+
Den Publikumspreis überreichen (v. l.) Ausrichter Adalbert Becker und Bürgermeiser Heinz Grundner an Dr. Cord Restorff. Auch Verdandschef Marcus Siebler (r.) gratulierte dem brillanten Filmemacher.   

Bundesfilmfestival für Amateure in Dorfen

Ganz großes Kino: Machu Picchu, Stadt in den Wolken

Zum sechsten Mal fand das Bundesfilmfestival in Dorfen statt. Die Bandbreite der gezeigten Filme war groß. Der beste Streifen war heuer „Machu Picchu, Stadt in den Wolken“.

Dorfen– Erste Szene: Nackte Füße in ausgelatschten Sandalen, die zügig des Weges gehen; faltige Hände umklammern derweil zwei hölzerne Stangen. Der Zuschauer im Jakobmayer in Dorfen folgt den Sequenzen und sieht schon bald einen uralten Mann, der eine Rikscha zieht. In der Ferne der Ganges, im Vordergrund eine staubige Straße, mitten in Kalkutta. Cut.

„So weit die Füße tragen“ heißt der Film, der beim diesjährigen Bundesfilmfestival in Dorfen eine goldene Medaille bekommen hat und nun bei den renommierten Deutschen Filmfestspielen zu sehen sein wird. Es geht dabei um den 91-jährigen Mohammed, einen Rikscha-Zieher. Eine menschenunwürdige Arbeit, das sieht man auf den ersten Blick. Doch der alte Mann braucht Job und Geld – umgerechnet bekommt er nicht mal zwei Euro für täglich zwölf Stunden Arbeit – um in der Millionenstadt zu überleben. Diese Ambivalenz lässt sich nicht lösen und so wird Mohammed wohl weiterhin Rikschas ziehen, bis er tot umfällt.

Im Jakobmayer-Saal in Dorfen sitzen fünf Juroren sowie der Juryleiter auf der Bühne und diskutieren kontrovers über die Kurzfilme, die sie zuvor auf der Leinwand gesehen haben. Sie beurteilen Einstellungen, Schnitt, Musik und Dramaturgie. Aber auch Themenwahl und Inhalt sind relevant für die Bewertung. Reise- und Sportreportagen sind ebenso vertreten wie sozialkritsche und historische Berichte. Oder aber auch das rührende Memoriam über Willy, einst bester Freund der Dortmunder Autorin und Filmerin Michaela Pfeiffer.

Die Analysen sind prägnant, keineswegs beschönigend. Das Herzblut der Filmemacher steckt indes in den Streifen, und so ist es bestimmt nicht immer einfach, mit Kritik umzugehen. „In unseren Filmclubs wurden die Filme zunächst ausgezeichnet, dann auf Landesebene – und beim Bundesfestival bekommen sie kaum Resonanz. Das enttäuscht so manchen Autor“, sagt der 80-jährige Filmemacher Wolfgang Flumm aus Stuttgart, der eine Modell-Eisenbahnfahrt mit Freunden in Szene gesetzt hat. Flumm, der älteste Teilnehmer am Wettbewerb, gehörte ebenfalls zu den diesjährigen Gewinnern.

Aber auch der Nachwuchs brillierte: Ausgezeichnet wurde der Film „Der letzte Abschied“, in dem es um ein Hamburger Denkmal geht, das an die Kindertransporte im Dritten Reich erinnert. Filmemacherin Lina Drews ist Ü-20 und somit die jüngste Preisträgerin. Der Spagat zwischen den Generationen sei nicht immer einfach, weiß Marcus Siebler, Chef des Bundesverbands Deutscher Filmautoren (BDFA). „Doch Alt und Jung können durchaus voneinander lernen. Manche neue Idee der jüngeren Filmemacher inspiriert die Älteren, andererseits bringen diese auch wieder eine Menge Erfahrung mit, die jungen Leuten noch fehlt.“

