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Hakenkreuz-Fahnen: Auch in Dorfen wurde das NS-Regime bejubelt.

Geschichtswerkstatt

Den „braunen Schmutz wegräumen“

Wer nur oberflächlich sucht, findet wenig über die Zeit des Nationalsozialismus in Dorfen. Der Mantel des Schweigens ist dicht. Er soll jetzt aufgerissen werden.

Schorsch Wiesmeier

Dorfen – Der Name klingt harmlos: „Geschichtswerkstatt Dorfen“ heißt das Projekt, das die beiden ehemaligen Lehrer Schorsch Wiesmaier und Hans Elas ins Leben gerufen haben und das von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Kreisverband Erding mitgetragen wird. Vor allem die Zeit des Nationalsozialismus und dessen Vor- und Nachgeschichte soll thematisiert werden. „Vieles aus der Zeit zwischen 1933 und 1945 ist noch immer tabuisiert beziehungsweise wurde und wird beschönigend und verfälschend dargestellt. Viele Opfer und deren Leiden sind vergessen, während nach Mitläufern, Opportunisten und Profiteuren des NS-Systems Straßen benannt wurden. Dem wollen wir entgegen wirken“, betonen Wiesmaier und Elas.

„Als ehemalige Lehrer, die unter anderem das Fach Geschichte unterrichtet haben, wissen wir, dass dieser Geschichtsunterricht letztlich nur dann effektiv sein kann, wenn er lokal im Erfahrungsbereich der Schülerinnen und Schüler verortet ist. Dieser Ansatz war auch deswegen nicht leicht umzusetzen, weil alle örtlichen Chroniken, die es dazu gibt, diesen Abschnitt der Geschichte großräumig aussparen.“ Wiesmaier ist klar, dass die Aufarbeitung der braunen Vergangenheit in Dorfen sicher nicht nur Beifall finden wird. Aber es sei notwendig, „weil es so wenig Informationen über diese Zeit in Dorfen gibt“. Und das, was es gebe, sei sehr fragwürdig. Auch Dorfen müsse diese Zeit aufarbeiten. „Das braucht es, um aus der Geschichte lernen zu können“, sagt Wiesmaier.

Hans Elas

Der ehemalige Pädagoge nennt hier etwa das 2005 erschienene Buch „Georg Erhard – der vergessene Bürgermeister“. In dem werde das Lebenswerk des ehemaligen Dorfener Bürgermeisters Erhard gewürdigt, etwa die Isenregulierung in den Jahren 1935/36. Keine Zeile werde aber dem gewidmet, dass Erhard von 1936 bis 1945 auch Ortsgruppenleiter der NSDAP gewesen sei.

Das erste Treffen in der „Geschichtswerkstatt“ findet am Montag, 17. Juli, um 20 Uhr im Johanniscafé statt. Im Mittelpunkt stehen dabei der Schriftsteller Josef Martin Bauer sowie der katholische Geistliche und spätere SS-Offizier Albert Hartl. Beide waren in Hofkirchen Jugendfreunde und später Zöglinge der Internate Scheyern und Freising. Bauer, der mit seinem Roman „Soweit die Füße tragen“ Weltruhm erreicht hat, wird von Wiesmaier als „Mitläufer“ in der NS-Zeit skizziert. Spätestens ab Ende 1933 habe der Schriftsteller und langjährige Redakteur der Dorfener Zeitung „vom System enorm profitiert“.Als ganz anderes Kaliber wird Hartl eingestuft. Der Priester trat 1933 in die NSDAP ein und brach dann mit der Katholischen Amtskirche und seiner christlichen Anschauung. Er denunzierte Priester, die Kritik am Nationalsozialismus übten. Er wird SS-Sturmbannführer und unter anderem Leiter der Amtsgruppe IV B „Weltanschauliche Gegner“ im Reichssicherheitshauptamt (RSHA).

Warum Wiesmaier und Elas das alles machen: „Wir wollen den braunen Schmutz in der Region wegräumen. Wir kümmern uns um Klarheit. Dabei beschränken wir uns auf Menschen, die in der Zeit Ämter innehatten und gesellschaftlich aktiv waren.“

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