Die Corona-Impfung: Fast alle Mediziner raten dazu. Doch manche Menschen zweifeln noch.
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Die Corona-Impfung: Fast alle Mediziner raten dazu. Doch manche Menschen zweifeln noch.

Mediziner mit eindringlichem Appell

Corona-Impfung: Druck auf Ungeimpfte steigt - „Werde fast schon gemobbt“

Wer sich nicht gegen Corona nicht impfen will oder kann, fühlt sich teilweise ausgegrenzt. Betroffene aus dem Landkreis Erding erzählen.

Dorfen – Bist du eigentlich geimpft? Das ist derzeit die Gretchenfrage. Viele, die bislang nicht geimpft sind, fühlen sich mittlerweile fast schon diskriminiert – aber nicht jeder, der Angst vor dem Pieks hat, ist auch ein Impfgegner. Die 3G-Regel verschärft die Diskussion zusätzlich. Dennoch plädiert Dr. Lorenz Bott-Flügel, Chefarzt für Innere Medizin am Klinikum Erding, ganz klar für die Immunisierung: „Die Nebenwirkungen stehen in keinem Verhältnis zu einer Infektion.

Corona-Impfung als gesellschaftliches Problem? „Geht ein Riss durch Familien und den Freundeskreis“

Für Nicole Schönheit ist das Thema Covid-Impfung mittlerweile ein gesellschaftliches Problem: „Da geht ein Riss durch Familien und den Freundeskreis – ich kann nicht mehr meine Meinung sagen, ohne dass ich in die Ecke der Querdenker gestellt werde.“ Die Dorfenerin distanziert sich von den Corona-leugnern und Impfgegnern. „Ich nehme das Virus sehr ernst – aber ich habe Angst vor der Impfung.“ Ihrer Meinung nach kamen die Vakzine zu schnell auf den Markt, seien nicht ausreichend getestet, deshalb zögere sie. „Ich bin einfach skeptisch gegenüber den wenig erprobten und genbasierten mRNA- und Vektorimpfstoffen.“

Dem widersprechen Mediziner allerdings. Die Forschenden hätten schon Erfahrung mit anderen Coronaviren und müssten nicht bei null anfangen. Zudem hätten Staaten weltweit gleichzeitig die Entwicklung mit hunderten von Millionen Euro unterstützt. Und einige Testphasen, die sonst hintereinander erfolgten, liefen parallel, aber genauso streng ab.

Corona-Impfung: „Lasse mich nicht impfen - ich habe Angst“

Weniger belesen ist Luise König (64), sie argumentiert aus dem Bauch heraus. „Ich kenne so viele Leute, die schwere Nebenwirkungen nach der Impfung hatten“, sagt die Dorfenerin. „Ich lasse mich nicht impfen – ich habe Angst.“ So habe ein Cousin seit der Impfung Herzprobleme. Und eine Freundin sei nach dem zweiten Pieks wochenlang krank im Bett gelegen.

Sie sei generell eine Impfgegnerin. „Beim Sohn eines Freundes hat die Masern-Mumps-Röteln-Impfung Autismus ausgelöst“, erzählt König. Diesen Zusammenhang weist Dr. Ludwig Rudolf allerdings klar zurück, dazu gebe es eindeutige wissenschaftliche Daten, erläutert der ehemalige Chefarzt des Dorfener Klinikums. Dieser angebliche Auslöser von Autismus sei nichts als ein Gerücht, der auch noch auf eine gefälschte Studie aus den 1990er Jahren zurückgehe. „Die Gerüchte halten sich, obwohl es sich damals nachweislich um einen Betrug gehandelt hat“, berichtet Rudolf von dem Fall des britischen Arztes, der dies wegen persönlichen wirtschaftlichen Interessen behauptet habe.

Corona-Impfung: Mediziner wünscht sich noch mehr Impfwillige

Auch würden viele Behauptungen über die Corona-Impfungen, die im Netz stehen, nicht stimmen: „Um die Pandemie in den Griff zu bekommen, müssen so viele Menschen wie möglich geimpft sein“, schließt Rudolf.

Auch Chefarzt Bott-Flügel wünscht sich noch mehr Impfwillige: „Es geht nicht nur um den Schutz der eigenen Haut, sondern es gibt zudem einen gesellschaftlichen Aspekt – man schützt dadurch auch die Menschen in der näheren Umgebung.“ Denn die Delta-Variante, die auf dem Vormarsch ist, sei hochaggressiv, weiß der Kardiologe und Pneumologe.

Und: „Es gibt kaum Krankheiten, bei denen es eine Kontraindikation gibt.“ Freilich sollten Menschen mit chronischen Erkrankungen eine Immunisierung vorab mit dem behandelnden Spezialisten abklären. Auch bei Schwangeren gebe es eine Risiko-Nutzen-Abwägung.

Ungeimpfte in der Corona-Pandemie: „Druck wird immer höher“

Die 47-jährige Anna aus Taufkirchen leidet an Lupus erythematodes, einer seltenen Autoimmunkrankheit. Sie möchte ihren Nachnamen nicht in der Zeitung lesen. „Ich werde im Kollegenkreis fast schon gemobbt, weil ich nicht geimpft bin – da möchte ich nicht, dass mich auch noch die Leute auf der Straße schief anschauen“, sagt sie. Ihr Arzt habe sie auf die Nebenwirkungen aufmerksam gemacht, er rate von der Impfung ab. „Das verstehen die Leute aber nicht. Kollegen und selbst viele Freunde sagen, ich schiebe die Krankheit nur vor.“

Bei Lupus sowie anderen Autoimmunerkrankungen bedarf es einer ärztlichen Abwägung, bestätigt Bott-Flügel. „Die Wirkung des Impfstoffes wird stark unterdrückt. Das ist so, wie wenn man sich mit Fieber impfen lässt, da verpufft der Schutz. Man wähnt sich sicher, ist es aber nicht.“ Auch gebe es Immunerkrankungen mit erhöhtem Thromboserisiko: „Wer solche Vorerkrankungen hat, ist in der Regel im Dialog mit dem behandelnden Arzt.“ Auch Allergiker sollten die Impfbestandteile vorab abklären, rät Bott-Flügel.

Seitdem die 3G-Regel gilt, müssen Nichtgeimpfte öfter nachweisen, dass sie Corona-negativ sind. „Das ist okay für mich“, sagt Nicole Schönheit, „Ich weiß um die Ansteckungsgefahr, dann muss ich zuhause bleiben oder mich testen lassen.“ Luise König findet es allerdings nicht fair, dass sie sich vor einem Restaurantbesuch testen lassen muss: „Der Druck wird immer höher.“ MICHAELE HESKE

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