Internationaler Austausch: Die Biogas-Bauern Irmgard und Gerhard Reger (vorne, r. und l. an der Nationalfahne) haben brasilianische Berufskollegen auf ihrem Hof empfangen.

Ausländische Delegation am Reger-Hof

Brasilianischer Besuch beim Biogas-Bauern

Nicht nur über den Tellerrand, sondern gleich über den Atlantik schaut derzeit eine brasilianische Delegation aus der Agrar-Wirtschaft, um in Bayern, Österreich und Italien Eindrücke aus der Landwirtschaft zu gewinnen. Unter anderem besuchte sie den Biogas-Betrieb der Familie Reger.

Kleinkatzbach – Rund 40 Südamerikaner aus dem Bundesstaat Paraná waren auf den Hof der Familie Reger nach Kleinkatzbach gekommen. Die brasilianischen Gäste sind Landwirte mit Viehwirtschaft oder Ackerbau, Vertreter des dortigen Landwirtschaftsverbands FAEP und auch im Umweltbereich tätig. Ziel des zehntägigen Trips, der in Bayern startet, ist es, in Europa neue Technologien rund um die Landwirtschaft kennenzulernen, um vielleicht etwas für zuhause mitzunehmen. Paraná liegt im Süden Brasiliens und gliedert sich in sechs Hauptregionen mit 399 municípios (Gemeinden).

Die Hauptstadt Curitiba hat sich den Beinamen „Hauptstadt der Ökologie“ gegeben. Sie ist bekannt für ein vorbildliches öffentliches Nahverkehrssystem. Beim Thema Umweltfreundlichkeit waren sie bei der Familie Reger genau richtig, da deren Biogas-Anlage als Musterbetrieb gilt. Daher hatte der Biogas-Verband Bayern die Brasilianer auch in den östlichen Landkreis Erding geschickt.

Flexibler Biogasstrom, Sonnenstrom und Fernwärme wird auf dem Hof von Irmgard und Gerhard Reger produziert. Im Vordergrund steht für das Ehepaar nicht nur der wirtschaftliche Erfolg, sondern das Gelingen von Energiewende und Klimaschutz. Auch das versuchte der Biogas-Bauer seinen interessierten Gästen bei der ausführlichen Betriebsvorstellung zu vermitteln.

Biogas-Bauern gebe es in Brasilien nicht so viele, berichteten die Gäste, denn es gebe keine staatliche Förderung wie hier. Und wenn, dann werde Treibstoff (Biomethan) produziert. Brasilien ist auch einer der größten Getreide-Produzenten und Exporteure weltweit. Dennoch zeigte die Delegation großes Interesse, wie die Biogas-Anlage betrieben wird und wie Reger hier als Landwirt arbeitet. Umsatteln wird wohl keiner. Paraná wird großteils mit Energie aus Wasserkraft versorgt.

Gar nicht verstehen konnten die Gäste, dass hier Weizen und Mais in einer Biogas-Anlage „verschwendet werden“. Reger erklärte dazu, als er 2004 auf die Biogas-Schiene umgesattelt hatte, gab es in Europa eine Lebensmittelüberproduktion. 100 Kilogramm Weizen kosteten damals nur acht Euro. Es stelle sich bis heute die Frage: „Warum sollen wir unsere Produkte auf den Markt bringen, wenn sie dort nichts Wert sind?“ Sinnvoller sei es da, sie auch in einer Biogas-Anlage zu verwerten, was Deutschland auch weniger abhängig von ausländischem Öl und Gas mache. Und schließlich sei früher auch ein Drittel des Hafers angebaut worden, um damit die Pferde zu füttern, die zur Feldarbeit gebraucht wurden. Heute entstehe aus dem Material eben Strom und Wärme für die Häuser.

Die Betriebsgrößen in Paraná entsprechen mit durchschnittlich rund 50 Hektar etwa denen bei uns. Es gebe aber auch Höfe mit 2000 und mehr Hektar, berichteten die Brasilianer. Diese waren sehr erstaunt, als Reger auf Nachfrage erklärte, dass ein Hektar (10 000 Quadratmeter) Grund hier „bis zu 400 000 Euro kostet“. Fragen gab es viele, etwa zu Umweltstandards und Strafen, Anbau und Erntemengen. Bei menschlichen Probleme, wie etwa bei der Hofnachfolge, gibt es Gemeinsamkeiten. Weder bei den Regers noch bei vielen der Gäste stehe trotz der Kinder noch nicht fest, wer den Betrieb einmal übernimmt.

Die Reisegruppe war beeindruckt von dem Betrieb und der positiven Einstellung der Regers, die neue Wege gehen in der Landwirtschaft und bei der Erzeugung umweltfreundlicher Energie im Zeichen des Klimaschutzes. „Ich hoffe, ihr könnt einiges mit nach Hause nehmen“, wünschte Reger beim Abschied. Der Austausch auch mal auf internationaler Ebene sei interessant und wichtiger denn je, fanden die Regers, die voll zu den erneuerbaren Energien stehen.

Hermann Weingartner

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