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In der Not hat Timo Bohn einen Schutzgraben gezogen, das Grundstück wurde trotzdem geflutet.

Hochwasserschäden

Bürger geben Kommunen Mitschuld

Dorfen/Isen - Das Unwetter dauerte nur kurze Zeit: Doch der Starkregen am Dienstagnachmittag hat in Dorfen und Isen zu vollgelaufenen Kellern und überfluteten Grundstücken geführt. Geschädigte Anwohner sind verärgert. Sie machen für die Schäden auch die Kommunen mitverantwortlich.

Land unter: Das Grundstück des Mietshauses, in dem die Familie Dreher in Dorfen wohnt. Schon drei Mal in diesem Jahr musste die Familie mit Hochwasser kämpfen. 

Thomas Dreher ist mit seiner Familie erst Anfang des Jahres in ein Mietshaus in der Artheserstraße nach Dorfen gezogen. In der kurzen Zeit wurde sein Keller bereits drei Mal von Hochwasser unter Wasser gesetzt. Als Dreher am Dienstag die schwarzen Gewitterwolken aufziehen sah, wurde er unruhig, erzählt er. Wenig später begann der Starkregen. Dreher gelang es gerade noch, die Fenster im Keller zu schließen. Dann schoss auch schon eine Sturzflut an seinem Haus vorbei. Ein kleines, am Grundstück vorbeiführendes Bächlein verwandelte sich binnen Minuten zu einem reißenden Strom. Auch der naheliegende Weiher trat über die Ufer. Mit Getränkekisten und Holzplatten versuchte Dreher einen Schutzwall zu errichten. Doch der wurde fortgespült. Die braune Brühe drang in den Keller ein, setzte diesen unter Wasser. Im Nachbarhaus wurde die gesamte Wohnung überschwemmt.

Hauseigentümer Hans Hagl macht für die seit Jahren immer wiederkehrenden Überflutungen auch die Stadt mitverantwortlich. Das Wasser komme unter anderem vom am Hang liegenden Wohngebiet Am Mitterfeld über den Berg herab. Die Stadt habe nach dem ersten Hochwasser 2006 zugesagt, ein Rückhaltebecken zu bauen. „Nicht ist geschehen.“ Eine Ursache für die Sturzflut sieht Hagl auch in dem an seinen Grundstück vorbeiführenden kleinen Bach. Der wurde vom Eigentümer schon vor Jahren zum Teil verrohrt wurde. Die Stadt wollte dafür sorgen, dass die Verrohrung beseitigt werde. Auch da sei nichts passiert.

Grundner kündigt Überprüfung an

Bürgermeister Heinz Grundner kann den Ärger von Hagl verstehen. Für die Beseitigung der Graben-Verrohrung sei ein Wasserrechtsbescheid notwendig. Der liege aber auch nach Jahren noch nicht vor. Zudem verweigere der Eigentümer der Hanggrundstücke ein Durchleitungsrecht. Verwaltungsintern will Grundner nochmals prüfen lassen, wie die Anwohner besser geschützt werden könnten. „Allerdings muss man auch sagen, dass Wassermassen in dieser Mengen nur schwer zu beherrschen sind.“

Ärger gibt es auch in der Marktgemeinde Isen. Am Gmainweg wurde eine Gartenfläche geflutet. Die Eigentümer sind sauer auf Bürgermeister Siegfried Fischer, weil der Unterstützung versprochen, aber wohl noch nichts unternommen habe. Die Familie Bohn hatte erst im Februar ihr neu gebautes Haus am Gmainweg bezogen. Der Garten ist ihrer Meinung nach als Hochwasser-Retensionsfläche „nur für den Schinderbach ausgewiesen“. Der Garten sei bereits zwei Mal überflutet worden, aber nicht vom nahen Bach, sondern über die angrenzende Wiesenfläche. Die Wassermassen kämen aus dem höher gelegenen Altweger-Graben und einer Rückhaltefläche, die die Gemeinde dort geschaffen hat. Die Situation sei Bürgermeister Fischer vor fast zwei Monaten geschildert worden, der „sich kümmern“ wollte. Bis gestern habe man nichts vom Gemeindechef gehört, ärgert sich die Isener Familie.

Immerhin sei ein Vertreter des Wasserwirtschaftsamts (WWA) München am Dienstag vor Ort gewesen, sagen die Bohns. Der habe erklärt, dass die Gemeinde für den Unterhalt des Altweger-Graben und des Retentionsbeckens dort verantwortlich sei. Das WWA wolle im Landratsamt prüfen, ob ein Schutzwall für das Bohn-Grundstück möglich sei.

Fischer: Graben lief schon immer über

Bürgermeister Fischer hat alle Vorwürfe zurückgewiesen. Die Maßnahmen am Altweger-Graben, der in den Schinderbach mündet, „dienen rein nur zur Abflussentschärfung, um den Schinderbach bei Hochwasser zu entlasten. Das funktioniert“, betonte Fischer. Der Graben sei „immer schon“ übergelaufen und auch der Baubereich der Bohns von Überschwemmungen betroffen gewesen. Daher diene ihre Retentionsfläche auf dem Grundstück als Ersatz für die verbaute Hausfläche als Abflussentlastung für den gesamten Bereich am Schinderbach. Den Bauantrag habe die Gemeinde „aus rein baurechtlicher Sicht beurteilt“, so Fischer. Für die Hochwasserproblematik sei daher nicht Kommune oder Bürgermeister verantwortlich, sondern die Genehmigungsbehörde.

Anton Renner / Hermann Weingartner

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