MASCHKERAVERSAMMLUNG

Bittere Pillen und Dorfener Wundermittel

Die fast vier Stunden dauernde Maschkera-Versammlung hat am Wochenende die närrische Zeit in der Isenstadt eingeläutet. Die Karnevalsgesellschaft gedachte dabei auch ihres verstorbenen, langjährigen Vorsitzender und Ehrenpräsidenten Reinhold Kuliga.

Von Birgit Lang

Dorfen– Reinhold Kuliga war kurz vor Weihnachten im Alter von 71 Jahren gestorben. KG-Präsidentin Anja Greimel betonte bei ihrer Begrüßung in der Aula der Zentralschule deshalb: „Für Reinhold werden wir den Fasching, wie er ihn geliebt und gelebt hat, feiern“. Und so haben die Dorfener Narren witzige Sketche, gespielte Witze, hintergründige Einlagen mit Seitenhieben auf die Kommunalpolitik sowie schwungvolle Garde- und Showtänze einstudiert. Greimel und ihr Vize Martin Pommer führten sympathisch-souverän durch das Programm. Für Musik sorgte die Gruppe Blechtraum.

Im ersten Teil des Abends wurde das Prinzenpaar Franziska I. (Voglhuber) und Markus II.(Klötzl) durch das Präsidium inthronisiert. Präsidentin Greimel überreichte die Insignien Krone, Zepter und Orden und erhob die beiden damit in den Adelsstand. Auch Bürgermeister Heinz Grundner wurde, wie es alte Sitte ist, zur offiziellen Schlüsselübergabe auf die Bühne geholt.

Maschkera-Versammlung in Dorfen - die besten Bilder

Heuer gebe es ein Problem, meinte er: „Es gibt zwar einen Schüssel für die Tür, jedoch ein Rathaus gibt es nicht dafür.“ Das Prinzenpaar forderte er auf: „Lasst’s es richtig krachen. Die Arbeit soll der Stadtrat machen!“ Dieser sei bekannt dafür, wie akribisch und genau er „debattiert und reklamiert, bis mancher dabei müde wird“. Auch so manchen Seitenhieb auf die Nachbarn in Erding und Taufkirchen konnte sich Grunder nicht verzwicken, bevor er den Regenten den symbolischen Schlüssel überreichte.

Orden überreicht wurden auch an die drei anwesenden Stadträte am Freitag: Doris Minet, Günter Drobilitsch und Sepp Jung sowie an Grundschulleiter Gerhard Maintok, Faschingsdeife-Chef Walter Steinweber und KG-Redenschreiber Ralph Minichshofer. Das letztjährige Prinzenpaar Simon I. und Carina I. wurde mit dem Senatorenorden ausgezeichnet, weil sich beide weiter bei der KG engagieren, er im Elferrat, sie bei den Jumping Jacks. Nachdem sich Markus II. und Franziska II. vorgestellt hatten, legten sie – wie schon zuvor das Erbprinzenpaar Paul (Potocnik) und Finja Marlin (Schoeder) – einen flotten Walzer sowie einen Showtanz aufs Parkett.

Nach der Pause war der komödiantische Teil der Maschkeraversammlung an der Reihe. Viele Seitenhiebe auf den Stadtrat teilte Wolfgang Lanzinger als Apotheker Jens Scheidkraut aus, als ihn Frau Dorfner (Irmi Huber) bei ihren vielen Zipperleins um Hilfe bat. So klagte sie beispielsweise über Verstopfung: „Im Stoßverkehr da macht meine Hauptschlagader zu, da staut’s es auf da B 15.“ Scheidkraut hatte für jede Beschwerde die passende Medizin parat. In diesem Fall empfahl er: „Schranken Weg aus dem Service Center der Deutschen Bahn AG“ und „Trogodil von Braunhuber Arzneien.“ Ersteres sei eine „bittere Pille, die müssen’s einfach schlucken“, koste aber nur „lächerliche zehn Millionen“. Trogodil sei auch bitter, aber dafür gebe es Zuschüsse. Frau Dorfner wollte gleich beides nehmen, auch „die Troglösung“. Ihre Blasenschwäche sei ebenfalls kein Problem mehr, seit der „städtischen Klo-Offenive mit 13 öffentlichen Toiletten“, meinte er. Gegen ihr Sodbrennen riet der Apotheker ihr ein „echtes Dorfener Wundermittel, Südholzmehl“ von Martin Bachmaiers Raspelmühle, gegen ihren schlechten Schlaf „Michaeli Dragees aus dem Schlafstudio Oberhofer“ oder „Schlafwohl mit Martin“ aus der Traumfabrik Greimel“, die seien als Computer-Chip einzuführen.

Mitverfolgen konnte das Publikum auch die Ausgrabungen an der Rathausbaustelle mit Heidi Albus als Archäologin Dr. Baubremser und Lanzinger als Arschivar Dr. Wimmerl. Statt römischer Funde gruben sie die Altlasten aus, die Bürgermeister Grundner im Keller versteckt hatte. Auf den Scherben standen unter anderem Korff oder Pilz. Wimmerl klärte auf, dass es sich dabei um „hochrangige städtische Angestellte handelte: Korff habe er sich als Verwaltungschef ausgesucht. Vier Jahre sei er nun im Krankenstand, „der effektivste und bestbezahlte städtische Mitarbeiter“ und Pilz, war City-Managerin und nach einem halben Jahr schon wieder weg. Figl, Haunolder, HAWE und Meindl war auf weiteren Scherben zu lesen. Sogar das „Fossil Braunhuber,“ der „hartnäckigste Widersacher des Bürgermeisters in Sachen Bahnausbau“ fand sich im Schutt.

Für begeisterte Jubelrufe sorgte der Elferrat, der einen Schuhplatter-Kurs besucht hatte und zeigte, wo die geheimen Präferenzen liegen: Beim Heavy Metal mit langhaarigem Headbangen, Discotanz im Glitzerfummel und Ringelpitz mit Popoanfassen.

Über „tätowierte Häuser“ und Bier, das „aus gläsernen Eimern“ getrunken wird, las Pommer noch aus dem Aufsatz des siebenjährigen Thorsten aus Norddeutschland über dessen Erlebnisse in Bayern vor, was die Anwesenden ebenfalls toll fanden. Nachdem schon die Bambinis und die Peanuts mit ihren Tänzen begeistert hatten, ernteten die Jumping Jacks mit „Disney neu vertanzt“ großen Jubel. So endete nach der obligatorischen Narrenhymne, zu der sich alle Protagonisten noch mal auf der Bühne versammelten, die Maschkera kurz vor Mitternacht brav dort, wo es das anfangs eingeübte diesjährige Faschingsmotto vorsah: „Ganz Dorfen is im Faschingsfieber, an der Bar seng ma uns wieder.“

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