und sie steigen weiter, immer weiter“. Millionen seien weltweit auf der Flucht vor dem Kriegsgrauen. Unzählige würden wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität oder Zugehörigkeit zu nicht genehmen sozialen Gruppen verfolgt, vertrieben oder bei Kampfhandlungen getötet.

In Redepausen trugen Vroni Berner, Robert Englmeier, Katharina Gaigl, Raphael Ganslmaier und Thorsten Berner kurze Texte. „Ich habe Angst, Angst vor dem Krieg. Krieg ist sinnlos, denn im Krieg gibt es keine Sieger, nur Verlierer“, las etwa Gaigl. „Unser Leben sollte im Zeichen der Hoffnung auf Versöhnung stehen unter den Menschen und Völkern, denn unsere Verantwortung gilt dem Frieden unter Menschen zu Hause und der ganzen Welt.“

Hermann Weingartner

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