Das Jahr 2020 auf 32 Seiten: Bilder aus Bürgermeister Heinz Grundners Präsentation zur Bürgerversammlung. Das gestrichene (und hier deswegen durchgestrichene) Volksfest, die Dorfener Delegation, die Anfang September im Bundesverkehrsministerium für einen Schienentrog beim Bahnausbau geworben hat, die B 15-Isenbrücke, deren Neubau wegen Corona auf 2022 verschoben werden musste, und der Schuldenstand.
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Das Jahr 2020 auf 32 Seiten: Bilder aus Bürgermeister Heinz Grundners Präsentation zur Bürgerversammlung. Das gestrichene (und hier deswegen durchgestrichene) Volksfest, die Dorfener Delegation, die Anfang September im Bundesverkehrsministerium für einen Schienentrog beim Bahnausbau geworben hat, die B 15-Isenbrücke, deren Neubau wegen Corona auf 2022 verschoben werden musste, und der Schuldenstand.

Bilanz der Stadt Dorfen

Die digitale Alternative zur Dorfener Bürgerversammlung

  • vonTimo Aichele
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Wegen des Lockdowns bekommen die Dorfener statt einer Bürgerversammlung eine Präsentation. Bürgermeister Heinz Grundner bedauert das.

Dorfen – Das Corona-Jahr 2020 auf 32 Seiten – so sieht die Notlösung der Stadt Dorfen für die ausgefallene Bürgerversammlung aus. Normalerweise hätte das Dokument Bürgermeister Heinz Grundner als Grundlage für seine Rede gedient. Doch nun müssen sich Interessierte mit dem Manuskript begnügen, das sie immerhin auf der Internetseite der Stadt abrufen können. Darin finden sich Haushaltszahlen sowie Rück- und Ausblicke. Mehr sei in den Zeiten der Pandemie nicht möglich, bedauert der 53-Jährige im Gespräch mit unserer Zeitung.

„Das gesellschaftliche Miteinander leidet“, beklagt Grundner. Ein Kultur-, Umwelt- und Sozialpreis sowie die Verabschiedung von Stadträten ohne Festakt – dem Bürgermeister schmeckt das gar nicht. „Seit März kann ich keine Jubilare mehr besuchen. Ich bedaure das auf Tiefste.“ Nun erhalte jeder 80-Jährige oder Goldhochzeiter nur einen Brief vom Bürgermeister.

Sogar die öffentlichen Stadtratssitzungen in der Aula der Zentralschule hält Grundner für grenzwertig – insbesondere vor großer Zuschauerkulisse wie bei der Debatte über den Bahnausbau. „Guad is mir ned dabei. Man hat immer ein gewisses beklemmendes Gefühl“, sagt der Stadtchef.

Die Pandemie findet sich auch in seiner Präsentation wieder. Wirtschaftsförderung wie die Programmreihe Digitale Stadt oder die Situation im Jakobmayer und im Freibad werden erläutert. Etwas mehr als 37 000 Badegäste haben das Dorfener Bad immerhin besucht. Um den Infektionsschutz zu gewährleisten, wurden die Öffnungszeiten in täglich drei „Badekorridore“ aufgeteilt.

„Wir sind 2020 noch relativ stabil“, sagt Grundner über die Stadtfinanzen. „Im Vergleich zu Kommunen im Landkreis-Westen sind wir noch ganz gut weggekommen“, meint der Bürgermeister. Schließlich sei Dorfen nicht so stark vom Flughafen abhängig. „Wir haben einen guten Mix aus Handel, Handwerk und Gewerbe.“ Im Einzelhandel seien leider bereits Einbußen festzustellen, sonst „sehen wir keine große Delle“. Jeder könne helfen: vor Ort einkaufen und „sich bei der örtlichen Gastronomie den Sonntagsbraten holen“.

Gleichwohl reißt die Pandemie bereits Löcher in die Stadtbilanz. „Wir liegen bei der Gewerbesteuer bei 20 Prozent hinter dem Ansatz. Das Minus bei der Einkommensteuerbeteiligung beträgt 10 bis 15 Prozent“, berichtet der gelernte Banker. Zusammen mache das etwa zwei Millionen Euro aus. Und es werde erst einmal nicht besser – speziell bei der Einkommensteuerbeteiligung, da sich diese aus Arbeitsmarktdaten der Vorjahre errechnet. Hier schlägt der Corona-Knick verspätet durch.

Die kommenden Haushaltsberatungen werden dennoch nicht leicht. „Alle Nice-to-Have-Ausgaben kommen verschärft auf den Prüfstand“, erklärt Grundner. „Die kommunalen Pflichtaufgaben haben oberste Priorität.“ Große Posten sind Kinderbetreuung, der Unterhalt der 210 Kilometer Gemeinde- und Gemeindeverbindungsstraßen sowie Ausstattung der zehn Ortsfeuerwehren. Immerhin stünden hier keine großen Investitionen an.

„Das Sportflächenkonzept wird aber im Haushalt stehen bleiben müssen“, erklärt Grundner. Die geplante Verlegung sei zu wichtig. „Das sind wir den Vereinen einfach schuldig.“ Diese seien entscheidend für den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Dorfen. Damit hängt auch die Zukunft des Freibads zusammen, dessen Fortbestand wegen eventuell anstehendem Sanierungsbedarf und Problemen mit der Nachbarschaft bedroht ist. „Wir werden versuchen, die Situation am Schwimmbad so weit zu stabilieren, bis man eine Ersatzlösung hat“, kündigt der Bürgermeister an.

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