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Die Erinnerung wach gehalten (v. l.): Pfarrgemeinderatsvorsitze nder Thorsten Berner, Marielle Mittermaier (Malerarbeiten Denkmalkreuz), Referent Franz Streibl, Jürgen Weithas, Vorsitzender Historischer Kreis und Renate Döllel, Vorsitzende des Gartenbauvereins Zeilhofen. 

Pfarrer Josef Gammel

Chronik über großen Chronisten

Er war ein geschätzter und beliebter Seelsorger in Pfarrgemeinde Oberdorfen. Mit seiner stillen und feinen Art hat Josef Gammel die Herzen seiner Pfarrkinder erobert. Er wusste um die Sorgen und Nöte des Volkes.

Von Georg Brennauer

Oberdorfen – Doch der 1959 verstorbene Geistliche war mehr als nur Priester. Er hat sich mit voller Hingabe der Erforschung der Heimatgeschichte verschrieben. Er starb bei einem tragischen Verkehrsunfall. Zu seinem 60. Todestag wurde auf Initiative des Historischen Kreises Dorfen, der Pfarrgemeinde Oberdorfen und des Gartenbauvereins Zeilhofen des Geistlichen gedacht.

Nach der Aufstellung des renovierten Marterls bei Landersdorf (wir berichteten) fand ein Festgottesdienst in Oberdorfen statt. Im Anschluss an die Messe mit Pfarrer Janusz Gadek, Fahnenabordnungen und Musik vom Kirchenchor berichtete Franz Streibl in einem Vortrag über das Leben und Wirken Gammels.

Schon früh Interesse an Heimatforschung

Pfarrer Josef Gammel.

Als erstes von zehn Kindern wurde Josef Gammel auf dem Schillerhof in Thann bei Pfrombach geboren. Nach sechs Jahren Volksschule kam er in das Internat nach Scheyern und anschließend aufs Knabenseminar in Freising. 1921 erhielt er sein Abiturzeugnis. Noch im gleichen Jahr begann er das Studium der Philosophie und Theologie in Freising. Seine Passion für Heimat- und Ahnenforschung erwachte in dem belesenen wie begabten Theologie-Studenten schon früh. Unter anderem legte er eine Materialsammlung zur Pfarrgeschichte von Pfrombach an. Im Mai 1926 wurde Gammel zum Priester geweiht und wirkte von 1926 bis 1931 als Kooperator in Moosinning und Eichenried. Seine Nachforschungen über die Geschichte von Moosinning, Eichenried, Neuching und Pfrombach hielt er in Schulheften fest, die nun im Staatsarchiv in Landshut verwahrt werden. Veröffentlicht wurden diese Recherchen 1929.

Pfarrer von Oberdorfen

Über kurze Priesterstationen 1931 in Lengdorf und Ohlstadt kam Gammel noch im selben Jahr nach Dorfen, wo er die Filialen betreute und sich um die Jugend kümmerte. Es folgten die ersten Artikel in der Dorfener Zeitung über die „Alte Dorfener Heimat“. Nach dem Tod von Pfarrer Gebhard 1941 leitete er als Pfarrvikar kurz die Pfarrei Maria Dorfen. Am 7. Oktober wurde er zum Pfarrer der Pfarrei Oberdorfen ernannt. Nach einem Beitrag über die Geschichte des Gutes Osendorf 1943 verstummten seine öffentlichen Beiträge.

Nach Kriegsende berichtete Gammel bereits im Juli 1945 über die US-Besetzung in seiner Pfarrei, publiziert in der Schriftenreihe des Diözesan-Archivs. 1949 folgten Veröffentlichungen im Dorfener Anzeiger, im „Mühlrad“, in der heimatkundlichen Schrift „Zwischen Sempt und Isen“ sowie im Erdinger Landkreisbuch.

Bundesverdienstkreuz erhalten

1950 folgte die zweite Broschüre „Söhne und Töchter der Pfarreien Dorfen und Oberdorfen“, 1953 die dritte „Zeilhofen in alter und neuer Zeit“ und noch viele Aufsätze bis zum letzten Beitrag über die Lappacher in Berg bei Lindum. Bei der Stadterhebung Dorfens 1954 hielt er den Festvortrag und erhielt 1958 das Bundesverdienstkreuz.

Streibl verwies abschließend auf das große Verdienst von Albrecht Gribl, der Gammels Werke 20 Jahre nach dessen Tod sammelte und drucken ließ. „Dieses Werk kann man getrost als die ,Bibel der Dorfener Heimatforschung‘ bezeichnen“, erklärte Streibl.

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