Feixt sich fröhlich durch den Abend im Jakobmayer: Kabarettistin Christine Eixenberger.
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Feixt sich fröhlich durch den Abend im Jakobmayer: Kabarettistin Christine Eixenberger.

Kabarett

Christine Eixenberger fordert: Mehr Moschus im Kollegium

Die Kabarettistin Christine Eixenberger bereitet ihrem Publikum mit Späßen über Lehrer, Schüler und vor allem Eltern einen vergnüglichen Abend im Jakobmayer in Dorfen. 

Dorfen Ein unglaubliches Gefühl sei es, nach der Zwangspause wieder auf der Bühne zu stehen. So begrüßt Christine Eixenberger ihr Publikum am Samstag im Jakobmayer. „Ich springe nochmal raus, und dann könnt ihr richtig ausflippen“, meint das komödiantische Multitalent. Gesagt, getan – begeistert applaudieren die Besucher. So startete ein vergnüglicher Abend, bei dem die Kabarettistin das Thema Corona nur am Rande streifte.

So eine Lehrerin hätte man auch gern gehabt: Lustig, einfallsreich, hübsch. Außerdem – man muss es deutlich sagen – mit Hang zu Spott und diabolischem Gedankengut. Ein Grundschullehrer fungiere ja in den Augen der Gymnasial-Kollegen irgendwo zwischen Bastelschlampe und Tierpfleger, weiß Eixenberger.

Doch sie kann alle Zweifler eines Besseren belehren: Witzig und wortreich erklärt sie den Zuschauern das diffizile Gefüge zwischen Schülern, Lehrern und selbstverständlich den Eltern. „Schüler wären gar nicht so schlimm“, meint sie, „wenn die Kinder keine Eltern hätten“. „Heute können die Schüler mit sechs Jahren schon Chinesisch sprechen, dafür keine Schuhbändel binden“, sagt die Pädagogin. Und die Mütter erst, die schon in der vierten Klasse die Mitschüler ihres eigenen Nachwuchses für „Konkurrenten auf dem Arbeitsmarkt“ halten und allesamt riesige SUV fahren. „Ihr könnt mittags vor jede x-beliebige Grundschule gehen – eine Militärparade am Roten Platz in Moskau ist ein Scheiß dagegen.“

Es ist ein Vergnügen, Eixenberger im Jakobmayer zuzusehen. Fröhlich feixt sie sich durch den Abend, immer mit vollem Körpereinsatz. Sie spielt mit Duktus und Dialekt, singt mit toller Stimme lustige Lieder und schlüpft mühelos in verschiedene Rollen. Ihrem quirligen Charme kann sich keiner entziehen. Und auch nicht ihren saftigen Frechheiten, die sie samt und sonders mit einem strahlenden Lächeln serviert – ganz Frau Grundschullehrerin eben, mit Dutt sowie Heißklebepistole und Schere, um damit lustige Girlanden zu basteln.

Den Lehrermangel in der Grundschulpädagogik prangert sie an: „Wir sind nur Weiber im Kollegium, das hältst du nicht aus.“ Schließlich fehle der Geruch nach Moschus und Testosteron im Gang. Einen Rat hat sie noch, sozusagen von Frau zu Frau, den sie gleichermaßen für den hübschen, vermeintlich homosexuellen Polizisten parat hat, der eine Alkoholkontrolle bei ihr machen will. Freilich hat sie da schon mehrere Piccolos zur Nervenberuhigung nach einem Crash mit einer Wildsau gezwitschert: „Auf schöne Männer sollte man nicht reinfallen, in den meisten Fällen sind sie brunzdumm, aber das wissen Sie ja aus eigener Erfahrung.“

Aber auch Grundschullehrerinnen brauchen hin und wieder eine „große Pause“. Raus aus der Schule – hinein in den Tempel von Meditation und Moorbehandlung. Ein Wellness-&-Spa-Hotel scheint genau der richtige Ort zu sein, um die Seele baumeln zu lassen. Doch hier trifft Eixenberger Botox-Mumien mit aufgespritzten Lippen – Gesichter, in die Ehegatten 20 000 Euro investiert haben. Wie viel Einmischung ist da gut, und wo hat das Ganze seine Grenzen – ab wann wird man zum Gscheidhaferl, zur Besserwisserin? Ist es gescheiter, gescheit zu sein und im Gespräch lieber mal ein Blatt vor den Mund zu nehmen? Fingerspitzengefühl oder lieber voll auf die Zwölf? Überlegungen, denen Eixenberger bei „Fingerspitzenlösungen“, so der Name des Programms, auf ihren ureigensten Grund geht.

Nach 70 Minuten war dann Schluss mit lustig. Beim Zusammenschnitt des Programms, schließlich musste Entertainerin Eixenberger wegen der Auflagen ohne Pause spielen, habe sie bewusst das Thema Corona ausgeklammert. Als Zugabe singt sie von aktuellen Konflikten zwischen „Bauern und Bikern“, „Preißn und Bayern“ in ihrem Heimatort Miesbach, die sie extrem verstört hätten. Viel Applaus bekommt die Schauspielerin für ihr fehlendes Fingerspitzengefühl, mit dem sie auch sich selbst auf die Schippe nimmt. Das Programm jedenfalls war ein gelungener Start ins Post-Corona-Kleinkunst-Leben im Jakobmayer-Saal.(Michaele Heske)

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