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Bürger als Biotop-Wächter

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Von: Timo Aichele

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Franz Leutner LBV-Ortsvorsitzender. archiv: ahu
Franz Leutner LBV-Ortsvorsitzender. © Anne Huber

Der Landesbund für Vogelschutz bittet Naturschützer um Mithilfe bei der Bewertung von Ausgleichsflächen. Auch die LBV-Ortsgruppen Dorfen und Fraunberg setzen auf dieses Projekt.

Dorfen – Hecken werden nicht gepflanzt, Biotope unsachgemäß gepflegt, Flächen intensiv als Grünland oder Maisacker genutzt – das beobachten die Naturfreunde vom Landesbund für Vogelschutz (LBV) mit Entsetzen bei offiziell gemeldeten Ausgleichsflächen. Das Nachsehen haben nach einer Pressemitteilung des LBV Insekten und Insekten, Vögel und andere Wildtiere. Sie brauchen die artenreichen Biotope als Deckung, Nistplatz und natürliches Nahrungsangebot. Daher bittet der LBV Bürger, beim Aufdecken solcher Missstände zu helfen. Dafür gibt es den AuFi, eine App, die jeder auf Smartphone oder Tablet installieren kann.

„Offensichtlich werden Umsetzung und Verstöße in den meisten Fällen aufgrund fehlender Kontrollpflichten nur unzureichend oder gar nicht überprüft“, schreibt der Dorfener LBV-Vorsitzende Franz Leutner nach einem Koordinationstreffen der LBV-Ortsgruppen Dorfen und Fraunberg.

Wie wichtig eine korrekte Umsetzung dieser von den Naturschutzbehörden vorgeschriebenen Maßnahmen sei, „wird jeder aufmerksame Naturfreund über die letzten Jahre am Zustand unserer Vogelwelt erkannt haben. Der Bestand unserer Brutvögel ist fast zur Hälfte eingebrochen“, erklärt Leutner.

Ausgleichsflächen seien als hochwertiger Ersatz gedacht, um die durch Baumaßnahmen unvermeidbaren Verluste an Lebensräumen gutzumachen – zum Beispiel artenreiche Feucht- oder Trockenwiesen, Hecken, Tümpel oder Feldgehölze. „Wenn alle Ausgleichsflächen tatsächlich so gestaltet wären, wie gesetzlich vorgeschrieben, hätte unsere heimische Vogelwelt einige Probleme weniger“, so Leutner. Solche Oasen könnten „lebenswichtige Trittsteine im Biotopverbund unserer häufig intensiv genutzten Landschaft sein“.

Allerdings zeigen wissenschaftliche Arbeiten und Studien des Landesbundes für Vogelschutz stichprobenartig, dass in Bayern die vorgeschriebenen Maßnahmen auf etwa 75 Prozent der Flächen nur mangelhaft bis gar nicht umgesetzt werden.

Auch in Dorfen seien im vergangenen Sommer kaum noch Vögel wie Grauschnäpper, Gartenrotschwanz, Trauerschnäpper oder Neuntöter, die sich hauptsächlich von Insekten ernähren, zu erleben gewesen. „Selbst Lerchen sind eine Seltenheit“, hat Leutner beobachtet. Betrieb herrsche oft noch am Vogelhäuschen. „Für Körnerfresser wie Meisen, Sperlinge und Finken ist das zusätzliche Futterangebot aber inzwischen lebenswichtig.“

Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung haben sich die Vorstände der beiden LBV-Ortsgruppen mit dem Ausgleichsflächenfinder „AuFi“ befasst. Dieses Projekt hat der LBV 2020 gestartet. Mit einer App können alle, die sich engagieren möchten, unkompliziert Ausgleichsflächen und dazugehörige Informationen finden und nach Besichtigung mit eigenen Beobachtungen ergänzen.

Ziel ist ein Überblick über den Zustand der Flächen für eine fundierte Argumentation. Nach Prüfung durch den Verband werden die gemeldeten Infos anonym im AuFi veröffentlicht. Zum Mitmachen sind alle Naturschützer aufgerufen.

Ein ähnliches Problem lässt sich laut Leutner mit den Grünverordnungen in den kommunalen Baugenehmigungen erkennen. In der Regel werden Eigentümern detailliert heimische Baumarten und Sträucher zur Pflanzung vorgeschrieben. „Trotzdem sind beim Rundgang durch Neubaugebiete in Dorfen und anderen Gemeinden Sträucher wie Kirschlorbeer und andere für unsere Insekten- und Vogelwelt oft wertlose exotische Ziergewächse nicht zu übersehen“, schreibt der LBV-Ortsvorsitzende. „Hier können wir Vogelschützer nur an die Bauverantwortlichen appellieren, die Grünverordnungen ernst zu nehmen.“ Manchmal helfe auch guter nachbarschaftlicher Rat, um die Gärten zu einem nützlichen Lebensraum für unsere Vögel zu gestalten und zu erhalten.

Informationen zum AuFi:

www.lbv.de/naturschutz/standpunkte/ausgleichsflaechen/aufi/

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