Ein Mann des offenen Wortes: Weihbischof Bernhard Haßlberger, der von Matthias Messerer (vorne, v. r.) vor über 200 Firmlingen interviewt wurde und sich auch den Fragen der Zuhörer stellte. Foto: Weingartner

Firmtag im Dekanat Dorfen

Bischof nimmt kein Blatt vor den Mund

Der erneut erfolgreiche Firmtag des Dekanats Dorfen soll zur festen Einrichtung werden. Weihbischof Bernhard Haßlberger war begeistert von der Aktion und von so vielen jungen Christen. Er stellte sich in Schwindkirchen im Wolfgang-Meier-Haus den neugierigen Fragen der Firmlinge.

Schwindkirchen – „Wir sind froh, dass der Weihbischof zu uns kommt“, freute sich Dekanatsvorsitzende Irmgard Schoder. Das persönliche Kennenlernen und dass die jungen Leute einem hohen Kirchenmann mal ganz persönliche Fragen können, sei ein zentraler Punkt gewesen. Rund 230 Firmlinge beteiligten sich begeistert am zweiten Firmtag, bei dem ein bunter Strauß an unterschiedlichen Themen in mehreren Workshops diskutiert wurde. Ziel sei es, den jungen Leuten auch aufzuzeigen, wie sie sich in der Kirche vor Ort und ihre Organisationen einbringen können.

Die Fragerunde mit Weihbischof Haßlberger war der Höhepunkt. Als Interviewer stellte Matthias Messerer (Katholische Landjugendbewegung) gesammelte Fragen der Jugendlichen einem sehr offenen, unkomplizierten und nahbaren Kirchenmann.

„Wie sind Sie zum Beruf Priester gekommen“, war eine der vielen Fragen die Haßlberger allesamt ausführlich beantwortete. Eigentlich sei er von „der Begabung her eher ein technischer Mensch. Technik hat mich schon immer fasziniert.“ Als Bub habe er schon furchtbar gerne Radios zerlegt und wieder zusammengebaut. In der letzten Klasse Volksschule sei ihm plötzlich klar geworden: „Ich werde Pfarrer. Woher der Wunsch kam, habe ich nicht gewusst. Das hat niemand gesagt, in mir war da meine Berufung.“ Es damals es aber „nicht ganz einfach“ gewesen, von der 8. Klasse Volksschule am Gymnasium aufgenommen zu werden. Nach dem Abitur habe er 1968 in München Theologie studiert. Gleich am Anfang habe er die „Liebe zur Bibel und Auslegung des Altes Testaments entdeckt“, was bis heute ein Schwerpunkt sei.

Auch die Frage nach dem Zölibat (Ehelosigkeit) und der Familiengründung beantwortete Haßlberger sehr offen. Er habe intensiv überlegt: „Will ich das.“ Und er habe sich auch immer vorstellen können, zu heiraten und Kinder zu haben. Das sei das „Normalste der Welt“. Aber der Geistliche war schließlich überzeugt: „Ich mache das.“ Inzwischen ist Haßlberger knapp 40 Jahre Priester (1977 Weihe) und habe „das nie bereut“. Das ist „mein Beruf, wo ich mich am besten einbringen kann“.

Der Geistliche ergänzte, dass er mal Bischof werden könnte, habe er „nie gedacht. Da bewirbt man sich nicht. Eines Tages war ich’s dann, ernannt von Papst Johannes Paul II.“ In das Amt habe er sich dann hineingewöhnen müssen. Seit über 20 Jahren ist Haßlberger „gerne“ Weihbischof. Das sei interessant und spannend, man habe viele Kontakte, gerade mit jungen Leuten.

„Hätten Sie gerne Frauen und Kinder, waren Sie verliebt?“, war eine ganz persönliche Frage, der der 79-Jährige nicht auswich. Vor der Zeit, als er sich entschloss, Priester zu werden, so mit 13,14 Jahren, sei er selbstverständlich verliebt gewesen. Die Klassenkameradin habe von ihm aber „nix wissen wollen“, was die Jugendlichen mit einem bedauernden „oooohh“ quittierten. Die Angebetete sei halt die Tochter eines Geschäftsmanns gewesen, und „wir waren Häuslleute, der Vater ein Holzknecht“. Auch später als Priester habe es Frauen gegeben wo er gedacht habe: „Das wär was, das könnte ich mir vorstellen.“ Wirklich ernst habe er aber nie überlegt, das Priesteramt aufzugeben. Man könne nicht alles haben und „es ist nicht so, dass ich darunter leide. Ich bin glücklich mit meinem Beruf.“

Die Frage nach der Lieblingsmusik beantworte Haßlberger mit „eher Oldies“, und er höre gerne die Beatles, die er heute noch faszinierend finde. Den Urlaub verbringe er meist in seiner Ruhpoldinger Heimat, mit Bergwandern und einer Woche Skifahren. Besonders sportlich sei Haßlberger nie gewesen, räumte er ein. Für Vereinsfußball sei er „nie gut genug gewesen“. Aber mit der Schulmannschaft habe er gegen den späteren Bundesligaprofi und Weltmeister Paul Breitner gespielt und gewonnen, wofür es gleich Beifall gab.

Auch kirchliche Fragen wurden gestellt. So erfuhren die Firmlinge, dass für Haßlberger das Amt des Papstes „furchtbar wäre“, weil es sehr, sehr schwer sei, eine Weltkirche zusammenzuhalten und jedes Wort im Rom auf die Goldwaage gelegt werde. Frauen als Priester könne sich der Weihbischof persönlich vorstellen. Das werde aber in absehbarer Zeit nicht kommen, weil die ganze Weltkirche gesehen werden müsse, und es gebe gute theologisch, historische Argumente. Die evangelischen Kirchen seien lokaler und könnten das für sich regeln.

Die heikle Frage, „Was hat die Kirche gegen Homosexualität“, beantwortete Haßlberger einfach: „Nichts.“ Diese Menschen müssten geschwisterlich und respektvoll behandelt werden, wobei das früher „anders war“, weil auch die Gesellschaft anders gewesen sei. Allerdings stellte der Weihbischof klar: „Die Ehe besteht für die Kirche ausschließlich aus Mann und Frau.“

Hermann Weingartner

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