„Auf Bundesebene messen sich die besten Dokumentarfilmer, die Konkurrenz ist groß und das Niveau der Filme hoch“, so Ausrichter und Organisator Adalbert Becker vom BDFA. Und Juryleiter Thomas Schulz, selbst ein ambitionierter Filmemacher, ergänzt: „Wir sind das transparenteste Filmfestival schlechthin – das schätzen unsere Autoren auch.“ Schließlich werden die Filme öffentlich vorgeführt, und Publicity ist bekanntlich der Lohn kreativer Arbeit: „Die Autoren sehen aber auch, wo sie im bundesweiten Vergleich stehen.“

Zum sechsten Mal fanden die Filmfestspiele nun in Dorfen statt. Bürgermeister Heinz Grundner freut sich, dass er das schillernde Event in die Stadt holen konnte. Gleichzeitig ist für die Veranstalter der Dorfener Jakobmayer-Saal eine schmucke Kulisse. „Die Atmosphäre in diesem Jugendstilsaal ist äußerst freundlich und persönlich“, schwärmt Becker.

„Mit einem Oskar kann Dorfen zwar nicht aufwarten“, sagt Grundner bei der Preisvergabe, „dafür aber mit heimischem Bier und Medaillen“. Und mit der begehrten Meldung zu den renommierten Deutschen Filmfestspielen, zu denen nur die besten Amateurfilmer aus den Bereichen Fiction und Non-Fiction bundesweit geladen werden.

Der beste Film beim Dorfener Festival war heuer „Machu Picchu, Stadt in den Wolken“, von Dr. Cord Restorff und seiner Frau Doris. Ganz großes Kino – da waren sich Juroren sowie das Publikum einig. Das Ehepaar aus Karlsruhe filmte in Peru die mittlerweile fast vergessene Anlage der Inka.

Restorffs Hobby war erst das Fotografieren. Seine Frau setzte hingegen schon früh auf bewegte Bilder. Schnell mutierte ihr Mann vom Stativträger zum Kameramann. „In Filmen kann man sich ganz anders ausdrücken, man nimmt den Zuschauer mit in ferne Städte“, so Restorff. Und weiter: „Das hohe Ziel eines Filmemachers ist es, dem Zuschauer zu vermitteln, was man selbst erlebt hat – anschaulich und spannend.“ 

MICHAELE HESKE

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Kandidat Andreas Wimmer: „Ich wäre gerne der Ansprechpartner für alle“
Andreas Wimmer ist seit 2014 Vize-Bürgermeister von Finsing. Ab 2020 will der 46-Jährige das „Vize“ ablegen. Er ist der dritte Herausforderer von Amtsinhaber Max …
Kandidat Andreas Wimmer: „Ich wäre gerne der Ansprechpartner für alle“
Berglern: Dem Kriegerverein seit Jahrzehnten treu
Der Krieger- und Soldatenverein Berglern hat in seiner Herbstversammlung verdiente Mitglieder geehrt.
Berglern: Dem Kriegerverein seit Jahrzehnten treu
„Nichts mehr vom Paradies übrig“ - Anwohner der neuen A94 setzen sich weiter zur Wehr 
Das neue Teilstück der A94 im Münchner Osten bringt die Anwohner zur Verzweiflung. Von „paradiesischen“ Zuständen wie vormals ist nichts mehr zu spüren. Wurden vorher …
„Nichts mehr vom Paradies übrig“ - Anwohner der neuen A94 setzen sich weiter zur Wehr 
Flughafen München: Beamte fassen gesuchten Sexualstraftäter - er machte einen fatalen Fehler
Am Flughafen München ist ein Mann festgenommen worden, dem eine Sexualstraftat zur Last gelegt wird. Der Mann war zunächst geflohen - beging dann aber einen groben …
Flughafen München: Beamte fassen gesuchten Sexualstraftäter - er machte einen fatalen Fehler

Kommentare