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Mit einem Festgottesdienst in der Versöhnungskirche feierte die Evangelische Gemeinde Dorfen gestern 100-jähriges Bestehen.

Hochachtung für Evangelische Gemeinde

Bischöfin: Die Gründerväter wären stolz

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Mit einem Festgottesdienst in der Versöhnungskirche hat die Evangelische Gemeinde Dorfen gestern ihr 100-jähriges Bestehen gefeiert. Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler zeigte sich in ihrer Predigt vom Engagement der Kirchengemeine beeindruckt.

Dorfen – An den Beginn ihrer Predigt stellte Breit-Keßler die Gründungsgeschichte des Evangelischen Vereins Dorfen, der von Uhrmachermeister Georg Niedermayer, mehreren Wachtmeistern, einem Viehhändler und einem Revierjäger gegründet wurde. Als Wochen danach der erste Gottesdienst gefeiert wurde, da hätten sich die Dorfener Protestanten sicher in einem Wechselbad der Gefühle befunden. Stolz, weil man nun eine eigene Gemeinde habe, aber auch zerrissen von der Angst über den schrecklichen Krieg, der in Europa Millionen Menschen das Leben gekostet habe. In den Gottesdiensten sei nicht den Herren der Welt zugejubelt worden, sondern der eine angebetet worden, „von dem unser Leben kommt, der es begleitet und zu dem es zurückkehrt“, so die Regionalbischöfin. Auch heute gebe es „immer mehr Potentanten, die sich als Alleinherrscher aufspielen und die Macht komplett an sich reißen.“ Die Welt brauchen daher dringender denn je Frieden, brauche lebendige Kirchen, wie die Versöhnungskirche in Dorfen und Menschen, „die sich für ein gerechtes und freundliches Miteinander einsetzen“.

Gerade in Zeit wie jetzt, in der in der säkularen Gesellschaft in einem kaum begreifbaren Maß eine Rückkehr der Religion in das politische Geschehen geschehe, seien alle herausgefordert, „die falschen Gottesbilder zu entlarven und von Gottes Barmherzigkeit und Menschenliebe zu sprechen.“ Breit-Keßler: „In Gottes Namen lassen sich keine Kriege führen. Gott fordert auch nicht, Ungläubige zu töten oder Menschen Gewalt anzutun, die nicht nach unseren Vorstellungen leben.“

Es gelte vielmehr, nach dem Beispiel Jesus Christus zu leben. In ein Wort gefasst bedeute das Barmherzigkeit. „Die äußert sich zum Beispiel in der Hochachtung gegenüber Leuten, die am Rand der Gesellschaft stehen: altersschwache, kranke, körperlich oder geistig eingeschränkte Menschen. Personen, die im Hamsterrad unserer Wirtschaftsgesellschaft nicht richtig funktionieren.“ Die Dorfener Gemeinde tue dies, konstatierte die Regionalbischöfin. Unter anderem mit Aktionen wie einem Jugendcafé, dem Dienstagstreff für Frauen, dem Seniorenkreis und vielen anderen Angeboten. Die Gründerväter der evangelischen Bewegung in Dorfen „wären auf Sie stolz, liebe Schwestern und Brüder“, sagte Breit-Keßler. Die Regionalbischöfin überreichte der Dorfener Gemeinde eine Altarbibel in der Jubiläumsfassung, „damit die Menschen weiterhin Lebensmut und Hoffnung aus dem Wort Gottes schöpfen“.

Um die Einheitder Kirche bemühen

Am Samstag wurde ein Erinnerungsgang vom Gründungsort der Evangelischen Gemeinde, dem früheren „Eigner Bot“, zur Versöhnungskirche unternommen

Dekan Jochen Hauer sagte, aus der Erinnerung heraus könne man Impulse gewinnen, „worauf es heute ankommt“. So heißt es im Gründungsprotokoll, es sei das begonnene Werk tatkräftig zu unterstützen und mit Gottesdienstbesuchen und Teilnahme am Gemeindeleben evangelischen Bewusstsein und Leben zu zeigen – „nicht in Konfrontation zur katholischen Kirche, das haben wir hinter uns“. Im Sinne der seit Jahrzehnten offen gelebten Ökumene in Dorfen wünschte Pfarrer Janusz Gadek Gottes Segen und „dass wir nie vergessen sollen, uns um die Einheit der Kirche zu bemühen“. Vizelandrat Jakob Schwimmer lobte den gemeinsamen Weg „hin zur lebendigen, nachhaltigen Ökumene“. Als „wichtigen, integrativen Bestandteil“ im Leben der Stadt, bezeichnete Bürgermeister Heinz Grundner die evangelische Kirchengemeinde.

Mehrere Bürger hatten sich bereits am Samstag, dem Gründungstag vor 100 Jahren, auf Erinnerungsgang zu den Stationen evangelischer Gemeindegeschichte in Dorfen gemacht. Gestartet wurde am Gründungsort, dem ehemaligen Wirtshaus Eigner Bot. An dem Haus befindet sich heute auf Initiative von Jörg Berner eine Gedenktafel, erläuterte Annette Schumacher.

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